Wirtschaft : Rekordergebnis - Reifenproduzent steigert Gewinn um 70 Prozent

Der Reifenkonzern Continental AG will im laufenden Jahr seinen Gewinn weiter steigern und damit das Rekordergebnis von 1999 noch übertrumpfen. Dabei soll der Gewinn überproportional zum Umsatz wachsen, sagte Vorstandschef Stephan Kessel am Mittwoch auf der Bilanzpressekonferenz in Hannover, ohne aber weitere Einzelheiten zu nennen. Unzufrieden äußerte Kessel sich über den Kurs der Continental-Aktie, die seiner Ansicht nach an der Börse zu niedrig bewertet wird. Spekulationen über ein Angebot für die Mannesmann-Tochter Atecs wies Kessel zurück.

Kessel sagte, der Ertrag habe in den ersten drei Monaten deutlich über Plan gelegen. Für das Ergebnis des Gesamtjahres zeichne sich damit eine positive Entwicklung ab, die von der starken Automobilkonjunktur getragen werde. Zahlen für die ersten drei Monate werde Continental am 10. Mai vorlegen. Im vergangenen Jahr steigerte Continental den Vorsteuergewinn den Angaben zufolge um 34 Prozent auf 511 Millionen Euro und übersprang damit die Marke von einer Milliarde Mark. Der erstmals nach US-Bilanzierungsrichtlinien US-GAAP ermittelte Reingewinn erhöhte sich auf knapp 235 Millionen Euro, was einer Steigerung gegenüber dem Vorjahr um 70 Prozent entspricht. Die Aktionäre sollen daraus eine erhöhte Dividende von 0,46 nach 0,41 Euro im Vorjahr erhalten. Der Hauptversammlung am 19. Mai solle damit die fünfte Dividendenerhöhung in Folge vorgeschlagen werden.

Kessel kündigte an, den Ausbau zum Lieferanten kompletter Systeme voranzutreiben und die Kosten weiter senken zu wollen. Dabei würden auch weitere Werkschließungen erwogen. Die Standorte dafür stünden noch nicht fest. Lediglich von einem Bremsenwerk in Frankreich soll die Produktion in die Tschechische Republik verlagert werden. In Europa sei "sicher noch ein Lkw-Reifenwerk zu viel im Verbund".

Wachstum erwartet Continental neben dem traditionellen Reifengeschäft, in dem die Hannoveraner verstärkt den großen US-Herstellern Konkurrenz auf deren Heimatmarkt machen wollen, im Geschäft mit neuen Technologien wie dem elektronischen Stabilitätsprogramm ESP. Davon seien im vergangenen Jahr 400 000 Stück verkauft worden. Für 2003 lägen bereits Verträge über 3,4 Millionen Einheiten vor. Das werde den ESP-Hersteller Continental Teves in eine weltweit führende Position bringen "und die Margen passen auch", fügte Kessel hinzu. Nach dem langen Streik im US-Werk Charlotte erwartet Continental zudem Stabilität durch ein auf sechs Jahre angelegtes Abkommen mit der lokalen Gewerkschaft, das wettbewerbsfähige Kosten garantiere.

Was nach wie vor nicht so laufe wie erwartet, sei die Entwicklung des Aktienkurses. An der Börse werde Continental zu sehr als Teil der Automobilindustrie und nicht als eigenständiger Wert gesehen. Zu Spekulationen, Continental könnte an Atecs interessiert sein, sagte Kessel: "Wir haben dazu nichts zu sagen, im Moment nicht." Continental habe kein Angebot für Atecs abgegeben und werde dies auch nicht tun. Damit ließ Kessel Raum für Überlegungen, Continental könnte im Falle einer Zerlegung der Mannesmann-Industrietochter an einem Teil des Unternehmens interessiert sein.

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