Rekorderlös : Ein dünner Mann bringt fettes Geld

Es dauert nur acht Minuten, bis die Krise am Kunstmarkt wie weggeblasen schien. Acht Minuten, dann hatte eine Skulptur des Schweizer Bildhauers Alberto Giacometti den Rekord für ein Kunstwerk bei einer Auktion gebrochen:

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Besteht nur aus Bronze, ist aber teurer als Gold: Der "Schreitende Mann". -Foto: dpa

London - Für 65 Millionen Pfund (rund 74 Millionen Euro) ging das Kunstwerk mit dem Titel „L’Homme qui marche I“ unter den Hammer. Die Nachricht schlug in die Kunstwelt ein wie eine Bombe. Als „absolut euphorisch“ beschrieb eine Sotheby’s-Sprecherin die Stimmung.

Ein Dutzend Bieter trieb am Mittwochabend den Preis für die lebensgroße Figur in die Höhe. Der Schätzpreis von 18 Millionen Pfund war blitzschnell übertroffen. Als der „Schreitende Mann“ die 35-Millionen-Marke überstieg, ging eine Raunen durch den Saal, bei der 50-Millionen-Marke ein Lachen. Zum Schluss fochten es, unter Stöhnen im Saal, zwei Telefonbieter unter sich aus. Nach acht Minuten tosender Applaus: Der Auktionsrekord, den vor sechs Jahren Pablo Picassos Gemälde „Junge mit Pfeife“ gesetzt hatte, war haarscharf gebrochen. „Auf diese Skulptur habe ich mein Leben lang gewartet“, soll einer der Bieter laut Sotheby’s Spezialist Philip Hook gesagt haben.

Das Auktionsergebnis sorgte auch in Frankfurt am Main für Aufregung. Denn fast 30 Jahre lang stand die 183 Zentimeter große Skulptur dort auf der sechsten Etage des Hauptquartiers der Dresdner Bank, die eine umfangreiche Kunstsammlung unterhielt. Nach der Übernahme der Bank durch die Commerzbank im Januar 2009 stellte der neue Eigentümer die 100 besten Werke der Sammlung den führenden Museen in Frankfurt, Berlin und Dresden als unbefristete Leihgaben zur Verfügung. Die Giacometti-Skulptur wurde zugunsten des neuen Stiftungszentrums der Commerzbank verkauft, in der die Stiftungen der beiden fusionierten Banken zusammengeführt werden. Das Stiftungskapital der Commerzbank-Stiftung beträgt 53 Millionen Euro, die Dresdner-Stiftungen haben ein Kapital von 43,6 Millionen Euro. Die 74 Millionen Euro aus dem Verkauf des Giacometti – abzüglich acht Millionen Euro für Sotheby’s – sollen der Stiftungsarbeit der neuen Bank einen gewaltigen Schub geben. dpa/HB

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