Wirtschaft : Rekordgewinn bei SAP überrascht die Börse Quartalsergebnis um 49 Prozent verbessert/Aktie gewinnt

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Frankfurt (Main) (ro/msh). Der Walldorfer SoftwareKonzern SAP hat im vergangenen Jahr nicht nur der flauen Konjunktur getrotzt, er hat zwischen Oktober und Dezember sogar ein Rekordquartal verbucht. Dabei lief gerade das Geschäft in Deutschland sehr gut. „Noch nie in der Geschichte hat SAP in dieser Zeit mehr Geld verdient", sagte Vorstandssprecher Henning Kagermann am Donnerstag in Frankfurt. Der Umsatz schrumpfte zwar im Vergleich zum vierten Quartal 2001 leicht um zwei Prozent auf 2,27 Milliarden Euro, der Gewinn stieg dagegen um 49 Prozent auf 474 Millionen Euro. „In einem unsicheren ökonomischen und politischen Umfeld haben wir erfolgreich agiert“, sagte Kagermann. Die Börse honorierte die überraschend guten Zahlen des Software-Unternehmens. Der Kurs der SAP-Aktie stieg in einem schwachen Markt bis zum Handelsschluss um 2,9 Prozent auf 86,02 Euro.

SAP entwickelt Software für die Steuerung betriebswirtschaftlicher Abläufe in Unternehmen, vom Personalwesen über die Buchhaltung bis zur Produktion. Mit seiner positiven Jahresbilanz hat SAP der Branchenkrise deutlich besser getrotzt als viele Konkurrenten. Vor allem kleinere, spezialisierte Software-Anbieter verzeichneten im vergangenen Jahr wegen der schlechten Wirtschaftslage hohe Umsatzeinbußen oder mussten sogar ganz aufgeben. Letzteres führte dazu, dass Firmen bei neuen Software-Projekten vor allem auf die Branchengrößen wie SAP, Oracle oder Microsoft setzen. „Ein weiterer Vorteil der Großen ist, dass sie den Kunden eine komplette Software-Plattform bieten können statt vieler Einzellösungen“, sagt Alla Gorelova, Software-Expertin beim Bankhaus Sal. Oppenheim.

Nach Ansicht von Kagermann ist SAP auf jedes Szenario für 2003 vorbereitet. Die Erträge sollen weiter steigen. Die eigentlich erst für 2004 angestrebte Umsatzrendite von 25 Prozent wollen die Walldorfer schon in diesem Jahr erreichen. Im gesamten Geschäftsjahr 2002 konnte SAP den Umsatz leicht um ein Prozent auf 7,4 Milliarden Euro erhöhen. Der Gewinn vor Steuern stieg um vier Prozent auf 1,1 Milliarden Euro, nach Steuern ergab sich ein Minus von 12 Prozent auf 509 Millionen Euro. Grund waren vor allem Aufwendungen für das Engagement bei der US-Softwarefirma Commerce One.

Mit einem Rückgang der Softwareerlöse um elf Prozent auf 2,3 Milliarden Euro hielt sich SAP weiter besser als die Konkurrenz. Die Umsätze aus dem Verkauf von Softwarelizenzen gelten als Basis für künftige Wartungs- und Beratungserlöse. Trotzdem setzte sich „die Tendenz zu kleineren Vertragsabschlüssen auch im vierten Quartal“ fort, sagte Kagermann. In Deutschland baute SAP den Umsatz im vergangenen Jahr um zehn Prozent aus, in der europäischen Region um sieben Prozent.

In Amerika belastete SAP der schwache Dollar. Auf dem größten Softwaremarkt der Welt machte der Konzern acht Prozent weniger Umsatz. Währungsbereinigt ging er nur um zwei Prozent zurück. Das USA-Geschäft galt in den vergangenen Jahren als Sorgenkind von SAP. Der im Juni eingesetzte neue Vertriebschef hat offenbar die Wende geschafft. SAP sei auf Basis der Lizenzumsätze auch in den USA zum größten Anbieter betriebswirtschaftlicher Software avanciert, hieß es. Bei Programmen zur Pflege von Kundenbeziehungen, die als einer der wenigen Wachstumsmärkte gelten, überholte SAP im vierten Quartal Marktführer Siebel.

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