Rekordgewinne : Die Apple-Show geht weiter

Apple zeigt, wie man es macht: Obwohl der US-Technologiekonzern aktuell keine großartig neuen Produkte auf den Markt bringt, verkauft sich die Marke wie eh und je als Innovationstreiber und Gewinnmaschine.

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Im Zeichen des Apfels. Apple überrascht auch Skeptiker mit immer neuen Verkaufsrekorden. Je größer der Konzern aber wird, desto riskanter ist die elitäre Strategie, immer etwas teurer als die Konkurrenz zu sein.
Im Zeichen des Apfels. Apple überrascht auch Skeptiker mit immer neuen Verkaufsrekorden. Je größer der Konzern aber wird, desto...Foto: AFP

Berlin - Am Mittwoch blieb der Internet-Shop von Apple für einige Stunden geschlossen, nur ein gelber Zettel versprach „Wir sind bald zurück“. Die Hoffnung der Apple-Gemeinde, es würden überraschende Neuheiten enthüllt, wurde aber enttäuscht. Es blieb bei der bereits am Vortag angekündigten Neuauflage des Mac-Betriebssystems „Lion“ und dem ebenfalls erwarteten MacBook- Air, das jetzt schneller rechnet.

Dass sich die Börse am späten Dienstagabend und am Mittwoch dennoch kaum halten konnte vor Begeisterung – die Aktie sprang zuletzt um bis zu fünf Prozent nach oben –, lag an den sensationell guten Geschäften, die Apple seinem cleveren Marketing verdankt. Allein von April bis Juni dieses Jahres haben die Kalifornier mehr als 20,3 Millionen iPhone-Handys verkauft, dazu fast 9,3 Millionen iPad-Tablets und annähernd 4,0 Millionen Mac-Rechner. Manche Produkte verkauften sich dreimal so gut wie im Vorjahreszeitraum. Von jedem Dollar Umsatz bleiben 40 Cent bei Apple als Gewinn hängen.

Um 82 Prozent verbesserte sich der Umsatz im zweiten Quartal auf insgesamt 28,6 Milliarden Dollar. Der Gewinn verdoppelte sich gegenüber dem Vorjahreszeitraum sogar auf 7,3 Milliarden Dollar. Soviel hat Apple noch nie verdient. Einziger Wermutstropfen waren die iPod-Musikspieler, deren Absatz weiter fiel auf zuletzt 7,5 Millionen Stück. Viele Apple-Fans hören ihre Songs inzwischen lieber auf dem iPhone.

Analysten schätzen, dass Apple nach diesem erfolgreichen Quartal erstmals den finnischen Handykonzern Nokia als Marktführer im stark wachsenden Smartphone-Segment abgelöst hat. „Dass sie das ohne ein neues Modell geschafft haben, spricht Bände über ihre Stärke wie auch über die Herausforderungen, vor denen die Konkurrenz steht“, sagte Marktforscher John Jackson von CCS Insight. Das erste iPhone-Modell wurde 2007 auf den Markt gebracht. Mit ihm erzielt Apple inzwischen etwa 40 Prozent des Umsatzes.

Apple-Chef Steve Jobs sprach am Dienstag (Ortszeit) in einer Mitteilung vom „besten Quartal aller Zeiten“. Und selbst der sonst eher spröde wirkende Finanzchef Peter Oppenheimer ließ sich in einer Telefonkonferenz zu der Aussage hinreißen, die Nachfrage sei „sagenhaft“. Apple habe zum Beispiel jedes iPad verkauft, das man habe herstellen können. Oppenheimer deutete aber auch an, dass der Konzern vor einigen Herausforderungen steht. So wären ernsthafte Lieferschwierigkeiten ein Problem für die Marke. Ein neues Produkt, gemeint ist wohl das iPhone5, werde die Ergebnisse des laufenden Quartals beeinflussen, sagte Oppenheimer.

Sorgen bereitet dem Unternehmen der Gesundheitszustand von Steve Jobs. Seit dem Rückzug des Mitgründers aus dem Tagesgeschäft mehren sich die Zweifel, ob Apple auch ohne ihn langfristig so erfolgreich bleibt. Mehrere Mitglieder des Verwaltungsrats haben einem Bericht des „Wall Street Journals“ zufolge über einen Nachfolger für den seit Jahren angeschlagenen Jobs beraten. Sie hätten zudem mit mindestens einem Chef eines wichtigen Technologieunternehmens gesprochen. Jobs wird während seiner Abwesenheit von Tim Cook vertreten.

Je größer und erfolgreicher Apple wird – schon jetzt ist der Konzern mit einem Börsenwert von 370 Milliarden Dollar die wertvollste Technologiemarke weltweit –, desto riskanter wird die bisherige Strategie des früheren Nischenanbieters, die Kritiker als elitär und arrogant bezeichnen. So dürfte Apple seine vergleichsweise hohen Preise auf Dauer nicht durchhalten. Auch der rüde Umgang mit Geschäftskunden, die zum Teil menschenunwürdigen Produktionsbedingungen in Asien und die zweifelhafte Datenschutz-Politik könnten sich auf Dauer im Tagesgeschäft rächen. Vor der Konkurrenz muss sich Apple einstweilen nicht sehr fürchten. Samsung kündigte zwar ein weiteres Konkurrenzprodukt zum iPad an. Der neue „Galaxy Tab“soll etwas größer als sein Vorgänger ausfallen. Samsung hat Apple aber nur in begrenztem Umfang Kunden abjagen können.

Wann die Erfolgsgeschichte des iPhones fortgesetzt wird, ließ Apple offen. „Wir haben einen Übergang bei einem Produkt, über den wir noch nicht reden können“, sagte Tim Cook kryptisch. Die Andeutung zeigt: Apple bereitet die nächste große Marketing-Show vor – für das neue iPhone 5.

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