Wirtschaft : Rekordverlust zwingt Telekom zum Sparen

Neuer Vorstand will bei Kostensenkung und Schuldenabbau keine Rücksicht auf „heilige Kühe“ nehmen

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Bonn (vis). Die Deutsche Telekom hat im zweiten Quartal 2002 einen deutlich größeren Verlust gemacht, als noch in den ersten drei Monaten des Jahres. Auf 2,1 Milliarden Euro belief sich das Minus. Im Vorquartal hatte es bei 1,8 Milliarden gelegen. Damit hat die Telekom mit einem Verlust von 3,9 Milliarden Euro bereits im ersten Halbjahr den Konzernfehlbetrag von 3,5 Milliarden Euro im Gesamtjahr 2001 überschritten. Immerhin ist es gelungen, die Schulden von 71 Milliarden Mitte 2001 auf 64,2 Milliarden Euro Ende Juni 2002 zu reduzieren.

„Wenn man die allgemeine wirtschaftliche Entwicklung betrachtet, kann man sagen, dass die Ergebnisse der Deutschen Telekom alles in allem sehr zufriedenstellend sind“, sagte der neue Telekom-Chef Helmut Sihler am Mittwoch in Bonn. Im zweiten Quartal stieg der Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 14 Prozent auf 13 Milliarden Euro. Für das Gesamtjahr erwartet die Telekom ein Umsatzwachstum von zehn Prozent und eine Steigerung des Ergebnisses vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Amortisationen (Ebitda) auf einen Betrag zwischen 15,9 bis 16,9 Milliarden Euro.

Sihler trat sein Amt vor sechs Wochen nach dem überraschenden Rücktritt von Ron Sommer an. „Die Unsicherheiten des Neubeginns zu überwinden“, sei eine seiner Aufgaben gewesen. Vor allem mit drei Themen habe er sich befasst: mit der Strategie, der Verbesserung der Ergebnisse und dem Schuldenstand. Strategisch stehe alles auf dem Prüfstand, auch die geografische Ausdehnung der Telekom, sagte Sihler. Einsparungen von 1,5 Milliarden Euro bei Sach- und Personalkosten sollen das Ergebnis verbessern. Weniger Investitionen und weitere Verkäufe sollen schließlich die Schulden reduzieren. Beim Senken der Kosten und beim Abbau der Schulden „wird es keine heiligen Kühe geben“, sagte Sihler.

Allerdings auch kaum gute Gelegenheiten für Verkäufe. Der Börsengang von T-Mobile ist wegen des schlechten Börsenumfelds auf unbestimmte Zeit verschoben. Für den Verkauf des TV-Kabelnetzes geht die Telekom nur noch von einem Erlös von 2,3 bis 3,5 Milliarden Euro aus. Ursprünglich hatte sie das Kabel für 5,5 Milliarden Euro an die US-Kabelgesellschaft Liberty Media verkaufen wollen, doch das Bundeskartellamt untersagte den Verkauf. Immerhin sei inzwischen ein sechster zu den zunächst fünf in die engere Wahl gezogenen Interessenten hinzugekommen. Die Telekom erwartet, das Geschäft bis Ende des Jahres abschließen zu können.

Ein Wachstumsträger des Konzerns sei die Mobilfunksparte T-Mobile, sagte Sihler. Sie sorgt aber auch für den hohen Verlust, der eine Folge der Abschreibungen auf Werte zugekaufter Firmen (Goodwill) und Abschreibungen auf den Wert von Lizenzen ist. Allein 1,5 Milliarden Euro wurden im ersten Halbjahr auf den Goodwill von Voicestream und auf die von der US-Mobilfunktochter erworbenen Lizenzen abgeschrieben. In den vergangenen Tagen hatte es erneut Berichte gegeben, die Telekom verhandele in den USA bereits mit AT&T Wireless oder Cingular Wireless über eine Fusion oder einen Verkauf von Voicestream. „Naturgemäß stellen wir Überlegungen an“, sagte Sihler dazu. „Wir sind in Gesprächen mit vielen Beteiligten.“ Verhandelt werde aber noch nicht. Voicestream habe sich im zweiten Quartal „besser als geplant entwickelt“, fügte Sihler hinzu.

Die T-Aktie schwankte am Mittwoch stark und lag zum Handelschluss bei 11,74 Euro – ein Minus von einem Prozent.

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