Renaissance der Industrie : Forscher sehen deutsche Unternehmen ganz weit vorne

Die deutsche Industrie schlägt sich blendend, urteilen Wirtschaftsforscher. Doch die Digitalisierung lässt keine Zeit zum Ausruhen.

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Die Digitalisierung hat in vielen Industriebetrieben gerade erst begonnen.
Die Digitalisierung hat in vielen Industriebetrieben gerade erst begonnen.Foto: Bernd Weißbrod/dpa

Spitze, aber mit Luft nach oben. Das beschreibt – in Kurzform – den Zustand der deutschen Industrie, wie ihn das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) sieht. Gemeinsam mit Kollegen auch aus anderen Forschungsbereichen haben die Berliner untersucht, wo das produzierende Gewerbe hierzulande steht – und welche Herausforderungen auf die Unternehmen zukommen.

In den vergangenen zehn Jahren habe sich die Industrie stärker entwickelt als die Gesamtwirtschaft, sagte Alexander Eickelpasch am Donnerstag bei der Vorstellung der „Renaissance der Industrie“, wie das Institut die Publikation genannt hat. Vor allem nach der Krise 2008/09 habe sich das Wachstumstempo beschleunigt, sowohl bei der Produktion als auch bei der Wertschöpfung. Auch der Beschäftigungsaufbau – von 7,2 Millionen auf 7,5 Millionen – sei für eine entwickelte Volkswirtschaft „eher untypisch“.

Knapp die Hälfte wird exportiert

Mit 23 Prozent ist der Anteil der Industrie an der Wertschöpfung hierzulande deutlich höher als in anderen „alten“ EU-Staaten wie Frankreich, Italien oder Großbritannien (im Durchschnitt: 13 Prozent). In den jüngeren EU-Mitgliedsländern wie Ungarn, Tschechien oder Polen liegt er im Schnitt bei 24 Prozent, in den USA bei 13.

Die Tatsache, dass sich Deutschland als Industriestandort besser behauptet als die USA, Japan oder weite Teile der EU führen die Forscher unter anderem auf die hohe Innovationskraft und den hohen Anteil der exportorientierten Unternehmen zurück. Knapp die Hälfte der Umsätze erzielen die Firmen mit Ausfuhren – sieben Prozentpunkte mehr als vor zehn Jahren. Aktuelle Zahlen des Statistischen Bundesamts untermauern das. So lieferten die Unternehmen im Mai Waren für 95,9 Milliarden Euro in alle Welt – 4,6 Prozent mehr als vor einem Jahr und 1,7 Prozent mehr als im April.

Politik soll Rahmen setzen

Grund zum Ausruhen sind die Ergebnisse keineswegs, wie Ko-Autorin Heike Belitz betonte. Warnsignale seien die im internationalen Vergleich geringe Investitionsquote, der geringe Anteil von IT-gestützten Tätigkeiten in der Produktion und die seit Jahren rückläufige Forschungsquote vor allem bei kleinen und mittelgroßen Betrieben.

Hier sehen die Forscher die Politik gefordert, Rahmen und Anreize zu setzen. Initiativen wie die Plattform Industrie 4.0 zur Digitalisierung seien beispielhaft.

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