Renate Künast : Umsatz machen mit Grünzeug

Renate Künast wirbt vor der Berliner Wirtschaft für ein anderes Wirtschaften – zur Bürgermeisterkandidatur schweigt sie eisern.

Laura Höflinger
Sauber reich: Renate Künast setzt aufs ökologische Wirtschaften.
Sauber reich: Renate Künast setzt aufs ökologische Wirtschaften.Foto: dpa

Berlin - Renate Künast steht im Mittelpunkt. Sie muss dieses Mal gar nicht viel dafür tun; das übernehmen andere für sie. Es geht an diesem Mittwochabend um die Zukunft Berlins, darum wie die Hauptstadt das „Zentrum der Green Economy“ werden kann. Man hat die Grünen-Fraktionsvorsitzende im Bundestag Künast zu der Diskussion eingeladen; nicht Klaus Wowereit.

Gekommen sind Vertreter der Handelskammern und Gewerkschaften. Jeder von ihnen will an diesem Abend offenbar der Grünste sein. Der Präsident der Industrie- und Handelskammern Berlin, Eric Schweizer, sagt: „In zehn Jahren hat die Green Economy mehr Bedeutung als es die Automobilindustrie heute hat.“ Stephan Schwarz, Präsident der Handwerkskammer Berlin, preist die gute Bilanz bei den Gebäudesanierungen in der Hauptstadt. Plattenbauten in Osten warten, wenn man ihm glauben soll, nur darauf, von Berliner Spezialisten auf Vordermann gebracht zu werden.

Doch Künast ist das zu wenig: „Berlin ist nicht weit genug“, sagt sie, und: „Wir müssen aus dem Modellversuch raus.“ Tausende Arbeitsplätze sollen in den nächsten Jahren entstehen, die Dächer öffentlicher Gebäude mit Solaranlagen ausgerüstet und Branchen wie Maschinenbau und Chemie grundlegend umgebaut werden. Sie spricht jetzt über Berlin, nicht über Deutschland. Und manchmal kommt die Frage auf, die seit langem in der Luft hängt und seit vergangener Woche als so gut wie entschieden gilt: Tut sie es – oder tut sie es nicht? Aber sie schweigt, dementiert nicht, sagt auch nicht zu. „Ich bleibe ja innerhalb der Grenzen von Berlin“, sagt sie. Das war’s.

Am 5. November wird Künast offiziell verkünden, ob sie als Gegenkandidatin den Regierenden Bürgermeister Wowereit herausfordert. Künasts Umfragewerte sind hervorragend. Das wissen auch die Teilnehmer auf dem Podium. Sie hören ihr aufmerksam zu, nicken, machen sich Notizen. Künast sagt, dass Elektroautos allein nicht reichen, dass die Stadt ein „vernetztes System“ brauche: Nahverkehr ausbauen, Car-Sharing – man müsse die Nachhaltigkeit leben.

Zum Abschied erzählt sie dann eine Geschichte, die auf den Geschmack dieses Publikums zielt: Wenn sich die Grünen zum Parteitag treffen, wollten sie saisonal und regional essen – „kein Genfutter“. Das habe Hotelbesitzer auf den Geschmack gebracht – und auf eine völlig neue Zielgruppe: Konsumbewusste Touristen. „Das ist ein Riesenwirtschaftsfeld“, sagt Künast. Es ist die Geschichte vom Umsatzbringer Green Economy. Und die sichert der möglicherweise ersten grünen Bürgermeisterin Berlins einen Teil ihres Erfolgs an diesem Abend. Laura Höflinger

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