René Obermann : "Einige profitieren überproportional“

Telekom-Chef René Obermann wirbt für mehr Werte in der Wirtschaft. Einen Mindestlohn lehnt er aber weiterhin ab.

Berlin - Bisher war René Obermann nicht gerade als Globalisierungskritiker aufgefallen. Auch für Manager-Schelte und Umverteilungsrhetorik war der Chef der Deutschen Telekom nicht bekannt. Am Mittwoch ging der Vorstandsboss, der wegen zehntausendfacher Stellenstreichungen von wütenden Mitarbeitern gerne als „Dobermann“ beschimpft wird, jedoch hart mit der eigenen Klasse ins Gericht. „Wir in Deutschland profitieren von der Globalisierung – aber nur einige wenige profitieren überproportional“, sagte Obermann mit Blick auf die ungleiche Entwicklung von Löhnen und Managergehältern in Deutschland. Es müssten deshalb Lösungen für eine wirksamere Umverteilung gesucht werden – „staatlich und privat“.

Diejenigen, die am stärksten vom derzeitigen Wirtschaftssystem profitierten, müssten den Verlierern der Globalisierung „etwas zurückgeben“, forderte Obermann auf dem Berliner Kongress „Wertegesellschaft als ökonomischer Faktor“ der Antidiskriminierungsstelle des Bundes. Wenn es um konkrete Vorschläge ging, wurde Obermann jedoch vorsichtig. Einen Mindestlohn lehne er jedenfalls ab.

Eigentlich sollte der Telekom-Chef sich auf dem Kongress mit dem Mainzer Kardinal Karl Lehmann über den Gegensatz von Wirtschaft und Ethik streiten. Doch angesichts der vorauseilenden Selbstkritik des Telekom-Bosses war ein Streit kaum möglich.

Nur einmal ging der Kardinal zum Angriff über: Er könne nicht verstehen, dass Manager danach bezahlt würden, wie viele Arbeitsplätze sie abbauten – ein Seitenhieb auf Obermann, der bei der Telekom gerade dabei ist, die Zahl der Stellen um 32 000 zu kürzen und im vergangenen Jahr bereits 50 000 Jobs ausgelagert hat.

Wenn ein Unternehmen Mitarbeiter mit der Absicht entlasse, kurzfristig seine Gewinne zu optimieren, dann sei das „schlechtes Management“, sagte auch Obermann – und schob rasch die Ausnahme hinterher: „Es gibt Situationen, in denen muss gehandelt werden.“ Der Druck des internationalen Kapitalmarktes sei „brutal“. stek

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