Wirtschaft : Rente auf sicheren Füßen

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Die Rente ist nicht sicher – das hat Chile schon vor mehr als 20 Jahren erkannt. Ein Umlageverfahren, bei dem die Jungen die Pensionen der Alten zahlen, stößt an seine Grenze, wenn die Lebenserwartung steigt und zu wenige Kinder geboren werden.

Die Maßnahme: Noch unter der Diktatur des Generals Augusto Pinochet führte der Andenstaat ab 1980 deshalb ein Rentensystem ein, das allein auf individueller Kapitaldeckung basiert. Damit war Chile weltweit ein Vorreiter. Jeder Beschäftigte muss zehn Prozent seiner steuerpflichtigen Einkünfte an einen Pensionsfonds zahlen, den private Gesellschaften verwalten. Der Arbeitgeber zahlt nichts. Wie viel der Versicherte später bekommt, hängt davon ab, wie viel er einzahlt und wie gut der Fonds mit dem Geld wirtschaftet. Der Staat garantiert allein eine Mindestrente. Gerät eine Fondsgesellschaft in Schwierigkeiten, kann der Versicherte zur Konkurrenz wechseln und seine angesparten Rentenansprüche mitnehmen.

Die Folgen: Das System funktioniert – bis 1999 lag die jährliche Rendite der Fonds bei mehr als zehn Prozent, danach waren es trotz Börsencrash noch mehr als vier Prozent pro Jahr. Das Rentensystem gilt als ein Faktor für das starke Wachstum Chiles in den vergangenen Jahren – für 2003 peilt der Internationale Währungsfonds 3,3 Prozent an. Der Vorteil des Systems: Es belastet den Faktor Arbeit nicht und sorgt dafür, dass die Wirtschaft stets genügend Kapital zur Verfügung hat. Jedoch kann es riskant sein, allein auf Kapitaldeckung zu setzen. Ein noch heftigerer Börsencrash als der jüngste könnte viele Vermögen gefährden. brö

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