Rente mit 67 : Fast jeder zweite Beschäftigte geht vorzeitig in Rente

Verbände und DGB warnen vor Altersarmut durch die Rente mit 67. Annelie Buntenbach vom DGB hält die Rente mit 67 für "ein reines Rentenkürzungsprogramm".

Die Rente mit 67 wird stark kritisiert: Die SPD forderte ihre Aussetzung.
Die Rente mit 67 wird stark kritisiert: Die SPD forderte ihre Aussetzung.Foto: dpa

Fast jeder zweite Beschäftigte in Deutschland geht vorzeitig in Rente. Im Schnitt fiel bei diesen Frührentnern im Jahr 2010 die Rente um monatlich 113 Euro geringer aus, wie aus am Mittwoch bekannt gewordenen Zahlen der Deutschen Rentenversicherung hervorgeht. Der DGB und der Sozialverband VdK warnten vor zunehmender Altersarmut durch die Rente mit 67, während das Bundesarbeitsministerium die anstehende Neuregelung verteidigte.

Im Jahr 2010 bezogen laut Deutscher Rentenversicherung knapp 674. 000 Versicherte erstmals eine Altersrente. 47,5 Prozent von ihnen oder fast 320.000 mussten dabei Einbußen in Kauf nehmen, weil sie nicht bis zur Regelaltersgrenze von 65 Jahren arbeiteten. Fünf Jahre vorher waren demnach 41,2 Prozent von Abschlägen betroffen, 2000 nur 14,5 Prozent. Im Durchschnitt gingen die Frührentner drei Jahre und zwei Monate vorher in Ruhestand.

Ab dem Jahr 2031 liegt der Renteneintritt bei vollen 67 Jahren.
Ab dem Jahr 2031 liegt der Renteneintritt bei vollen 67 Jahren.Foto: dpa

Die Vorsitzende des Sozialverbandes VdK, Ulrike Mascher, warnte in der „Süddeutschen Zeitung“ mit Blick auf die Rente mit 67 vor steigender Altersarmut. „Derzeit bieten weder der Arbeitsmarkt noch die Personalpolitik der Unternehmen Anhaltspunkte dafür, dass ein Arbeiten bis zur Regelaltersgrenze zur Normalität wird“, sagte Mascher. Kritik kam auch von Annelie Buntenbach, Vorstandsmitglied im Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB). „Solange die Beschäftigten kaum eine Chance haben, bis 65 zu arbeiten, ist die Rente mit 67 ein reines Rentenkürzungsprogramm“, sagte Buntenbach.

Zum 1. Januar 2012 tritt das Gesetz zur Rente mit 67 in Kraft. Es sieht vor, dass sich das reguläre Renteneintrittsalter pro Jahr zunächst um einen Monat nach hinten schiebt, ab 2024 sind es dann pro Jahr zwei Monate. Ab dem Jahr 2031 liegt der Renteneintritt dann bei vollen 67 Jahren.
Das Bundesarbeitsministerium verwies darauf, dass die Reformen die Rente zukunftsfest machten. Das zeige sich an der guten Finanzlage, die zu einer möglichen Senkung der Beiträge sowie einer möglicherweise „deutliche Rentenerhöhung“ 2012 führen könne.

Die Rente mit 67 birgt die Gefahr von Altersarmut, wird gewarnt.
Die Rente mit 67 birgt die Gefahr von Altersarmut, wird gewarnt.Foto: dpa

Die hohe Zahl von Frührentnern hänge auch mit der zunehmenden Erwerbsbeteiligung von Frauen zusammen. Die Zahl der Abschlagsrenten bei Männern sinke seit 2005 kontinuierlich, betonte ein Ministeriumssprecher.

Der vorzeitige Renteneintritt könne aus einer Vielzahl von Motiven erfolgen und nicht nur wegen schlechterer Chancen am Arbeitsmarkt, sagte der Sprecher. Viele kalkulierten genau, was sie sich an Abschlägen leisten könnten, um früher in Rente zu gehen.

Die Arbeitsmarktlage Älterer verbessere sich kontinuierlich. Im März diesen Jahres lag die Beschäftigungsquote der 60- bis unter 65-Jährigen demnach bei 26,4 Prozent, im Jahr 2005 hatte sie nur 16,6 Prozent betragen.

Die SPD forderte die Aussetzung der Rente mit 67. „Eine Anhebung des Renteneintrittsalters sollte erst erfolgen, wenn mindestens die Hälfte der 60- bis 64-Jährigen sozialversicherungspflichtig beschäftigt ist“, erklärte Generalsekretärin Andrea Nahles. Zudem müsse beim Renteneintritt auf die unterschiedlichen beruflichen Belastungen eingegangen werden. Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt hält die Rente mit 67 für „zumutbar“. Ältere Arbeitnehmer seien heute „meist fit genug, um länger am Erwerbsleben teilzunehmen“, sagte Hundt der Zeitung „Welt“. In den Betrieben würden Ältere auch wegen des zunehmenden Fachkräftemangels gebraucht. (AFP)

33 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben