Wirtschaft : Rente: Mit langfristigem Aktiensparen vorsorgen

Wolfgang Büser

Über die Zinsen fürs Sparkonto und auch über die Erträge aus festverzinslichen Wertpapieren lächeln diejenigen Anleger nur müde, die ihr Spargeld an die Börse getragen und dafür Aktien gekauft haben. Anfang März 2000 durchbrach der Deutsche Aktienindex (Dax) die Hürde von 8000 Punkten, fiel allerdings inzwischen wieder zurück. Dennoch: Im Durchschnitt legte der Dax im vergangenen Jahr 39 Prozent zu. Die Dax-Werte Deutsche Telekom und Siemens brachten ihren Aktienbesitzern sogar Gewinne von jeweils deutlich über 100 Prozent. Gerade die Kursentwicklung der T-Aktie zeigt aber auch, welchen Schwankungen Aktien manchmal unterworfen sind: Sie fiel in den vergangenen Monaten auf weniger als die Hälfte des vorherigen Höchstkurses.

Wie kauft man die Anteilsscheine an Aktiengesellschaften? Sie eröffnen bei Ihrer Bank oder Sparkasse nach einem Informationsgespräch über die Chancen und Risiken dieser Anlageform ein Depot. Jederzeit kann der Anleger die Bank beauftragen, eine bestimmte Anzahl einer Aktie für ihn zu kaufen oder Aktien aus seinem Depot zu verkaufen. Auch übers Internet können Sie Wertpapieraufträge erteilen. Da Depot- und Kaufgebühren je nach Geldinstitut variieren, sollten Sie vergleichen.

Eignen sich Aktien für die Altersvorsorge? Werner Plötz, Vorstandssprecher der Deutschen Informations Börse AG in Berlin: "Wer 40 Jahre lang monatlich 200 Mark spart, davon einmal im Jahr Aktien kauft und sie eisern hält, der kann am Ende seines Erwerbslebens ein Millionenvermögen in Aktien besitzen, das für 10 000 Mark Monatsrente ausreicht." Nach Untersuchungen an der Berliner Humboldt-Universität legten die Dax-Aktien in den vergangenen 50 Jahren eine jährliche Durchschnittsrendite von 14 Prozent vor.

Aber sind Aktien nicht riskant? Durchaus. Auch im Börsen-Superjahr 1999 machten zehn der 30 Dax-Aktien beim Kurs unterm Strich Verluste. Dazu kann es auch lange Durststrecken an der Börse geben wie beispielsweise in den 70er Jahren. Wie Plötz in seinem Buch "10 000 Mark Monatsrente mit G3-Aktien" beschreibt, kommt es aber darauf an, die richtigen Aktien zu kaufen, diese jahrelang liegen zu lassen und sich nicht um tägliche Kurssprünge zu kümmern. Doch wie finden Sie die "richtigen" Aktien? Plötz stützt sich auf eine eher banale Erkenntnis der Börsenprofis: Eine Aktie steigt dann im Kurs, wenn deren Gesellschaft gut gewirtschaftet und höhere Gewinne als zunächst erwartet gemacht hat. Basis sind daher drei Fragen zum Gewinn der Aktiengesellschaft, deren Aktie man kaufen möchte (von Plötz G3-Formel genannt): Ist der Gewinn in den letzten fünf Jahren immer gestiegen? Legt das Unternehmen beim Gewinn zur Zeit zu? Kann das Unternehmen im nächsten Jahr weiter wachsen? Eine Garantie kann aber auch die "G3"-Auswahl nicht geben. Plötz rechnet etwas vorsichtiger mit "nur" zwölf Prozent Rendite jährlich. "Tatsächlich haben es G3-Aktien - wie BASF, Bayer, MAN, SAP oder die Münchener Rückversicherung - im Durchschnitt der letzten Jahre oft auf 20 Prozent und mehr gebracht." Um zu zeigen, wie die Vorsorge mit Aktien in der Praxis funktionieren kann, rechnet er am Beispiel einiger G3-Aktien mit angenommenen Kursen für zukünftige Aktienkäufe die Entwicklung eines Aktiendepots bei zwölf Prozent Durchschnittsrendite hoch

Monatlicher Sparbetrag 200 Mark, wobei immer am Jahresende für die angesammelten 2 400 Mark neue G3-Aktien gekauft werden. Aus der Investition der ersten 2 400 Mark (abzüglich Kaufgebühren) würden nach 40 Jahren rund 216 000 Mark. Das entspricht dem Ergebnis aus Zins und Zinseszins, wenn man 2 360 Mark jährlich mit zwölf Prozent verzinst. Im zweiten Jahr werden wieder 2 400 Mark investiert, die entsprechenden Aktien 39 Jahre lang liegen gelassen, usw. Nach 35 Jahren wäre die erste Million beisammen, nur fünf Jahre später würde durch die Wirkung von Zins und Zinseszins die zweite Million übersprungen. Mit zwei Millionen Mark aus 40 Jahren Aktienkauf kann eine private Monatsrente von etwa 10 000 Mark erzielt werden - unter der Annahme, dass das Aktienkapital in sichere Wertpapiere (beispielsweise Pfandbriefe) umgeschichtet wird, die sich mit sechs Prozent verzinsen.

Für die Monatsrente bei zwei Millionen Mark angespartem Vermögen und bei sechs Prozent Durchschnitts-Rendite im Rentenalter gilt folgende Rechnung: Mit Kapitalerhalt ergeben sich rund 10 000 Mark Monatsrente, mit Kapitalverzehr nach 20 Jahren (die Wertpapiere werden in diesem Zeitraum nach und nach verkauft) rund 14 100 Mark.

Dass der Langfristeffekt eine große Rolle spielt, zeigen die deutlich geringeren Summen bei kürzerer Ansparzeit (2 400 Mark jährlich, zwölf Prozent Rendite): Bei 30 Jahren Ansparzeit ergibt sich eine Gesamtsumme von rund 650 000 Mark, was nur noch eine Monatsrente von 3 250 Mark (bei Kapitalerhalt) und etwa 4 600 Mark (bei Kapitalverzehr nach 20 Jahren) bringen würde. Bei 15 Jahren Ansparzeit kommen nur noch etwa 100 000 Mark zusammen (Monatsrente ohne Kapitalverzehr: 500 Mark; mit Kapitalverzehr: 700 Mark.

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