Wirtschaft : Rente: Teure Tradition

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E in Rentner ist nicht gleich ein Rentner. Wer Küstenschiffer war, wird im Alter von der Seekasse betreut. Wer dagegen in der Binnenschifffahrt tätig war, erhält seine Bezüge von einer der 22 Landesversicherungsanstalten. Unter dem Dach des Verbands Deutscher Rentenversicherungsträger sammeln sich zig Organisationen – ein Wirrwarr an Zuständigkeiten. Der größte Rentenversicherungsträger ist die Bundesversicherungsanstalt für Angestellte (BfA), die 24 Millionen Versicherte betreut. In allen Regionen Deutschlands gibt es zudem Landesversicherungsanstalten. Außerdem: Bundesknappschaft, Bahnversicherungsanstalt, Seekasse.

Es ist fraglich, ob die Arbeiter und Angestellten der Bahn eine extra Rentenversicherung brauchen – dazu mit sieben Bezirksleitungen neben dem zentralen Standort in Frankfurt. Ebenso überflüssig ist die Bundesknappschaft, einst vor allem für Bergarbeiter zuständig. Da der Bergbau ausstirbt, hat auch die Knappschaft nicht mehr viel zu tun. Deshalb hat sie seit April neue Aufgaben bekommen: Die Behörde verwaltet die neuen Minijobs.

Schon seit Jahren reden die Rentenversicherer von einer Organisationsreform – auch die Regierung kündigt sie für diese Wahlperiode an. Für die 19,5 Millionen Rentner und die gesetzlich versicherten Beitragszahler werden nach Ansicht von Experten lange nicht so viele Sachbearbeiter in den Behörden benötigt wie derzeit. Von den Ausgaben in Höhe von 219,6 Milliarden Euro (2002) gaben die Rentenversicherer rund 3,5 Milliarden Euro für Verwaltungs und Verfahrenskosten aus.

Aber eine Organisationsreform ist schwierig durchzusetzen: Von strafferen Strukturen wären schließlich zahlreiche Mitarbeiter betroffen. Außerdem erfordert jede Reform langwierige Abstimmungsprozesse. Denn bei den Rentenversicherern spielt die Selbstverwaltung aus Arbeitgebern und Gewerkschaften eine wichtige Rolle. ce

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