Wirtschaft : Rentenanpassung auch im Osten

DÜSSELDORF (wmu/HB). Die von der Bundesregierung für die Jahre 2000 und 2001 geplante Aussetzung der nettolohnorientierten Rentenanpassung ist auch für Ostdeutschland angemessen. Mit dieser Aussage widerspricht das Münchener Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung den Aussagen von ostdeutschen Politikern. Sie hatten gefordert, die Renten in den neuen Ländern nicht nur entsprechend der Preissteigerungsrate, sondern stärker zu erhöhen, weil die Altersbezüge in den neuen Bundesländern immer noch niedriger seien als in den alten Ländern. Dieser Befund ist nach Ifo-Angaben so nicht haltbar. Lege man dem Vergleich der Rentenniveaus die Eckrenten zugrunde, hätten die alten Bundesländer zwar einen Vorsprung; zum 1. Juli dieses Jahres lag die monatlich verfügbare Eckrente in Ostdeutschland bei 86,7 Prozent des Westniveaus. Für die Ifo-Forscher ist die Eckrente als "rentenstatistisches Konstrukt" aber kein angemessener Maßstab für den Rentenvergleich zwischen West und Ost. Sie beruhe auf dem idealtypischen Fall eines Durchschnittsverdieners mit lückenloser Erwerbsbiographie, also mit 45 Versicherungsjahren. Für den Rentenbestand sei dieser Idealfall wenig repräsentativ.

Eine bessere Vergleichsgrundlage stelle die monatlich verfügbare Durchschnittsrente dar. Diese ist seit 1995 in Ostdeutschland höher als im Westen. So hatten Ende 1998 westdeutsche Rentner durchschnittlich 1299 DM pro Monat zur Verfügung, in den neuen Ländern lag die Durchschnittsrente bei monatlich 1446 DM. Damit hatten Ost-Rentner 11,3 Prozent mehr Geld zur Verfügung als West-Rentner. Seit der Währungsunion am 1. Juli 1990 sind die Durchschnittsrenten in den neuen Ländern um rund 145 Prozent gestiegen, im früheren Bundesgebiet haben sich die Bezüge im Durchschnitt um etwa 22 Prozent erhöht.

Daß die Ost-Rentner bei den verfügbaren Durchschnittsrenten vorne liegen, hat seinen Grund vor allem in den längeren Versicherungszeiten in den neuen Ländern. Diese sind auf die nach dem ehemaligen DDR-Rentenrecht höheren Altersgrenzen für Männer sowie in erster Linie auf die stärkere Erwerbsbeteiligung der Frauen in Ostdeutschland zurückzuführen. So beliefen sich die angerechneten rentenrechtlichen Zeiten in den neuen Ländern Ende 1997 für Männer durchschnittlich auf 45,9 Jahre, für Frauen auf 34,1 Jahre. In den alten Ländern waren es bei den Männern lediglich 39,7 Jahre, bei den Frauen 25,3 Jahre. Diese Unterschiede erklären auch, warum die verfügbaren Durchschnittsrenten der Ostrentnerinnen 1998 um mehr als ein Drittel höher waren als die Altersbezüge der Frauen im Westen.

Bei den Männern war die Differenz zuletzt nur gering. Betrachtet man die Nettogesamteinkommen der Rentner in Ost und West im Vergleich, so haben sich laut Ifo zumindest die niedrigen Einkommensgruppen weitgehend angenähert. Freilich ist der Anteil der Bezieher von Renten mit hohem Einkommen in den alten Ländern noch deutlich größer als in den neuen deutschen Bundesländern.

Ein angemessener Vergleich der Gesamteinkommenssituation muß der Studie zufolge auch die immer noch beträchtlichen Kaufkraftunterschiede zwischen alten und neuen Ländern berücksichtigen. Aufgrund der niedrigeren ostdeutschen Wohnungsmieten und Nahrungsmittelpreise hat die D-Mark nach Ifo-Schätzungen eine im Durchschnitt um gut acht Prozent höhere Kaufkraft als im Westen. Davon profitierten die Rentner nochmals: Kaufkraftbereinigt erreichen der Studie zufolge die ostdeutschen Eckrenten 93,5 Prozent des Westniveaus, die Durchschnittsrenten liegen demnach bei etwa 120 Prozent.

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