Wirtschaft : Rentenreform: Das Wichtigste in Kürze

Warum gibt es die Riester-Rente überhaupt?

Warum gibt es die Riester-Rente überhaupt?

Bei der Rentenreform dieses Jahr wollte Bundesarbeitsminister Walter Riester vermeiden, dass die Rentenbeiträge weiter steigen. Da die Finanzierung der Renten bei einer immer älter werdenden Bevölkerung aber immer schwieriger wird, musste er das Rentenniveau senken. Diese Rentenlücke kann jetzt jeder Einzelne freiwillig schließen. Dafür gibt es eine staatliche Förderung. Die Riester-Rente schließt also nicht die gesamte Lücke zwischen Erwerbseinkommen und Renten. Hier muss jeder Einzelne noch mehr tun, wenn er seinen bisherigen Lebensstandard sichern will.

Wer bekommt die Förderung?

Gefördert werden nur Pflichtversicherte in der gesetzlichen Rentenversicherung. Also Arbeiter und Angestellte oder alle, die Arbeitslosenhilfe oder Arbeitslosengeld beziehen oder in einem 630-Mark-Job sozialversichert ist. Unterstützt werden auch Selbstständige, die Pflichtbeiträge in die gesetzliche Rentenversicherung bezahlen. Ehepartner, die nicht in diese Gruppen fallen, werden dann gefördert, wenn ihr Ehepartner Anspruch auf die Förderung hat. Es muss allerdings extra ein Vertrag abgeschlossen werden.

Wie hoch ist die staatliche Zulage?

Sie hängt vom Familienstand und vom Einkommen ab und baut sich bis zum Jahr 2006 sukzessive auf: Wer also im Jahr 2002 ein Prozent seines Bruttoeinkommens in einen Altersvorsorgevertrag spart, bekommt 38 Euro als staatliche Zulage. Das gleiche gilt für 2003. Für 2004 und 2005 bekommt ein Arbeitnehmer 76 Euro, muss dafür allerdings zwei Prozent seines unversteuerten Einkommens sparen. Ab 2008 gibt es dann für alle 154 Euro.

Was gibt es für Kinder?

Die Kinderzulage steigt ebenfalls in Zwei-Jahres-Schritten an: Im ersten Jahr gibt es für ein Kind 46 Euro. Ab 2004 erhält man 92 Euro und ab 2006 dann 92 Euro. Im Jahr 2008 gibt es endgültig 185 Euro. Anspruch auf Kinderzulage haben allerdings nur die Eltern, die auch noch Kindergeld beziehen können.

Wie wird steuerlich gefördert?

Die Beiträge für die private Vorsorge können als Sonderausgaben steuerlich geltend gemacht werden. Das Finanzamt rechnet dann aus, ob die Steuerersparnis die Zulage übersteigt. Ist dies der Fall, bekommt man den Betrag noch gutgeschrieben. Maximal können in der Steuererklärung 2003 und 2004 je 525 Euro in den beiden Jahren darauf 1050 Euro und 2006 und 2007 je 1575 Euro und von 2008 an 2100 Euro geltend gemacht werden.

Was bedeutet Zertifizierung?

Die Zertifizierungsstelle beim Bundesaufsichtsamt für das Versicherungswesen prüft, ob die Altersvorsorgeprodukte den gesetzlichen Anforderungen entsprechen. Dazu gehört etwa, dass das Produkt im Rentenalter mindestens die einbezahlten Beträge garantiert. Das Zertifikat besagt jedoch nichts über die Qualität der Anlage und ob die Renditeversprechungen auch tatsächlich eingehalten werden können. Betriebliche Altersvorsorgeprodukte müssen nicht zertifiziert werden.

Gibt es schon zertifizierte Produkte?

Bis jetzt hat die Zertifizierungsstelle nur Rahmenverträge - beispielsweise der Versicherungswirtschaft - zertifiziert. Erste zertifizierte Produkte wird es erst im Dezember geben.

Was wird individuell gefördert?

Gefördert werden alle zertifizierten Altersvorsorgeverträge. Das heißt Geldanlagen, mit denen bis zur Rente ein "Altersvermögen" aufgebaut werden. Dazu gehören klassische Rentenversicherungen und fondsgebundene Rentenversicherungen. Bei der Letzteren wird ein Teil des Geldes für die Beitragsgarantie benutzt und konservativ angelegt, der Rest fließt in einen Fonds, der höhere Renditen verspricht. Gefördert werden auch Banksparpläne. Hier wird das Geld auf einem Sparkonto zu den üblichen Zinsen angelegt. Bei niedrigen Zinsen ist dies zwar eine sichere und kostengünstige, aber keine lukrative Anlage. Gelder vom Staat gibt es außerdem beim Sparen in einen Fondsparplan. Hier wird das Geld in Aktienfonds angelegt. Da die Fondsgesellschaften beim Renteneintrittsalter aber mindestens die einbezahlten Beträge garantieren und dafür Vorsorge treffen müssen, geht etwas an Rendite verloren.

Was wird bei der Betriebsrente gefördert?

Ab kommendem Jahr hat jeder Mitarbeiter Anspruch auf eine betriebliche Altersvorsorge. Gefördert werden dabei die Direktversicherung, die Pensionskassen und der Pensionsfonds. Nicht gefördert werden Direktzusagen und Unterstützungskassen. Bei der Direktversicherung wird das Geld wie bei einer Lebensversicherung angelegt. Das gilt auch für die Pensionskasse, allerdings wird sie nicht von einer Versicherung, sondern von einer Branche oder einem Unternehmen getragen. Neu sind in Deutschland Pensionsfonds. Noch sind dafür die gesetzlichen Rahmenbedingungen nicht vollständig festgelegt. Sicher aber ist, dass Pensionsfonds einen höheren Anteil der Spargelder in Aktien anlegen dürfen. Der Pensionsfonds kann entweder von einem Unternehmen selbst, der Branche oder einem externen Finanzdienstleister verwaltet werden.

Werden auch bestehende Versicherungen gefördert?

Dies ist nicht möglich, da die bisherigen Produkte nicht alle Riester-Anforderungen erfüllen. Viele Versicherer bieten aber an, die Renten- oder Lebensversicherungsverträge umzustellen. Dies ist in der Regel aber nicht sinnvoll. Denn gerade bei der Lebensversicherung verzichten die Sparer auf die Möglichkeit, sich die Gelder steuerfrei ausbezahlen zu lassen. Eine Riester-Rente muss dagegen "nachgelagert" besteuert werden.

Ist der Wechsel bei Riester-Produkten möglich?

Man kann ohne Probleme den Vertrag mit einer Drei-Monats-Frist kündigen und ein neues Produkt auswählen oder ganz aussteigen. Allerdings müssen dafür Gebühren bezahlt werden.

Für wen lohnt sich die Riester-Rente?

Kurz gesagt, individuell abgeschlossene Verträge lohnen sich meist nur für Geringverdiener mit mehreren kleinen Kindern. Sie bekommen in Relation zu ihren einbezahlten Beträgen eine hohe staatliche Förderung (Siehe nebenstehende Tabelle). Außerdem müssen Geringverdiener im Alter meist keine oder nur niedrige Steuern bezahlen. Lohnend können auch Verträge innerhalb der betrieblichen Altersvorsorge sein.

Was sind die Nachteile der Riester-Rente?

Der größte Nachteil ist wohl der, dass Riester-Produkte "nachgelagert" besteuert werden. Das heißt, dass alle Auszahlungen im Alter voll versteuert werden müssen. Gerade, wer einen hohen Steuersatz hat, kann viel von seinem Ersparten dadurch wieder einbüßen. Ein zweiter Nachteil ist, dass die Sparer weder in der Ansparphase noch in der Auszahlungsphase an ihre Gelder kommen. So sieht das Gesetz etwa vor, dass das Geld im Rentenalter nicht auf einmal, sondern nur als Rente ausbezahlt werden darf. Stirbt jemand relativ früh im Rentenalter, bekommen außerdem die Erben nichts vom angesparten Kapital.

Wie sieht es mit den Renditen aus?

Die Zulagen und die steuerliche Förderung sollten nicht darüber hinwegtäuschen, dass vor allem bei Riester-Produkten für die individuelle Vorsorge wegen des hohen Verwaltungsaufwands und der vorgeschriebenen Kapitalerhaltungsgarantie Abstriche bei der Rendite gemacht werden müssen. Eine nichtgeförderte flexible Anlage, etwa in Aktienfonds, kann deshalb eine bessere Alternative für die Altersvorsorge sein.

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