Wirtschaft : Rentenreform: Der Bau eines Eigenheims zur privaten Altersvorsorge lohnt sich selten

Drum prüfe, wer sich lange bindet: Zwar baut die neue private Altersvorsorge nun doch auf das Eigenheim, doch dürfte das Angebot für die meisten Bauherren ein Verlustgeschäft werden. Anleger fahren besser, wenn sie die staatlichen Zuschüsse und ihren Eigenanteil bis zum Ruhestand in Fonds, Sparverträge oder Versicherungen investieren, statt sie zwischenzeitlich in eine Immobilienfinanzierung umzuleiten.

Theoretisch ist alles ganz einfach: Weil auch der Bau oder der Kauf eines Eigenheimes ein Stück aktive Altersvorsorge sind, dürfen Bauherren in Zukunft bis zu 100 000 Mark von ihrem staatlich geförderten Vorsorgekonto nehmen und ins Eigenheim stecken. Sie müssen den entnommenen Betrag aber bis zu ihrem 65. Geburtstag in monatlichen Raten wieder auf das Konto einzahlen. Nur so, argumentiert Arbeitsminister Walter Riester, ist ihnen am Ende ihres Berufslebens eine lebenslange Rente sicher.

Allerdings lohnt sich ein solcher Transfer nur, hat der Bundesverband deutscher Investmentgesellschaften (BVI) ausgerechnet, solange die Hypothekenzinsen über den durchschnittlichen Renditen anderer Anlageformen liegen. Und das war in der Vergangenheit schon lange nicht mehr der Fall. Die Bauzinsen lagen zuletzt Anfang der achtziger Jahre über zehn Prozent. Die Rendite von Aktienfonds mit Anlageschwerpunkt Deutschland betrug jedoch im Schnitt der letzten 35 Jahre 11,2 Prozent. Selbst wenn man einen oder zwei Prozentpunkte zur Finanzierung des von Riester geforderten garantierten Kapitalerhalts abzieht, rechnet sich das Modell für Bauherren nicht.

Ein Beispiel, vom BVI ausgerechnet, mit einer Rendite von nur neun Prozent: Wer jetzt 30 Jahre lang 200 Mark monatlich in einen mit neun Prozent rentierenden Aktienfonds steckt, hat dank des Zinseszinseffektes am Ende rund 340 000 Mark auf der hohen Kante. Nimmt er nach 20 Jahren jedoch 50 000 Mark aus dem Depot, um damit eine Hypothek zu tilgen, mindert das zwar die Zinslast für das Haus um 30 000 Mark. Unter dem Strich könnten am Ende aber bis zu 40 000 Mark im Rentendepot fehlen. Der Grund: Das zeitweise Plündern des Depots mindert den Zinseszinseffekt gewaltig. Außerdem sind die bürokratischen Hürden höher als bei anderen Anlageformen: Wird das Haus verkauft, muss der Erlös daraus wieder in eine andere Immobilie gesteckt oder aufs Rentendepot zurück überwiesen werden. Andernfalls verlangt der Staat seine Zuschüsse zurück. Stirbt der Eigentümer, eher er das entliehene Geld auf das Rentenkonto zurückgezahlt hat, kann nur der Ehepartner in den Vertrag einstiegen. Kinder müssen die Förderung zurückzahlen.

Für ältere Anleger wird die Sache sogar noch unattraktiver: Da sie den entnommenen Betrag ja spätestens an ihrem 65. Geburtstag wieder ins Rentendepot geschaufelt haben müssen, steigt auch ihre monatliche Belastung. Hätte unser Anleger nur noch zehn Jahre bis zum Ruhestand, müsste er jeden Monat knapp 420 Mark auf sein Rentendepot überweisen und natürlich auch noch die ursprüngliche Rate von 200 Mark sparen. In einem Arbeitspapier räumt selbst die Koalition ein, das Modell sei "weniger für Ältere" geeignet. Überdies muss ein Häuslebauer sein Vorsorgekonto zunächst einmal viele Jahre gefüttert haben, um davon eine nennenswerte Summe für sein Eigenheim abzwacken zu können. Eine günstige Hypothek, auf zehn oder 15 Jahre festgezurrt, dürfte deshalb in den meisten Fällen die einfachere und billigere Lösung sein.

Da Aktienfonds durch die private Altersvorsorge vor hohen Mittelzuflüssen stehen, die die Aktienkurse stützen werden, könnten die tatsächlichen Verluste sogar noch höher ausfallen. Im Klartext heißt das: Wer sich für Riesters Häuslebauer-Option entscheidet, bekommt wegen der schlechteren Verzinsung am Ende auch eine niedrigere Zweitrente. Ob die Zinsersparnis beim Hypothekendarlehen das auf lange Sicht wettmacht? Banken und Versicherungen tun sich mit Vergleichsrechnungen noch schwer. Horst Seehofer, der Verhandlungsführer der Union, ist sich seiner Sache dagegen sicher: Er hält Riesters Modell für eine "Mogelpackung".

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