• Rentenreform: "Kein Systemwechsel bei der Rente" Der DGB-Vorsitzende Dieter Schulte sieht die Privatvorsorge nur als Sahnehäubchen

Wirtschaft : Rentenreform: "Kein Systemwechsel bei der Rente" Der DGB-Vorsitzende Dieter Schulte sieht die Privatvorsorge nur als Sahnehäubchen

Herr Schulte[Ist die Rente in Deutschland sicher?]

Dieter Schulte (60) ist seit 1994 Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes.

Herr Schulte, Ist die Rente in Deutschland sicher? Es gibt es keinen Grund zur Panikmache. Das Niveau liegt bei 68 Prozent und ist damit, die Rentenanpassung 2001 eingerechnet, in der Höhe in Ordnung. Auch die Beiträge von 19,5 Prozent sind den Menschen zuzumuten.

Die Bundesregierung ist ganz anderer Auffassung. Sie will die Umlagefinanzierung reduzieren und die private Eigenvorsorge ausbauen. Das ist ein Systemwechsel.

So wie die Diskussion derzeit geführt wird, verunsichert man die Bevölkerung massiv. Wir sprechen, so weit kann kein Mensch blicken, über das Jahr 2050 und machen den Menschen vor, dass die Rente dann kaum noch zur Sicherung des Sozialhilfeniveaus reichen wird. Das ist nicht seriös.

Die Entwicklung der Bevölkerung und der Erwerbsbiografien lassen aber solche Prognosen zu.

Noch sind 60 Prozent der Erwerbsbiografien als klassisch zu bezeichnen. Frühestens in 15 Jahren wird es zu Veränderungen kommen. Dann muss man reagieren. Erst dann wird der Beitragssatz von 19,5 Prozent nicht mehr ausreichen. Doch so weit sind wir noch lange nicht.

Das heißt, die Gewerkschafter wollen alles so lassen, wie es ist.

Wir wollen keinen Systemwechsel. Das deutsche Rentensystem funktioniert.Man darf keine Versuche machen, jetzt massiv einzugreifen. Das Rentenzugangsalter darf nicht erhöht werden...

Warum?

Wer bis 65 gearbeitet hat, hat genug gearbeitet. Bei immer noch fast 4 Millionen Arbeitslosen können wir uns eine Verlängerung der Lebensarbeitszeit gar nicht leisten.

Und die private Vorsorge passt Ihnen auch nicht?

Das stimmt nicht. Aber ich sage: Die Eigenorsorge kann nur ein Sahnehäubchen sein. Die jetzt vom Arbeitsminister ins Spiel gebrachte Höhe von vier Prozent ist vollkommen unakzeptabel. Die meisten Arbeitnehmer würde das überfordern. 2,5 Prozent ist eine Größe, über die man mit uns reden kann.

Den Mitarbeitern im DGB erlauben Sie eine Privatvorsorge von 8 Prozent und die DGB als Arbeitgeber beteiligt sich nicht - wie üblich - zur Hälfte. Messen Sie mit zweierlei Maß?

Nein. Das kann man nicht vergleichen. Was wir im DGB machen, kann man nicht über alle Einkommensgruppen machen.

Wenn Sie gegen jeden Systemwechsel sind, wird es bald Krach mit Walter Riester geben

Es macht gar keinen Sinn, jetzt einen heißen Herbst vorher zu sagen. So wie die Bundesregierung wollen auch wir zu einer Lösung kommen. Gewiss, wir werden Abstriche machen müssen. Aber auch die Riestersche Position ist kein Evangelium.

Wie lange wird die Suche nach dem Kompromiss dauern?

Ich bin sicher, dass wir noch in diesem Jahr zu Vereinbarungen kommen werden.

Das klingt versöhnlich. Ist Gerhard Schröder der Kanzler der sozialen Sicherheit?

Nicht nur bei Themen wie der Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, auch beim Steuerreformkonzept konnten wir zustimmen. Kleine Einkomen wurden entlastet. Das war uns wichtig.

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