Wirtschaft : Rentenreform: Noch ist kein Riester-Produkt abgesegnet

Karin Birk

Die Finanzdienstleister atmen auf. Die Riester-Rente ist vom Bundesrat am Freitag abgesegnet worden. Jetzt steht dem Aufbau einer staatlich geförderten kapitalgedeckten Altersvorsorge nichts mehr im Wege. Ein riesiger Markt entsteht, und jeder will möglichst viel davon abhaben. Kein Wunder also, dass Banken, Versicherungen und Fondsgesellschaften schon seit Wochen an neuen Produkten feilen, ihnen jetzt den letzten Schliff verpassen und bald schon ihre Außendienstmitarbeiter auf die Kundschaft loslassen. Die Hamburg-Mannheimer schickt Kollegen von "Herrn Kaiser" sogar schon jetzt mit dem Spruch los: "Die Kaiser-Rente - ihre finanzielle Absicherung für das Alter."

Doch Vorsicht ist geboten. "Niemand sollte vorschnell einen Vertrag abschließen", rät Manfred Westfal von der Arbeitsgemeinschaft der Verbraucherverbände in Berlin. Denn noch sei nicht klar, welche Produkte tatsächlich ab dem 1. Januar 2002 förderfähig seien.

Sicher ist bisher nur, dass mit Versicherungen, Banksparplänen und Investmentfonds die neue Lücke in der gesetzlichen Rentenversicherung geschlossen werden soll. Sicher ist außerdem, dass diese Produkte - wenn der Verbraucher dafür eine finanzielle oder steuerliche Unterstützung vom Staat bekommen will- bestimmte Förderkriterien erfüllen müssen:

Garantierter Erhalt der Einzahlungen bis zum Beginn der Auszahlungen

Lebenslange Rente

Keine Auszahlung vor Beginn des 60. Lebensjahres

Anlage muss vor Abtretung und Pfändung geschützt sein

Abschluss- und Vertriebskosten müssen über zehn Jahre verteilt sein

Hohe Transparenz und Informationspflicht bei Kosten und Erträgen

Noch gibt es aber nicht einmal die Zertifizierungsstelle, die Banken, Versicheren oder Investmentgesellschaften bestätigt, dass ihre Produkte die geforderten Kriterien erfüllen und ihnen dann den "Riester-Stempel" aufdrückt. "Wenn jetzt jemand mit einem Riester-Produkt wirbt, dann ist das unseriös", sagt Verbraucherschützer Westphal. Und selbst wenn die Stelle beim Bundesversicherungsamt für das Versicherungswesen in Bonn eingerichtet sei, werde es einige Zeit dauern, bis die Musterverträge für einzelne Produkte geprüft seien. Sein Rat ist deshalb ganz eindeutig: "Vorerst Finger weg von den Verträgen." Den Verbrauchern empfiehlt er vielmehr, sich in aller Ruhe in den kommenden Wochen und Monaten anzuschauen, wieviel sie denn tatsächlich zusätzlich für die Rente sparen können und was für Produkte von Banken, Versicheren und Fondsgesellschaften angeboten werden. Außerdem sollte sich jeder einzelne auch einen Überblick über seine bisherigen Spar-Varianten machen und überprüfen, ob nicht der eine oder andere Vertrag - etwa einer Rentenversicherung - umgestellt werden könnte. "Niemand sollte jetzt überstürzt einen Vertrag unterschreiben und nach ein paar Monaten feststellen müssen, dass es für ihn noch viel günstigere föderfähige Produkte gibt", sagt er. Dazu könnten auch Produkte in der betriebliche Altersvorsorge zählen.

Der Verband der Versicherungswirtschaft hat schon jetzt zugesagt, dass die Versicherer bestehende Kapitallebensversicherungen und Rentenversicherungen auf "Riester-Produkte" umstellen werden. Dies geht kostenlos, wenn sich an den Leistungen der Versicherungsprodukte nichts ändert. Die Versicherer geben allerdings auch zu Bedenken, dass eine Umstellung gerade bei einer Kapitallebensversicherung, deren Leistungen nach zwölf Jahren steuerfrei sind, nicht unbedingst sinnvoll ist. Der Grund: Bei der Riester-Rente müssen zwar nicht die Beiträge, später aber die Leistungen versteuert werden.

Viele Versicherer wollen neben einer klassischen Rentenversicherung auch eine fondsgebundene Rentenversicherung mit ins Riester-Angebot nehmen. Der Witz: Über die Fonds sollen die Versicherungen in der Rendite attraktiver gemacht werden. Um aber dennoch eine lebenslange Rente garantieren zu können, werden die Beiträge gesplittet. Ein Teil ist für eine sichere Anlage - also die Garantie -, ein anderer Teil für die Rendite zuständig.

Auch bei den Fondsgesellschaften arbeitet man mit Hochdruck an förderfähigen Produkten, wie Andreas Fink vom Bundesverband der Investmentgesellschaften versichert. Den Fondsgesellschaften war lange Zeit die von Riester geforderte Garantie der einbezahlten Beträge ein Dorn im Auge. Damit würde zuviel Rendite verschenkt, so ihr Argument. Wer als junger Mensch in einen Aktienfonds spare und rechtzeitig vor dem Renteneintrittsalter in einen Rentenfonds umschichte, fahre unter Umständen immer noch günstiger als mit einem geförderten aber renditeschwächeren Produkt. Bei Finanzinstituten wie der Deutschen Bank, will man nicht nur recht schnell förderfähige Banksparpläne mit festem Zins anbieten, sondern auch über die konzerneigenen Investmentfonds- und Versicherungsgesellschaften mit entsprechenden Produkten am Markt sein.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben