Wirtschaft : Rentenreform: Riester-Rente über Arbeitgeber zahlt sich aus

Karin Birk

Der Wettbewerb um die Riester-Rentner wird immer stärker. Nachdem Versicherungen und Banken schon seit Monaten für die private Altersvorsorge werben und schon fleißig Verträge abschließen, tut sich auch bei der betrieblichen Altersvorsorge eine ganze Menge. So haben beispielsweise die Tarifvertragsparteien in der Metall- und Elektroindustrie, der Chemieindustrie, oder jüngst im öffentlichen Dienst tarifvertraglich Verbesserungen bei der betrieblichen Altersvorsorge vereinbart. Bis hier die konkreten Angebote auf dem Tisch liegen, werden zwar noch einige Wochen vergehen, eines ist allerdings jetzt schon klar: Die Angebote über die betriebliche Altersvorsorge werden in den meisten Fällen günstiger sein als individuelle Lösungen.

"Niemand sollte deshalb jetzt vorschnell einen privaten Riester-Vertrag abschließen", rät Wolfgang Scholl vom Verbraucherzentrale Bundesverband in Berlin. Sinnvoller sei es, noch ein paar Wochen oder gar Monate zu warten, bis die Möglichkeiten über die betriebliche und die private Altersvorsorge besser miteinander verglichen werden können. "Selbst wenn es die Riester-Rente Anfang 2002 gäbe, bekommt auch der noch die volle staatliche Förderung für das Jahr 2002, der seinen Vertrag noch bis Ende des kommenden Jahres abschließt", sagt er. Scholl weist außerdem darauf hin, dass bis jetzt noch kein einziges Produkt zertifiziert worden sei. Die ersten Produkte für die individuelle Altersvorsorge bekämen erst im Dezember 2001 das Riester-Siegel. Grafik: Beispiele für die zusätzliche private Altersvorsorge Generell werden vom Staat sowohl individuelle Altersvorsorge-Produkte wie die klassische Rentenversicherung, eine fondsgebunde Rentenversicherung, Bankssparpläne und Fondsprodukte gefördert. Riester-Förderung gibt es außerdem auf drei Durchführungswegen innerhalb der betrieblichen Altersvorsorge: Für die Direktversicherung, die Pensionskasse und den Pensionsfonds. (Siehe Fragen und Antworten). Neu ist außerdem das Recht auf Entgeltumwandlung. Konkret heißt das, dass ab 2002 jeder Mitarbeiter das Recht hat, bis maximal vier Prozent der Beitragsbemessungsgrenze in der gesetzlichen Rentenversicherung - also rund 2160 Euro im Jahr - von seinem Bruttogehalt direkt für seine betriebliche Altersvorsorge zu sparen.

Seit Frühsommer diesen Jahres sind in Deutschland rund eine Million private riester-fähige Altersvorsorge-Verträge abgeschlossen worden. Viele davon sind Rentenversicherungen und "oft nicht das Gelbe vom Ei", sagt Hans-Dieter Meyer vom Bund der Versicherten. Denn Abschluss- und Verwaltungsgebühren sind zu hoch und zehren an der staatlichen Förderung.

Interessant ist eine geförderte private Altersvorsorge deshalb oft nur für diejenigen, die bei relativ niedrigen Eigenbeiträgen eine hohe Zulage vom Staat erhalten. "Die Riester-Rente lohnt sich vor allem für Gering-verdiener mit mehreren Kindern", sagt Matthias Scharf von Plansecur, einer konzernunabhängigen Vermögensberatung. Denn diese Familien müssten auch im Alter keine oder nur geringe Steuern auf die dann zu versteuernden Renten bezahlen. Allen anderen rät er deshalb , über den Betrieb eine geförderte Altersvorsorge abzuschließen.

Branchen verhandeln härter

Der entscheidende Vorteil bei der betrieblichen Altersvorsorge ist der, dass sie ein günstigeres Preis-Leistungs-Verhältnis bietet. "Wenn eine ganze Branche mit Versicherern und anderen Finanzdienstleistern am Tisch sitzt, haben sie eine ganz andere Verhandlungsposition", sagt Klaus Stiefermann von der Arbeitsgemeinschaft für betriebliche Altersvorsorge (Aba) in Heidelberg. Die Versicherungsbranche kann das nur bestätigen und spricht teilweise von "beinharten Konditionen". Hinzu kommt, dass bei Gruppenverträgen auch Abschluss- und Verwaltungsgebühren geringer sind - noch ein Vorteil gegenüber einer individuellen Lösung.

So rechnet etwa die IG Metall bei der betrieblichen Altersvorsorge mit fünf Prozent Verwaltungskosten, bei der individuellen würden aber oft mehr als 20 Prozent anfallen. Wer beispielsweise 100 000 Mark (51 129 Euro) brutto verdiene und schon beim Start die Riester-Rente voll mitmache, erhalte bei einem Vertrag mit Verwaltungskosten von fünf statt 20 Prozent und einer jährlichen Verzinsung nach 30 Jahren 393 Mark (200 Euro) mehr Rente im Monat. Noch ist nicht klar, welcher Finanzdienstleister bei den Metallern den Zuschlag für die Verwaltung der Gelder bekommt, doch eines steht fest: "Das Vermögen muss kostengünstig gemanagt werden", heißt es.

Doch der Kostenvorteil allein ist es nicht, was die betriebliche Altersvorsorge interessant macht. Teilweise zahlen auch die Arbeitgeber zur privaten Altersvorsorge noch etwas dazu: So hat etwa die Chemiebranche in ihrem Tarifvertrag für die betriebliche Altersvorsorge festgelegt, dass für jede 100 Euro, die der Arbeitnehmer aus seinem Bruttogehalt in die betriebliche Altersvorsorge einbezahlt, der Arbeitgeber noch 13 Euro hinzugibt.

All dies wird einen gewaltigen Schub in der betrieblichen Altersvorsorge bringen: Stiefermann geht deshalb davon aus, dass mittelfristig rund 60 Prozent der Riester-Förderung über die betriebliche Altersvorsorge abgewickelt werden. Innerhalb von zehn Jahren werde sich das Volumen in der betrieblichen Altersvorsorge von rund 332 Milliarden Euro im Jahr 2000 verdoppeln. Auch Versicherer wie die Allianz Leben, Gerling oder Axa Colonia rechnen damit, dass sie 50 Prozent und mehr ihres Geschäftes mit der Riester-Rente über die Betriebe abwickeln werden.

Gerling empfiehlt ebenfalls, die Vorteile der Neuerungen zur Altersvorsorge komplett über die Firma zu nutzen. Für Arbeitnehmer- und Arbeitgeber ist es aber häufig sinnvoll, den Rechtsanspruch auf Entgeltumwandlung über die betriebliche Altersvorsorge abzudecken und parallel die Riesterförderung in einen privaten Vertrag einfließen zu lassen. Gerling bietet hierzu Unternehmen die Möglichkeit, über eine Rahmenvereinbarung günstige Konditionen für alle Verträge und Mitarbeiter zu vereinbaren, sagt Volker Schmitz, Bereichsleiter Marketing bei Gerling Leben. Generell raten Experten, dass jeder genau prüfen sollte, ob eine Riester-Förderung auch innerhalb der betrieblichen Altersvorsorge überhaupt sinnvoll ist, oder ob es nicht - besonders aus steuerlichen Gründen - besser sei, auf die staatliche Förderung zu verzichten. Gerade bei der Direktversicherung, die bisher nur pauschal versteuert werden muss und bis 2008 noch sozialabgabenfrei ist, könne das interessant sein, da die Auszahlungen im Alter nicht versteuert werden müssen. Riester-geförderte Direktversicherungen müssten dagen später versteuert werden.

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