Wirtschaft : Rentenreform: Viele Länder setzen auf Privatvorsorge - Trend zu mehr Kapitaldeckung - Ein Vergleich

Karin Birk

Rentenprobleme gibt es nicht nur in Deutschland, soviel ist klar. Auch in Frankreich, der Schweiz, den USA und vielen anderen Ländern wird heftig über die Altersvorsorge diskutiert. Überall müssen Politiker Antworten darauf finden, wie die immer älter werdende Bevölkerung einmal versorgt werden soll, ohne dass die Sozialsysteme zu sehr belastet werden. Das ist nicht leicht, wie nicht zuletzt die Reformbemühungen in Deutschland zeigen. Denn die Einsicht über Engpässe in zehn, 20 oder 30 Jahren ist eine Sache - die politische Durchsetzbarkeit eine andere. Dennoch wertet Rentenfachmann Professor Bert Rürup von der Universität Darmstadt den aktuellen Vorschlag der Regierung als "Schritt in die richtige Richtung". Anders als bei der Blüm-Reform sei der Einstieg in die private Vorsorge gemacht.

Für andere ist dieser Richtungswechsel aber noch viel zu zögerlich: "Was fehlt, ist ein wirklicher Schub in Richtung kapitalgedeckte Altersvorsorge", sagt Meinhard Miegel, Leiter des Instituts für Wirtschaft und Gesellschaft in Bonn. Mit einer privaten Vorsorge von vier Prozent sei zwar ein Anfang gemacht, damit könne über die Jahre aber kein substanzieller Kapitalstock aufgebaut werden. Gerade das ist aber - wie auch der Vergleich mit anderen Ländern zeigt - wichtig, um die Altersvorsorge vor allem von der nationalen demographischen Entwicklung abzukoppeln.

Länder mit einem stärkeren Mix zwischen umlagefinanzierter Rente und kapitalgedeckten Betriebsrenten und sonstigen privaten Vorsorgemöglichkeiten stehen in der Regel besser da als Länder wie Deutschland, Frankreich oder Italien, deren Altersvorsorge weitgehend auf der gesetzlichen, umlagefinanzierten Rente basiert. So können vor allem die Niederländer und die Schweizer relativ unbesorgt in die Zukunft schauen, da in ihren Ländern - neben einer umlagefinanzierten, relativ niedrigen gesetzlichen Rente - die Betriebsrenten eine lange Tradition haben und viele Bürger einen Großteil ihrer Altersvorsorge über diese so genannte zweite Säule decken. Die Beiträge dafür werden oft über Pensionsfonds an den Kapitalmärkten angelegt, so dass jeder Arbeitnehmer seinen eigenen Kapitalstock aufbaut.

Dabei ist bei einem kapitalgedeckten System durchaus nicht alles Gold, was glänzt: So zeigen gerade Beispiele in Großbritannien und Chile, wie Missmanagement in Pensionsfonds zu zu hohen Verwaltungsgebühren und zu geringen Renditen führten. Viele Länder haben aber aus ihren Fehlern gelernt und achten darauf, dass der Wettbewerb zwischen den Pensionsgesellschaften funktioniert und die Verwaltungsgebühren nicht die Renditen auffressen. Das Beispiel Chile hat auch gezeigt, wie stark die Rendite der Fondsgesellschaften von der Lage am Aktienmarkt abhängen kann. Denn mit der Asienkrise, die sich auch auf Lateinamerika auswirkte, waren die Traum-Renditen von über zehn Prozent bald dahin.

Einige Länder versuchen auch zuerst einmal, ihre Umlagesysteme selbst zu reformieren, sagt Bernd Schulte, Experte für Soziale Sicherheit beim Max-Planck-Institut in München. Österreich etwa hat diesen Weg beschritten, indem es die Gruppe der Beitragszahler auch auf Selbstständige ausgedehnt hat. Auch in der Schweiz zahlen schon seit langem alle Erwerbstätigen in die gesetzliche Rentenversicherung ein. Teilweise wurde auch die Beitragsbasis dadurch verbreitert, dass nicht nur Erwerbseinkommen zur Berechnung der Renten, sondern auch andere Einkünfte wie Zinsen eingeschlossen wurden - wie etwa in Frankreich und Belgien.

Der Haupttrend geht aber dahin, dass viele Länder bei ihren Reformen aus politischen und wirtschaftlichen Gründen auf einen Mix von Umlage- und Kapitaldeckung setzen, wobei der kapitalgedeckte Teil forciert wird, wie etwa jüngst in Schweden und Großbritannien. Damit der Wechsel auch klappt, müssen die Staaten die Erwerbstätigen mit finanziellen oder steuerlichen Anreizen zum Wechsel, also zur privaten Zusatzvorsorge, bewegen.

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