Wirtschaft : Rentner müssen den Euro nicht fürchten

MARINA PAULI

BERLIN .Vom 1.Januar 1999 an haben auch Rentner eine neue offizielle Währung: den Euro.Sorgen machen müssen sie sich deswegen nicht.Es bleibt alles wie gewohnt.Die Anspruchsvoraussetzungen, Rentenberechnungen, Bestimmungen und Bedingungen ändern sich durch den Euro nicht.Bis zum Jahr 2002 überweisen die Rentenversicherungsträger die Rente außerdem weiter in Mark und Pfennig.Auch in den Rentenbescheiden und sonstigen Mitteilungen werden alle Beträge wie bisher in D-Mark ausgewiesen.

Eine Veränderung erfolgt allerdings im Sommer nächsten Jahres: Vom 1.Juli 1999 an teilen Bundesversicherungsanstalt für Angestellte (BfA) und Landesversicherungsanstalt (LVA) jedem Rentner mit, wie hoch seine Rente in Euro ist.So sollen ihm zweieinhalb Jahre Zeit gegeben werden, sich an die neue Währung und den neuen Rentenzahlbetrag zu gewöhnen.Denn vom 1.Januar 2002 an ist der Euro gesetzliches Zahlungsmittel, und erst von da an geben die Rentenversicherungsträger alle Beträge nur noch in Euro an und überweisen die Rente auch in der neuen Währung.

Der wichtigste Grund, warum sich niemand Sorgen machen muß: Die Rente verliert durch die Umstellung auf den Euro nicht an Wert.Der Euro-Rentenzahlbetrag halbiert sich ab Juli nur rein optisch im Vergleich zum D-Mark-Betrag (bei einem grob angenommenen Wechselkurs von 1 Euro = 2 DM).Das hat nichts mit einem Wertverlust zu tun, denn alle anderen Währungsbeträge - egal ob Löhne, Gehälter, Mieten, Versicherungen, Preise, Gebühren - werden zum selben Tauschkurs auf den Euro umgestellt.An der Kaufkraft oder der realen Höhe der Rente ändert sich nichts.

Der Euro ist eine Umrechnung, keine Währungsreform.Deutlich wird das vielleicht an folgendem Beispiel: Jemand erzählt seinem amerikanischen Freund, wie hoch seine Rente ist, und rechnet sie zur besseren Veranschaulichung in Dollar um.Dazu dividiert er seine D-Mark-Rente durch den aktuellen Dollarkurs und käme dabei auch nicht auf die Idee, daß sie wegen des niedrigeren Dollar-Betrages wertloser geworden sei.Obwohl die Rentenversicherungsträger Renten erst ab 2002 in Euro überweisen, können sie Euro-Überweisungen von Arbeitgebern und Versicherten schon vom 1.Januar 1999 an verarbeiten.

Einen Vorteil bringt der Euro in jedem Fall mobilen Rentnern.Sie können zum Beispiel unter der Sonne Spaniens oder Südfrankreichs ihren Lebensabend verbringen und lassen sich ihre gesetzliche Rente ohne Währungsrisiko in Euro statt in Peseten oder Franc auszahlen.Eine 1996 überarbeitete Verordnung der Europäische Union gewährleistet, daß sich Ruheständler ihre Altersrente ohne Abstriche in jedem EU-Land auszahlen lassen können.Dasselbe gilt spätestens vom Jahr 2002 an auch für Betriebsrenten: Anspruch auf Leistungen aus ihren Betriebsrenten haben Arbeitnehmer, Selbständige und ihre Familienangehörigen bei einem Ortswechsel in ein anderes EU-Land.Das besagt eine in diesem Jahr verabschiedete EU-Richtlinie, die bis Anfang 2002 in nationales Recht umgesetzt sein muß.

Weitere Informationen zum Thema Europäische Währungsunion - zum Einkaufen und zum Konto, zur Geldanlage, zu Verträgen, Versicherungen, Krediten und Immobilien - finden Sie in der Zeitschrift "Finanz-Test-Spezial": "Der Euro".

Die Autorin ist Mitarbeiterin der Stiftung Warentest.

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