Wirtschaft : Repower: Der erste Börsengang seit acht Monaten

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Lange mussten die Anleger darauf warten. Gingen vor zwei Jahren fast minütlich neue Unternehmen an die Börse, ist der Drang der Gesellschaften auf das Parkett versandet, genauso wie das Interesse der Geldgeber. Einige wenige Versuche, auf den Kurszettel zu gelangen, scheiterten kläglich. Doch fast auf den Tag acht Monate seit dem letzten Neuling an der Frankfurter Börse schaffte es die Repower AG, die Anleger zu überzeugen. Dienstag startet der Handel mit den Aktien des Unternehmens aus Hamburg, das unter anderem Windkraftanlagen herstellt.

"Der Zeitpunkt für einen Börsengang ist seit acht Monaten schlecht", sagt die Repower-Pressesprecherin Manuela Scheferling. "Aber unsere Zahlen sind gut. Weshalb sollten wir es dann nicht jetzt wagen?" Die Investoren geben ihr offensichtlich Recht. Fünffach überzeichnet ist die Neuemission nach Angaben der Konsortialbanken unter der Führung der Citigroup-Tochter Schroder Salomon Smith Barney.

Vor allem institutionelle Anleger aus Deutschland, Großbritannien und der Schweiz hätten großes Interesse gezeigt, heißt es. Trotzdem wurde der Emissionspreis nicht am oberen Ende der Bookbuildingspanne von 38 bis 45 Euro gesetzt. 41 Euro werden die neuen Papiere kosten. Auch im vorbörslichen Handel pendelte sich der Kurs auf dem Niveau ein. Bis zu 2,3 Millionen Aktien werden gehandelt, zwei Millionen aus einer Kapitalerhöhung und 300 000 als Greenshoe aus dem Besitz eines Altaktionärs. Das Emissionsvolumen liegt bei maximal 94,3 Millionen Euro. Der Anteil, den die Neuaktionäre nach dem Börsengang an Repower halten werden, liegt bei 42,6 Prozent.

Die Repower AG ist ein Zusammenschluss von drei mittelständischen Unternehmen aus der Windbranche und erzielte im Geschäftsjahr 2001 einen Umsatz von rund 142 Millionen Euro. Unter dem Strich blieb ein Jahresüberschuss von rund neun Millionen Euro. Repower hat in Deutschland 300 Mitarbeiter an fünf Standorten und ist über Töchter und Beteiligungen unter anderem in Spanien, Griechenland und Frankreich aktiv. Im Gegensatz zu den meisten Konkurrenten entwickelt, produziert und vermarktet Repower nicht nur Windkraftanlagen, sondern errichtet für Betreiber auch ganze Parks.

Das Geld aus dem Börsengang solle - neben der weiteren internationalen Expansion - vor allem in die Entwicklung leistungsfähigerer Anlagen gesteckt werden, sagt Repower-Sprecherin Scheferling. In diesem Jahr solle eine 2-Megawatt-Anlage auf den Markt und im Jahr 2003 eine 3-Megawatt-Anlage. Großes Potenzial erwartet das Unternehmen aber auch von Offshore-Windparks, die weit vor den Küsten unter anderem in Deutschland geplant sind. Dafür werden aber noch leistungsfähigere 5-Megawatt-Anlagen benötigt.

Rückenwind für die Branche

Das erfolgreiche Börsendebut von Repower könnte auch den Aktienkursen anderer Unternehmen aus der Windbranche wieder Auftrieb geben. Die waren in den vergangenen Monaten stark unter Druck geraten. "Zu unrecht", sagt Claudia Erdmann, Analystin der Hamburgischen Landesbank. "Fundamental gibt es keinen Grund für den Verfall der Aktien aus der Windbranche." In den kommenden Wochen könne es bei der Vorstellung der Geschäftszahlen zwar zu einigen Enttäuschungen und weiteren Kursverlusten kommen. Oft gehe die Expansion ins Ausland langsamer vonstatten als bisher geplant. Bei Unternehmen, die Windkraft-Projekte durchführen, sieht sie allerdings ein großes Kurspotenzial. Die Papiere der Energiekontor AG notieren zurzeit bei 8,80 Euro Euro. Innerhalb der nächsten zwölf Monate dürfte der jedoch laut Hamburger Landesbank auf 25,45 Euro steigen. Ebenfalls aufwärts sollte es beim Mitbewerber Plambeck gehen. Hier erwartet die Hamburgische Landesbank auf Jahressicht einen Anstieg von 20,50 Euro auf 26,75 Euro.

"Die Branche ist aber stark abhängig von politischen Entscheidungen", warnt Marc Ziegner, Analyst der Hamburgischen Landesbank. Starkes Wachstum gebe es nur auf Märkten mit fester Vergütung für Strom aus Windkraft, vor allem in Deutschland, Spanien und mittlerweile Frankreich. In den USA kam es jedoch zu einem Rückgang, weil die steuerliche Förderung nicht planmäßig, sondern erst vor zwei Wochen verlängert wurde. "Die Branche ist sehr empfindlich", sagt Ziegner.

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