Reto Francioni : Mehrsprachiger Diplomat auf dem Börsenparkett

Der promovierte Jurist Reto Francioni (50) ist seit April 2002 Präsident des Verwaltungsrates der SWX Swiss Exchange. Der Schweizer gilt als besonnener, diplomatischer Arbeiter.

Zürich (12.09.2005, 17:06 Uhr) - Das Ansinnen der Deutschen Börse nach einer Übernahme der SWX lehnte Francioni allerdings Mitte 2004 ziemlich brüsk ab. In Börsenkreisen wird dem Wertpapierexperten vorgehalten, seiner Zeit an der Spitze der SWX nicht durch Innovationen aufgefallen zu sein.

1993 war Francioni Stellvertretender Geschäftsführer der Deutschen Börse in Frankfurt geworden, wo er ab 1999 auch stellvertretender Vorstandsvorsitzender war. Er gilt als Erfinder des Neuen Marktes, an dem vor allem Aktien junger Internet-Unternehmen gehandelt wurden. Als die Blase der «New Economy» platzte, verloren viele Anleger ihr Geld. Der Neue Markt wurde Mitte 2003 geschlossen.

Im Jahr 2000 verließ Francioni die Deutsche Börse, nachdem er sich mit dem Vorstandsvorsitzenden Werner Seifert überworfen hatte. Dieser wiederum war im Mai nach einem verlorenen Machtkampf mit britischen Hedge-Fonds zurückgetreten. Francioni hatte ab April 2000 den Online- Broker CONSORS in Nürnberg geführt. Nur zwei Jahre später verließ er das angeschlagene Unternehmen, um den Chefposten bei der SWX zu übernehmen.

Francioni, der neben Deutsch noch Englisch, Französisch und Italienisch spricht, war unter anderem in leitenden Positionen im Börsen- und Bankenbereich in der Schweiz und in den USA sowie im Direktorium der Hoffmann-La Roche AG in Basel tätig. Der Vater zweier Kinder und Hobbyangler hatte immer betont, sich in der Schweiz sehr wohl zu fühlen. (tso/dpa)

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