Wirtschaft : Retter für Verkehrstechnik-Spezialist steht bereit / "Banken mauern"

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Der Berliner Verkehrstechnik-Spezialist Trion steht vor dem Aus. Das sagte Andreas Brakmann, Finanzvorstand des Unternehmens, dem Tagesspiegel. "Die Hausbanken und die Belegschaft haben massive Einschnitte akzeptiert, um Trion zu retten, aber Deutsche Bank und Dresdner Bank entziehen sich der Verantwortung." Am 21. September hatte die Lintec Computer AG aus Taucha bei Leipzig eine Absichtserklärung unterschrieben, ihren bisherigen Anteil an Trion von bisher knapp zehn auf rund 60 Prozent aufzustocken. "Ein Glücksfall für Trion", sagte Brakmann schon damals, es wäre die Rettung des angeschlagenen Unternehmens. "Aber die Banken entziehen sich ihrer Verantwortung und mauern", sagt Brakmann, seit September habe sich seitens der Banken nichts getan.

Bereits 1997 geriet Trion in finanzielle Schwierigkeiten. Damals beteiligte sich die Berliner Venture-Capital-Gesellschaft bmp mit 16 Prozent an dem Unternehmen. In den ersten neun Monaten 1999 machte Trion einen Verlust von fast elf Millionen Mark, bis Ende des Jahres könnten es 13 Millionen Mark sein - der Umsatz lag nach acht Monaten bei sechs Millionen Mark. Aufträge von Adtranz sind - wie der Tagesspiegel erfuhr - bereits im Frühjahr weggefallen. Sie machten über 50 Prozent des geplanten Umsatzes von Trion aus. Dennoch betrieb Sami Tabarra, Firmengründer, Hauptaktionär und ehemaliger Vorstandsvorsitzender, die Zulassung von Trion an der Nasdaq. Seit Juni 1999 wird Trion an der New Yorker Technologiebörse notiert. Der Anteil von bmp liegt derzeit rund zehn Prozent.

Tabarra schied im September aus dem Unternehmen aus. Sein Aktienpaket (40,14 Prozent) wurde bei der Deutschen und der Dresdner Bank verpfändet und bisher von den Banken nicht freigegeben. Lintec hatte für die Mehrheitsübernahme ein Acht-Punkte-Programm vorgelegt und die Banken um eine Stellungnahme bis Anfang nächster Woche gebeten. "Wir warten auf die Reaktion der Banken", heißt es bei Lintec.

Warten kann Brakmann nicht mehr: "Entweder es gibt bis Freitag eine Lösung oder wir müssen am Montag das Insolvenzverfahren einleiten." 65 Arbeitsplätze gingen verloren. Deutsche und Dresdner Bank müßten einen Verlust von 5,5 Millionen Mark verbuchen. Die Deutsche Bank wollte sich am Donnerstag nicht äußern.

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