Wirtschaft : Rettung für die Schneider Rundfunkwerke

MÜNCHEN (tmh).Nach der Fürther Grundig AG steht in Bayern mit der Schneider Rundfunkwerke AG, Türkheim, ein weiteres Traditionsunternehmen der Krisenindustrie Unterhaltungselektronik vor seiner Rettung."Es war äußerst knapp", sagte Bayerns Wirtschaftsminister Otto Wiesheu, CSU, bei der Vorstellung des Sanierungsplans in München zur finanziellen Lage der Türkheimer, die offenbar nur knapp am Konkurs vorbeigeschlittert sind.Kernpunkte des Rettungsversuchs sind ein Eignerwechsel, eine Kapitalerhöhung, Forderungsverzichte der Banken und Stellenabbau.

Die Stimmen- und Kapitalmehrheit des angeschlagenen Mittelständlers übernehmen eine Investorengruppe um den weitgehend unbekannten Industriemanager Walter Vogel und die Bayerische Landesanstalt für Aufbaufinanzierung (LfA).Letztere fungiere als "Platzhalter", bis Schneider wieder auf eigenen Beinen stehen könne, sagte Wiesheu.Investoren und LfA kaufen für eine ungenannte, aber offenbar eher symbolische Summe den 60prozentigen Firmenanteil der Gebrüder Schneider und garantieren eine Kapitalerhöhung, die dem bisherigen Familienunternehmen 45 Mill.DM in die leeren Kassen bringt.Über die genaue Zusammensetzung der Investorengruppe wollte Vogel vorerst keine genauen Angaben machen.Sie bestehe aus Altaktionären, die bislang mit etwa zehn Prozent bei Schneider engagiert seien.

Nur auf Drängen von Wiesheu seien die Banken "nach langen und zähen Verhandlungen" zur Beteiligung am Rettungsversuch zu bewegen gewesen.Die Institute verzichten auf Forderungen im Umfang von 60 Mill.DM und wandeln zudem Kredite in Genußkapital um.Zudem werden 50 bis 70 der noch rund 580 Stellen bei Schneider gestrichen und Lohnverzichte des Personals gefordert.Vogel will Schneider mit neuen Produkten für das Multimedia-Zeitalter in eine profitable Zukunft führen.Er verfolgt damit eine ähnliche Strategie wie die anderen deutschen Unterhaltungselektronik-Firmen Grundig, Metz und Loewe-Opta.Das Überleben von Schneider ist laut Vogel künftig nicht mehr von der in Türkheim erfundenen Laser-Technologie abhängig.Beim Laser-TV arbeiten Fernseher nicht mehr mit Bildröhren, sondern Projektoren und einer Art Leinwand, was technisch, so Experten, einen Quantensprung bedeute.

Das Geschäft mit Laser-TV ist in die LDT GmbH & Co.KG, Gera, ausgegliedert, an der die Stuttgarter Daimler-Benz zur Hälfte beteiligt ist.Daimler habe sich wie die ebenfalls im Gespräch gewesene Familie Quandt nicht am Sanierungskonzept beteiligt.Zwischen der Familie Quandt, die bei BMW Großaktionär ist, Daimler, und den Banken sei es letztlich zu keiner Einigung gekommen, sagten Wiesheu und Vogel.Dieses Jahr fallen nochmals Verluste an, nachdem der Jahresfehlbetrag im Vorjahr entgegen den Plänen leicht von 7,5 auf zehn Mill.DM im Konzern gestiegen ist.

Die Schneider-Umsätze stagnierten 1997 bei knapp 300 Mill.DM.Die Schulden wurden durch den Bankenverzicht auf 60 Mill.DM halbiert.

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