Wirtschaft : Rettungsplan für Solarworld genehmigt Aktionäre stimmen Kapitalschnitt zu

Bonn - Der Rettungsplan für Solarworld ist endgültig genehmigt. Die Aktionäre des größten deutschen Solarmodulherstellers gaben auf der außerordentlichen Hauptversammlung am Mittwochabend in Bonn ihre Zustimmung, mit mehr als 90 Prozent. Die Aktionäre müssen für die Sanierung einen drastischen Kapitalschnitt von unterm Strich 95 Prozent hinnehmen.

Statt 150 Aktien sollen die Aktionäre zunächst nur noch eine Aktie im Depot haben. Bei der zugleich geplanten Kapitalheraufsetzung sind sie außen vor. Neue Aktien sollen als Gegenleistung für den Forderungsverzicht der Gläubiger herausgegeben werden.

Durch immer neue Wortbeiträge zog sich das außerordentliche Aktionärstreffen am Mittwoch bis in den späten Abend hin. Einzelne Aktionäre attackierten den Konzernchef Frank Asbeck scharf. Sie machten ihrem Ärger Luft, weil sie durch den geplanten Kapitalschnitt fast ihre gesamten Anteile verlieren.

Für das von Asbeck präsentierte Sanierungspaket war die Zustimmung der Hauptversammlung notwendig, damit es umgesetzt werden kann. Ansonsten drohte dem deutschen Branchenprimus, der stark unter der asiatischen Billigkonkurrenz leidet, nach eigener Einschätzung eine Insolvenz.

Die Aktionärsversammlung war die letzte Etappe im Entscheidungsmarathon über das Rettungspaket. Bereits in den vergangenen beiden Tagen hatte Asbeck es geschafft, die Gläubiger von Anleihen über insgesamt 550 Millionen Euro davon zu überzeugen, dass sie auf 55 Prozent ihrer Forderungen verzichten.

Davor hatten schon die Darlehensbanken den Sanierungsplänen ebenfalls mit dem Verzicht auf Forderungen zugestimmt. Von Qatar Solar sollen nun zudem Millionen fließen, damit das einstige Vorzeigeunternehmen der deutschen Solarbranche im knallharten Wettbewerb bestehen kann.

Gläubiger und Aktionäre haben nun vier Wochen Zeit, Anfechtungsklagen gegen die Beschlüsse zu erheben. Diese könnten die Sanierungspläne letztendlich doch noch torpedieren. Die klagefreudige Kleinaktionärin Catarina Steeg erklärte am Mittwoch: „Ich weiß noch nicht, ob ich Klage erhebe.“ dpa/rtr

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