Wirtschaft : Reuter rechnet mit Daimler ab

Schrempp angeblich "rücksichtslose Brutalität" vorgeworfen STUTTGART / BERLIN (dpa/Tsp).Zwei Jahre nach seinem Ausscheiden aus dem Aufsichtsrat der Daimler-Benz AG rechnet Edzard Reuter in einem Buch mit seinem früheren Konzern und einigen seiner Weggefährten ab.Nach Darstellung des "manager magazin", das in einer Vorabmeldung Passagen aus dem Buch zitiert, schildert der frühere Daimler-Chef "in verletzender Offenheit die fachlichen und persönlichen Schwächen seiner Vorgänger" und tadelt seine damaligen Vorstandskollegen.Der Führungsstil seines Nachfolgers Jürgen Schrempp sei von "rücksichtsloser Brutalität" gekennzeichnet.Der Berliner Siedler-Verlag, der Reuters Buch "Schein und Wirklichkeit" am 10.Februar auf den Markt bringt, kündigte bereits juristische Schritte gegen das Magazin an, weil es Urheberrechte verletzt habe. Nach Angaben der "Stuttgarter Zeitung", die an diesem Sonnabend mit dem Vorabdruck beginnt, wehrt sich Reuter darin gegen den Vorwurf, unter seiner Führung sei aus dem größten deutschen Industriekonzern ein Sanierungsfall geworden.Für den Milliardenverlust am Ende seiner Amtszeit mache Reuter Schrempp verantwortlich.Tief enttäuscht äußere sich Reuter über den Aufsichtsratschef der Daimler-Benz AG, Hilmar Kopper.Der damalige Vorstandssprecher der Deutschen Bank habe ihm persönlich den Vorsitz des Kontrollgremiums bei Daimler angetragen.Davon sei Kopper dann abgerückt.Daimler-Benz äußerte sich am Donnerstag nicht zu Reuters Buch.Daimler gebe "grundsätzlich keine Stellungnahmen zu persönlichen Ansichten ausgeschiedener Vorstandsmitglieder ab". Reuter, der am 16.Februar 70 Jahre wird, hatte den Konzern in seiner Amtszeit mit Milliardeninvestitionen zu einem Technologiekonzern ausgebaut.Heute macht das Unternehmen unter Jürgen Schrempp 120 Mrd.DM Umsatz und rechnet für 1997 mit einem Betriebsgewinn von 3,7 Mrd.DM.Rückblickend schreibt Reuter: "Nicht die Vision war falsch, sie hatte vielmehr unter einer teilweise mangelhaften Umsetzung durch das jeweilige Management (...) zu leiden." Nach Angaben des "manager-magazins" verteidigt Reuter seine Vision gegen diejenigen im Unternehmen, "deren geistige Substanz nicht ausreicht, um die Bedeutung einer sorgfältig durchdachten Strategie vom kurzfristig angelegten Rat ihrer Imageberater unterscheiden zu können".

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