Reuters : Thomson bietet knapp 13 Milliarden Euro für Reuters

Sollte es tatsächlich zu einer Übernahme von Reuters durch Thomson Financial kommen, würden beide zusammen den bisherigen Marktführer Bloomberg übertreffen. Die Fusion sehen die Unternehmen als "zwingende Logik".

London - Der kanadische Finanzdaten-Dienstleister Thomson Financial und die Nachrichtenagentur Reuters haben konkrete Angaben zu einer Übernahme gemacht. Dem Reuters-Vorstand sei eine Übernahmeanfrage präsentiert worden, es sei aber nicht sicher, ob eine Übereinkunft erreicht werde, betonte Thomson in Stamford. Das Angebot liege bei rund 8,8 Milliarden Pfund (12,9 Milliarden Euro), gab Reuters bekannt. Das künftige Unternehmen würde Thomson-Reuters heißen. Beide Unternehmen würden zusammen den Marktführer im Bereich Finanzinformationen, die US-Agentur Bloomberg, übertreffen.

In der Fusion sähen sie eine "zwingende Logik", teilten die beiden Unternehmen mit. Thomson und Reuters erwarten bei einem möglichen Zusammenschluss Synergien von einer halben Milliarde US-Dollar. Ein mögliches Gebot je Reuters-Papier könnte sich auf 352,5 britische Pence in bar sowie 0,16 Thomson-Anteile belaufen. Die Reuters-Aktie würde damit zu Thomson-Kursen vom 3. Mai mit 705 Pence bewertet. Basierend auf aktuellen Kurs und Währungsverhältnissen wird jede Reuters-Aktie mit 697 Pence bewertet.

Nach dem möglichen Zusammenschluss würde die Thomson-Familie 53 Prozent an dem gesamten Unternehmen halten. Die übrigen Thomson-Aktionäre kämen auf rund 23 Prozent, die Anteilseigner von Reuters auf rund 24 Prozent der Anteile.

Chefposten ginge an Reuters

Der 60-jährige Thomson-Chef Richard J. Harrington würde nach einer Fusion in den Ruhestand gehen und die Führung des gemeinsamen Unternehmens dem bisherigen Reuters-Chef Tom Glocer (47) überlassen. Reuters hat weltweit fast 17.000 Mitarbeiter.

Für eine Übernahme müssen die Direktoren der Reuters Founders Share Company überzeugt werden, die darüber wachen sollen, dass die Agentur unabhängig bleibt. Diese haben das Recht, eine Übernahme mit einer so genannten "goldenen Aktie" zu blockieren.

Die Übernahmeanfrage kommt zu einer Zeit, in der auch News Corp, das dem australischen Medienunternehmer Rupert Murdoch gehört, dem US-Medienkonzern Dow Jones mit seinem Flaggschiff "Wall Street Journal" eine Kaufofferte für fünf Milliarden Dollar (3,68 Milliarden Euro) unterbreitet hat, die von deren Mehrheitseigentümern bislang abgelehnt wird. Thomson hatte Mitte 2006 die Nachrichtenagentur AFX News übernommen. AFX News ist zu 34 Prozent an der Finanz- Nachrichtenagentur dpa-AFX beteiligt. Die Deutsche Presse-Agentur dpa hält an dpa-AFX 50 Prozent. (tso/dpa)

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