Wirtschaft : Revolution im Nahverkehr (Kommentar)

Margarita Chiari

Bahnchef Hartmut Mehdorn macht Druck: Schon in der kommenden Woche will er dem Aufsichtsrat sein Konzept "Regent" vorlegen, das einer zweiten Revolution im deutschen Schienenverkehr sehr nahe kommt. Auf fast einem Viertel des gesamten Schienennetzes sollen in Zukunft regionale Gesellschaften den Betrieb eigenständig organisieren. Was die Fluggesellschaften längst vorgemacht haben - nämlich kurze, für sie unrentable Strecken und Zubringerdienste an kleinere Konkurrenten abzugeben - ahmt die Bahn nun nach. Der seit langem geforderte Wettbewerb auf der Schiene könnte endlich Realität werden.

Die Bahn handelt nicht ohne Not. Der nun bekannt gewordene Ergebniseinbruch im vergangenen Jahr macht deutlich, dass gespart werden muss. An der Ausgliederung von Diensten, die andere preiswerter und effizienter erledigen können, führt kein Weg vorbei. Die Bahn gewinnt damit Spielraum für Investitionen im Fernverkehr. Die Mitarbeiter werden sich auf Einbußen einstellen müssen, doch das ist allemal besser als Stellenstreichungen. Und den Pendlern eröffnen sich neue Perspektiven: Regionale Gesellschaften sind den Kunden zweifellos näher als die Planungsstäbe der fernen Konzernzentrale. Fahrpläne werden stärker auf die örtlichen Bedürfnisse zugeschnitten, stillgelegte Strecken wiederbelebt und auch der Service - das haben die wenigen Privatisierungen gezeigt - ist persönlicher geworden. Doch vor Euphorie sei gewarnt: Bahnchef Mehdorn wird noch einige Bedenkenträger überwinden müssen.

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