Rewe-Chef Alain Caparros : "Wir sind bereit, einen letzten Versuch zu starten"

Im Ringen um Kaiser's Tengelmann hofft der Rewe-Chef noch auf eine Lösung und wünscht sich Wirtschaftsminister Gabriel als Schlichter. Ein Interview.

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Alain Caparros ist Chef des Rewe-Konzerns und spielt eine entscheidende Rolle im Ringen um Kaiser's Tengelmann.
Alain Caparros ist Chef des Rewe-Konzerns und spielt eine entscheidende Rolle im Ringen um Kaiser's Tengelmann.Foto: dpa

Alain Caparros ist eine der Schlüsselfiguren im Poker um Kaiser's Tengelmann. Der Rewe-Chef wollte Kaiser's Tengelmann übernehmen, Tengelmann-Eigentümer Karl-Erivan Haub entschied sich aber für Edeka. Nun ist Caparros am Krisenmanagement beteiligt. Er war Teil der Krisenrunde der Supermarktchefs, die nach einer Lösung für Kaiser's Tengelmann suchen.

Herr Caparros, gibt es noch Hoffnung für Kaiser’s Tengelmann?


Wir wären bereit, noch einen letzten Versuch zu starten. Es sollte aber ein Mediator benannt werden, der die Gespräche führt. Wir brauchen jemanden mit Kompetenz und politischer Autorität, um zu schauen, ob noch eine Chance besteht – jemanden wie Bundeswirtschaftsminister Gabriel. Das wäre dann der letzte Versuch, das Paket zu retten.


In derselben Besetzung wie beim letzten Krisengipfel?


Ja, mit Ausnahme des Mediators. Bisher hat diese Rolle Verdi übernommen, die haben das auch gut gemacht, aber wir sind nicht weitergekommen. Wir hatten am 6. Oktober eine Einigung gefunden, aber das hat sich in den Folgegesprächen nicht fortgesetzt. Deshalb brauchen wir einen Mediator. Das ist der letzte Vorschlag, den wir machen können.


Warum sind die Gespräche gescheitert?


Das Problem besteht seit zwei Jahren. Wir haben immer unser Interesse bekundet, Kaiser’s Tengelmann zu übernehmen. Wir haben Herrn Haub verbindliche Angebote gemacht, aber Herr Haub hat sich an Edeka gebunden. Haub und Edeka haben gewusst, dass das Kartellamt nicht mitmacht. Sie haben die Einwände der Monopolkommission ignoriert, und sie haben darauf gesetzt, dass Gabriel ihnen hilft, wenn sie das Gespenst der Schlecker-Pleite beschwören. Haub hatte behauptet, Edeka sei die einzige Alternative, um die 16.000 Jobs bei Kaiser’s Tengelmann zu retten. Das war eine geschickte Geiselnahme von Gabriel. Aber dann sind wir ins Spiel gekommen.


Inwiefern?


Wir haben angeboten, alle Filialen zu erhalten, alle Mitarbeiter für fünf Jahre zu beschäftigen, die Tarifverträge einzuhalten und die Betriebsräte zu erhalten, wenn wir den Zuschlag bekommen. Das hat Gabriel dazu gebracht, die Anforderungen an Edeka in der Ministererlaubnis auf das Rewe-Niveau hochzuschrauben. Das war die erste Überraschung, und die zweite Überraschung war die Aufhebung der Ministererlaubnis durch das OLG Düsseldorf.


Auf Ihre Klage hin.


Ja, und von Norma und Markant. Wir haben immer gesagt, dass wir alle rechtlichen Mittel nutzen werden, um unsere Sache zu vertreten. Wir kämpfen nicht gegen Haub und nicht gegen die Mitarbeiter von Kaiser’s Tengelmann, aber wir kämpfen für den Wettbewerb. Der Vorsprung von Edeka darf nicht noch größer werden. Wenn Edeka die Kaiser’s-Tengelmann-Filialen in Berlin und München übernehmen würde, hätten wir einen nachhaltigen Nachteil. Wir müssen auch an unsere Mitarbeiter denken.


Wie könnte eine Lösung aussehen?


Wir haben Herrn Haub letzte Woche angeboten, ihm alle Sorgen abzunehmen. Wir sind bereit, alle Filialen, alle Mitarbeiter, Zentralen, Lager und Fleischwerke zu übernehmen, und wir respektieren freiwillig die Auflagen der Ministererlaubnis.


Und das Bundeskartellamt würde das mitmachen?


Ich denke, ja. Wir würden die kartellrechtlichen Risiken und die operativen Verluste bis zum Closing übernehmen. Das ist seriös. Ich glaube aber, dass Haub und Edeka an einem Plan B arbeiten, nachdem Edeka trotzdem – und ohne Ministererlaubnis – Märkte bekommt und weitere Filialen an Dritte gehen, ohne Sicherheiten für die Mitarbeiter.


Wären Sie notfalls auch mit der Übernahme einzelner Filialen zufrieden?


Ja, das haben wir am 6. Oktober vereinbart. Wir wollten die Regionen aufteilen. Edeka hätte Bayern genommen, wir hätten Berlin bekommen, und für NRW hätten wir eine Lösung gefunden. Der Plan war da, und die Verhandlungen sollten starten. Aber wir haben sofort gespürt, dass Edeka und Haub kein Interesse hatten. Wir haben eine Reihe von essenziellen Informationen nicht bekommen.


Tengelmann sagt, Rewe hätte Termine nicht wahrgenommen.


Ja, aber mit Ansage und nur weil wir keine Daten bekommen hatten. Ohne Daten können wir die Pakete aber nicht bewerten, sodass weitere Gespräche erst mal keinen Sinn machten. Das ist alles eine Riesenfarce.

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