Wirtschaft : Rewe greift Discounter an

Neue Läden, einheitliche Marke und sinkende Preise

Nils-Viktor Sorge

Köln - Die Minimal-Supermärkte sind ab Montag Geschichte: Die Kette firmiert künftig unter dem Namen des Mutterkonzerns Rewe, der mit der roten Einheitsmarke und 600 neuen Filialen bundesweit zum Angriff auf die Konkurrenz von Marktführer Edeka (Reichelt), Metro (Real, Extra) sowie der Discounter bläst. Deutschlands zweitgrößter Lebensmittelhändler flaggt 3000 Märkte um, darunter auch weitere regional bekannte Marken wie HL, Stüssgen und Petz.

„Das erhöht unsere Schlagkraft um ein Vielfaches", sagte der erst seit Anfang September amtierende Vorstandssprecher Alain Caparros am Donnerstag in Köln. Künftig könne der Konzern leichter eine Werbestrategie für ganz Deutschland verfolgen und so Geld sparen, sagte Vorstand Stefan Fanderl, zuständig für das Supermarkt-Geschäft. Der Marktanteil soll bis 2011 von derzeit 17,8 auf 20,8 Prozent steigen. Rewe will auch mit Preissenkungen, die nach der Mehrwertsteuererhöhung Anfang 2007 Bestand haben sollen, Kunden gewinnen. Nach Angaben von Fanderl sinken die Preise schrittweise – wöchentlich bei etwa zehn bis 15 Artikeln. Im Einzelfall sollen es bis zu fünf Prozent sein.

In den neuen Rewe-Filialen können nach Unternehmensangaben bis zu 15 000 neue Stellen entstehen – eine Zahl, die bei der Gewerkschaft Verdi Misstrauen weckte. „Das erscheint etwas hochtrabend“, sagte Handelsexpertin Sabine Zimmer vom Berliner Landesverband dem Tagesspiegel mit Blick auf den in der Hauptstadt hart umkämpften Markt. Wie viele Filialen und Arbeitsplätze in Berlin entstehen sollen, vermochte Rewe am Donnerstag noch nicht zu sagen. „Einige hundert“ Geschäfte, die etwa 2000 Mitarbeiter beschäftigen, würden in der Region zunächst am Montag umgeflaggt.

Über Jahre waren die Supermärkte von Discountern wie Aldi und Lidl sowie großen SB-Märkten unter Druck gesetzt worden. Zuletzt gaben Studien den mittelgroßen Lebensmittelmärkten aber wieder eine Chance, die Rewe nun mit den weitgehend noch vom alten Vorstand geplanten Investitionen in Höhe bis zu einer Milliarde Euro ergreifen will.

Rewe-Chef Caparros geht derweil nicht davon aus, dass sich der Einzelhandel durch die anziehende Konjunktur erholt. „Die Zukunft sieht nicht rosig aus“, sagte der Ex-Aldi-Manager. Er prognostizierte neue Preisattacken der Discounter, wenn diese nicht mehr durch immer neue Filialen wachsen könnten. In Zukunft müsse der Konzern im Ausland erzielte Gewinne verstärkt für Investitionen in Deutschland verwenden, um gegenüber Edeka, dem Marktführer bei Supermärkten, nicht ins Hintertreffen zu geraten, sagte Caparros.

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