Wirtschaft : Rewe legt trotz Konsumflaute zu

Umsatz ist 1997 auch im Inland gestiegen / Doch kleine Läden geschlossen / Mehr Beschäftigte KÖLN (aku).Wäre Hans Reischl Lehrer, würde er sein Unternehmen mit "gut" benoten.In das Wehklagen des Handels mag der Vorstandsvorsitzende der Rewe nicht einstimmen.So verkündete er am Mittwoch bei der Bilanzvorstellung in Köln: "Wir wachsen besser als die Branche." Der größte deutsche Lebensmitteleinzelhändler konnte seinen Marktanteil im vergangenen Geschäftsjahr in Deutschland auf 17,1 Prozent ausbauen und steigerte allein auf heimischem Terrain seinen Umsatz um zwei Mrd.auf knapp 52 Mrd.DM.Die Umsatzrendite liegt mit 1,5 Prozent auf niedrigem, aber konstanten Niveau, was der Konzern-Chef als Erfolg wertet - ebenso wie die Schaffung von 3000 Arbeitsplätzen in Deutschland 1997.Besonders gut lief das Geschäft in den größeren Supermärkten der Gruppe, die um bis zu fünf Prozent zulegten.Schwerer haben es dagegen die kleineren Läden, von denen Dutzende wegen Unrentabilität schließen mußten.So wuchs die Zahl der Märkte trotz 400 Neueröffnungen in Deutschland nur geringfügig auf 9506.Keinen leichten Stand hat auch die Discounter-Schiene Penny.Die 2400 Läden in Deutschland sichern der Rewe in dieser Sparte zwar Platz zwei hinter dem unangefochtenen Marktführer Aldi, flächenbereinigt mußte der Konzern in diesem Geschäftszweig nach einem schwachen Start ins Jahr 1997 jedoch leichte Umsatzrückgänge hinnehmen.Insgesamt flossen 61,3 Mrd.DM in die Kassen der Rewe, knapp fünf Mrd.mehr als 1996.Mittlerweile erwirtschaftet die Handelsgruppe 17 Prozent ihrer Umsätze im Ausland.Den Löwenanteil mit 8,8 Mrd.DM erzielte dabei der österreichische Marktführer Billa, dessen Übernahme vor fast zwei Jahren Reischl als vollen Erfolg bezeichnet.Auch die Märkte in Osteuropa hätten die Erwartungen übertroffen, sagte Reischl.Hier seien noch Wachstumspotentiale vorhanden.Insgesamt will der Konzern im laufenden Jahr rund 1 Mrd.DM investieren.In der Non-food-Sparte muß Rewe auf einigen Märkten kämpfen.Die toom-Baumärkte sind trotz neuen Managements noch nicht wieder auf dem grünen Zweig.Auch die Reisebürokette Atlas konnte zwar ihre Umsätze um 2,1 Prozent steigern, an den Erträgen jedoch hat der Chef einiges zu mäkeln."Wir haben noch zu viele kleine unrentable Läden." Dagegen schreibt der vor drei Jahren vom Kaufhof übernommene Reiseveranstalter ITS deutlich schwarze Zahlen.Auch die grundlegende Sanierung der Unterhaltungselektronik ist laut Reischl abgeschlossen.Der Konzern hat sich von kleineren Fachgeschäften getrennt und konzentriert sich nun auf die großen ProMärkte.In der Touristik setzt Rewe auf neue Vertriebswege.Bei ITS können die Kunden ihre Reisen im Internet per Mausklick buchen.Seit letztem Oktober ist der Konzern außerdem mit Service-Informationen, Warenkunde und einer Job- und Ausbildungsbörse in dem weltweiten Datennetz präsent.Im "Kölner Weinkeller" können Kunden virtuell einkaufen.Generell jedoch erteilt Reischl dem Online-Shopping via Internet eine Absage.In absehbarer Zukunft sei damit nicht zu rechnen: "Wir sehen keinen Weg, das kostendeckend zu praktizieren." Der logistische Aufwand sei einfach zu groß.

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