Wirtschaft : Rewe will Reisen im Supermarkt verkaufen Handelskonzern sucht neue Vertriebswege für Tourismussparte

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Berlin (Tsp). Die Handelsgruppe Rewe will möglicherweise künftig Reisen in Supermarktfilialen anbieten. Falls der konkurrierende TuiKonzern Reisen über große Einzelhandelsketten anbieten werde, „dann können Sie sicher sein, dass wir nicht lange tatenlos zusehen werden“, sagte Rewe-Vorstandschef Hans Reischl bei der Vorlage der vorläufigen Zahlen für 2002 am Mittwoch in Köln.

Rewe ist der drittgrößte Handelskonzern Europas. Zum Unternehmen gehören auch Marken wie ITS, Tjaereborg, Jahn Reisen und LTU. Doch auch Rewe leidet unter der Branchenkrise: Im vergangenen Jahr sank der Umsatz in der Tourismus-Sparte um 4,4 (Vorjahr: 4,7) Milliarden Euro. Angesichts der allgemeinen Konsumflaute und der Irak-Krise ist den Deutschen die Lust aufs Reisen vergangen. Zuwächse haben nur die Billigreisen. Der Trend zum Sparen bei Reisen, der durch den Wettstreit der Billig-Airlines einen Schub bekommen hat, stürzt derzeit die gesamte Branche in die Krise. Rewe-Konkurrent Tui will der Nachfrage entgegenkommen und neue Kunden künftig auch im Discounter suchen. Der Reisekonzern verhandelt derzeit mit Aldi über den Vertrieb von Reisen. Auch der schärfste Tui-Konkurrent Thomas Cook verkauft Billigreisen unter der Marke „Paneuropa“ bereits bei der Discountkette „Plus“. Der Kaffeeröster Tchibo bietet schon länger zwei Mal im Jahr Reisen in bis zu 15 Länder an. Details zu eigenen Plänen im Reise-Direktvertrieb nannte Rewe-Chef Reischl am Mittwoch noch nicht.

Die Einbußen in der Tourismus-Sparte hat der Konzern nach eigenen Angaben durch Zuwächse im Lebensmittelgeschäft und im Auslandsgeschäft weitgehend ausgleichen können. Der Gesamtumsatz der Gruppe habe im vergangenen Jahr mit 37,4 Milliarden Euro fast den Vorjahreswert erreicht. Die Umsätze in Deutschland hätten nach dem Jahreswechsel bei Rewe deutlich angezogen, so dass die Gruppe trotz aller Risiken für das Jahr 2003 zuversichtlich sei, sagte Rewe-Chef Reischl. Er kündigte für das laufende Jahr Investitionen in Höhe von 750 Millionen Euro an. Jüngstes Projekt sei eine neue Kundenkarte, die sich von herkömmlichen Konzepten unterscheide und den Geschäftsbereich Touristik einbinden werde. Details sollen im April vorgestellt werden.

Reischl hatte bislang ein Betriebsergebnis auf Vorjahresniveau von 350 Millionen Euro in Aussicht gestellt. Die endgültigen Geschäftszahlen für das vergangenen Jahr sollen erst im Frühjahr veröffentlicht werden.

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