Wirtschaft : Rexrodt nimmt Telekom ins Visier

Bei Eröffnung der neuen Regulierungsbehörde harte Kritik an der Preispolitik des Telefonriesen

BONN (rtr/dpa/AP).Bundeswirtschaftsminister Günter Rexrodt hat die Preispolitik der Deutschen Telekom AG kritisiert.Nicht zum ersten Mal habe die Preispolitik der Telekom Verwirrung gestiftet, sagte Rexrodt in einer Rede anläßlich der Eröffnung der Regulierungsbehörde für Post und Telekommunikation am Mittwoch in Bonn. Trotz aller Irritationen werden die Kunden nach Meinung Rexrodts Hauptgewinner des seit Jahresbeginn in Deutschland herrschenden Wettbewerbs bei Telefon und Post sein.Sie könnten sich künftig den Anbieter mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis aussuchen.Im Ausland, wo die Märkte schon früher geöffnet wurden, seien die Preise um zweistellige Prozentraten gesunken.Auch in Deutschland habe es bereits Preisstürze im Mobilfunk und Verbesserungen bei der "Gelben Post" gegeben. Nach Berechnungen des Instituts der Deutschen Wirtschaft ist Deutschland keinesfalls einer der teuersten Standorte fürs Telefonieren.Bei Inlandsgesprächen nahm die Bundesrepublik schon vor der jüngsten Tarifsenkungsrunde im internationalen Vergleich einen guten Mittelplatz ein.Die neuesten Reduzierungen könnten die Position weiter verbessern, hieß es am Mittwoch.Am teuersten war das Telefonieren für Privatleute dem Vergleich zufolge in Portugal, am günstigsten in den USA. Von den bisherigen Monopolunternehmen verlangte Rexrodt, sich jetzt "nach der Decke zu strecken".Effizienz, Kostensenkung und Kundenorientierung müsse ihnen in Fleisch und Blut übergehen.Es sei jedoch ein Märchen zu glauben, daß die früheren Monopolisten zwangsläufig zu den Verlierern der Liberalisierung gehörten.Das Beispiel der USA zeige eine gegenteilige Tendenz.Nach Rexrodts Ansicht wird sich die Deregulierung über kurz oder lang auch auf dem Arbeitsmarkt auszahlen, auch wenn der Beschäftigungsabbau bei den etablierten Unternehmen kurzfristig überwiege.Mittelfristig könnten diese Verringerungen aber mehr als ausgeglichen und qualitativ anspruchsvolle neue Jobs geschaffen werden. Der Präsident der Regulierungsbehörde, Klaus-Dieter Scheurle, hat für kommenden Montag Gespräche über eventuelle Gebühren beim Wechsel von Telefonanbietern angekündigt.Er werde mit Vertretern der Deutschen Telekom und ihren Wettbewerbern zusammentreffen, sagte Scheurle.Besprochen werden solle, welche Entgelte für den Wechsel zu einem anderem Anbieter oder für die Mitnahme der alten Telefonnummer in Rechnung gestellt werden dürften, und wer diese Gebühren zu entrichten habe.Als nächster Schritt zur Regulierung des Telekom-Marktes solle ein Modell zur Errechnung der Kosten des Ortsnetzes erstellt werden.Die Berechnungsmethoden sollen dabei unter allen interessierten Betreibern öffentlich diskutiert werden. Des weiteren habe die Behörde im Mobilfunk über die Vergabe der noch verfügbaren Frequenzen im 1800-Megahertz-Band zu entscheiden, sagte Scheurle.Auch für das künftige "Universal Mobile Telekommunication System" (UMST) stünden erste Weichenstellungen an.Hier werde eine enge Koordination mit den französischen und britischen Regulierern angestrebt. Auch im Postbereich wird sich die Behörde dem Präsidenten zufolge um eine zügige Bearbeitung der Lizenzanträge bemühen.Nach der späten Verabschiedung des Postgesetzes solle dennoch möglichst schnell ein funktionsfähiger Wettbewerb hergestellt werden, sagte Scheurle.

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