Wirtschaft : Rexrodt sieht Nachholbedarf für den Service-Export

BERLIN (ssg).Beim Export von Dienstleistungen bleibt die deutsche Wirtschaft noch weit hinter ihren Möglichkeiten zurück.Darin waren sich die Referenten des 2.Forums "Dienstleistungen im internationalen Wettbewerb" in Berlin weitgehend einig.Mit einem Exportanteil von 13,4 Prozent liegt Deutschland bei den Dienstleistungen im internationalen Vergleich deutlich zurück.In den USA und Frankreich ist die Quote doppelt so hoch.Dabei biete der Dienstleistungsexport "gewaltige Marktchancen": Der Handel mit Dienstleistungen wachse weltweit mit rund 8,7 Prozent jährlich doppelt so schnell wie der Handel mit Waren, sagte Wirtschaftsminister Günter Rexrodt.Wachstumsmärkte seien Mittel- und Osteuropa sowie Lateinamerika und Asien.

Durch weitgehende Privatisierung und Liberalisierung sei "die öffentlich-rechtliche Schläfrigkeit überwunden" worden, die das Auslandsengagement der Wirtschaft gelähmt habe, sagte Rexrodt.Die Rahmenbedingungen stimmten jetzt.Auf europäischer Ebene sei die Liberalisierung der Telekommunikation und Finanzdienstleistungen ein Durchbruch auf dem Weg zur Globalisierung, sagte Leon Brittan, Vizepräsident der Europäischen Kommission.Den europäischen Telekommunikationsunternehmen stünden nun, gemessen am Umsatz, 90 Prozent des Marktes offen.In anderen Branchen müßte die Liberalisierung ebenfalls noch weiter vorangetrieben werden."Ich erwarte, daß die großen Gewinne der Liberalisierung in Branchen gemacht werden, die uns alle überraschen", sagte Leon Brittan.Er nannte als mögliche Felder den Energiesektor, den Umweltschutz oder Post- und Kurierdienste.

Die Branchen, in denen die Deutschen gute Chancen hätten, seien Telekommunikation, Energie, Verkehrssysteme, Sicherheitssyteme und Umweltschutz, sagte Rexrodt.Hier böten die Anbieter im eigenen Land Spitzenleistungen, die auch international Abnehmer finden könnten.Dabei sei es wichtig, den Export von Industriegütern an den von Dienstleistungen zu koppeln."Es ist die intelligente Kombination von Industrie und Dienstleistung, der die Zukunft gehört", sagte Klaus Mangold, Vorstands-Chef der Debis AG.Die Debis will in diesem Jahr mehr als die Hälfte des geplanten Umsatzes von 17 Mrd.DM auf Auslandsmärkten erzielen."Industriegüter ohne Serviceanteil sind nicht mehr wettbewerbsfähig." Dennoch sieht Mangold hier den größten Nachholbedarf."Wir haben das Know-how, aber die Schwierigkeit ist, alles zu einem System zusammenzufassen." Die Kombination von Service und Dienstleistung könne in Betreibermodellen und Kooperationen verwirklicht werden."Das ist in jedem Fall besser als mittelständisches Einzelkämpfertum", sagte Rexrodt.Hier sieht er auch die Chance für Neugründungen: "Erfolgsstories sind kein Privileg von Großunternehmen." Gebraucht würden innovative Entwickler, die mit guten Ideen auf die Weltmärkte gehen.Erfreulich sei, daß neun von zehn Existenzgründern Dienstleistunger seien.

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