Rezessionsangst : Weniger Arbeit in der Autoindustrie

Längere Weihnachtspausen sind auch in Berlin und Brandenburg geplant. Der Zulieferer Visteon baut dagegen Stellen ab. Auch andere Unternehmen sind betroffen.

Alfons Frese

Berlin – Wegen der Krise der Autoindustrie müssen sich in Berlin rund 15 000 Arbeitnehmer auf kürzere Arbeitszeiten und weniger Geld einstellen, einige hundert verlieren auch ihren Arbeitsplatz. Derzeit wird in vielen Firmen an Modellen gearbeitet, um die Krisenmonate ohne Kündigungen zu überstehen. Nach dem Abbau von Leiharbeit und befristeten Arbeitsverhältnissen sowie dem Herunterfahren der Arbeitszeitkonten sind weitere Schritte fällig. Dazu zählt bei Daimler eine Weihnachtspause vom 15. Dezember bis zum 11. Januar. Auch im Spandauer BMW-Werk, wo rund 200 Beschäftigte Bremsscheiben für Autos produzieren, gibt es im Dezember und Januar Unterbrechungen. Beim Getriebehersteller ZF in Waidmanslust (500 Mitarbeiter) und Pierburg in Wedding (rund 300 Beschäftigte bauen Vergaserteile) wird derzeit über die Art der Kürzungen verhandelt. Alles in allem, so sagt Klaus Abel von der Berliner IG Metall, „reagieren die Firmen nicht panisch und wollen keine Leute rauswerfen“.

Zu den 14 deutschen Daimler-Standorten gehört das Motorenwerk in Berlin- Marienfelde mit gut 3000 Beschäftigten. Das Werk steht auch deshalb vor schwierigen Zeiten, weil der dort gefertigte Sechszylinder-Motor nicht mehr gut läuft. Der deutlich kleinere und deshalb inzwischen stärker gefragte Antrieb für den Smart, der früher aus Marienfelde kam, wird inzwischen im thüringischen Kölleda gebaut. Im brandenburgischen Ludwigsfelde, wo 2650 Personen Mercedes- Transporter bauen, gibt es auch längere Betriebsferien. Ferner werden die Arbeitszeitkonten abgebaut.

Am Mittwoch verhandelten in Stuttgart der Daimler-Betriebsrat mit der Konzerführung über weitere Schritte der Arbeitszeitverkürzung. Der Betriebsrat plädiert für Kurzarbeit, das Unternehmen möchte lieber den sogenannten Beschäftigungssicherungstarifvertrag anwenden. Danach kann nämlich die Arbeitszeit auf bis zu 30 Wochenstunden gesenkt werden, der Lohn fällt entsprechend. Nach Berechnungen des Betriebsrats bedeutet das Einbußen von mehr zehn Prozent. Bei der Anwendung der Kurzarbeit und einer Aufstockung durch das Unternehmen könnten die Daimler-Beschäftigten dagegen noch mit bis zu 97 Prozent des letzten Nettos durch die Krise kommen.

Die Berliner Betriebe setzen stark auf Kurzarbeit. Nach Kenntnis der IG Metall bewilligen die Arbeitsagenturen das Instrument sehr großzügig. Die Bundesregierung hatte vor einigen Wochen beschlossen, den Zeitraum für den Einsatz von Kurzarbeit von zwölf auf 18 Monate zu erhöhen. „Eine deutliche Zunahme der Arbeitslosigkeit vor der Bundestagswahl soll unbedingt verhindert werden“, sagt Gewerkschafter Abel.

Den Beschäftigten der früheren Ford-Tochter Visteon in Zehlendorf hilft das nicht. 250 der 550 Arbeitsplätze werden abgebaut, und die verbleibende Belegschaft muss statt 35 künftig 38,5 Stunden arbeiten. In der Fabrik werden Kunststoffteile, etwa Armaturenbretter gefertigt. Vor drei Jahren hatten die Beschäftigten mit Lohnverzicht den Standort gerettet. Diese Vereinbarung läuft nun aus und wird durch eine andere ersetzt, die zumindest den verbleibenden Beschäftigten die Arbeit bis 2010 sichert .

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