Wirtschaft : Rheinmetall ist für Fusionen offen

Familie Röchling macht durch den Verkauf ihrer Aktien den Weg für Neuordnung der Heerestechnik frei

Dieter Fockenbrock

Berlin - Die Industriellenfamilie Röchling ist nach 50 Jahren bei Rheinmetall ausgestiegen. Damit ist nach Einschätzung von Experten auch der Weg frei für eine Neuordnung der Rüstungsindustrie. Nach Unternehmensangaben haben 75 institutionelle Investoren aus dem In- und Ausland das Röchling-Paket übernommen, das 42,1 Prozent der Stimmrechte bei Rheinmetall ausmachte. Röchling soll dafür 560 Millionen Euro kassiert haben. Keiner der Käufer habe dominierende Aktienposten aufgebaut, hieß es weiter. Deshalb bestehe keine Gefahr, dass der Rüstungsbetrieb in ausländische Hände falle. Rheinmetall produziert Munition sowie leichte Panzer und Geschütze für den Kampfpanzer Leopard II.

Um den Einstieg eines Auslandsinvestors hatte es zuletzt immer wieder Spekulationen gegeben. Die Bundesregierung machte erneut deutlich, dass sie einem Verkauf an einen Auslandsinvestor nicht zugestimmt hätte. Seit dem August ist das Außenwirtschaftsgesetz so geändert, dass die Bundesregierung Verkäufen von mehr als 25 Prozent der Aktien sicherheitsrelevanter deutscher Unternehmen an Ausländer ablehnen kann. Diese Regelung war unter anderem eingeführt worden, nachdem eine US-Finanzgesellschaft die Kieler U-Boot-Werft HDW gekauft hatte. Es gab Befürchtungen, die Käufer hätten es nur auf die Technologie abgesehen. Inzwischen gehört HDW zu Thyssen-Krupp.

Röchling kündigte vergangene Woche überraschend an, seine Rheinmetall-Beteiligung verkaufen zu wollen. Dies führte zunächst zu einem Kursrückgang bei den im Nebenwerteindex MDax notierten Rheinmetall-Aktien. Händler stuften die Chance auf eine mögliche Übernahme Rheinmetalls durch einen ausländischen Rüstungskonzern als gering ein. Am Montag kletterten die Vorzugsaktien um 2,16 Prozent auf 37,90 Euro,die Stammaktien stiegen sogar um 2,94 Prozent auf 38,50 Euro.

Rheinmetall-Chef Klaus Eberhardt zeigte sich am Wochenende aufgeschlossen gegenüber Zusammenschlüssen in der deutschen Rüstungsbranche. „Wir verschließen uns einer Konsolidierung in der Heerestechnik nicht“, sagte er der „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“. „Im Gegenteil, wir sagen klar: Nur mit einer starken Position sind wir im europäischen Umfeld gut gerüstet.“ Rheinmetall könnte mit dem Wettbewerber Krauss-Maffei Wegmann oder der Nürnberger Diehl-Gruppe fusionieren. Beide Gesellschaften werden jedoch von Familienaktionären dominiert. Bei Krauss-Maffei, mit dem Rheinmetall den neuen Schützenpanzer Puma entwickelt, ist Siemens Gesellschafter.

Bei Rheinmetall dürfte nach dem Röchling-Ausstieg die luxemburgische Versicherung Lombard größter Eigner sein. Diese hatte vor kurzem mitgeteilt, sie halte 14,7 Prozent am Stammkapital des Rüstungskonzerns. Der Versicherer hatte sich aber nicht dazu äußern wollen, ob er weiter zukaufen will und ob er im Auftrag eines Kunden gekauft habe.

Kerngeschäft bei Rheinmetall ist neben der Rüstung die Autozulieferung (Kolbenschmidt-Pierburg). Vom Elektronikgeschäft sowie von der Maschinenbautochter Jagenberg hat sich der Konzern getrennt.

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