Wirtschaft : Rheinmetall steht zum Verkauf

Familie Röchling steigt aus, Verteidigungsexperte sieht aber keine Gefahr für eine feindliche Übernahme

Dieter Fockenbrock

Berlin - Rheinmetall, eines der führenden Wehrtechnikunternehmen in Deutschland, verliert seinen Großaktionär. Die Familie Röchling zieht sich aus dem Düsseldorfer Rüstungs- und Automobilzulieferkonzern zurück und will ihre Aktien breit streuen. Noch im August hatte es Spekulationen über den Einstieg eines US-Fonds gegeben. Erst vor drei Jahren sorgte der amerikanische Investor Guy Wyser-Pratte für Aufregung, weil er Aktien des Rüstungsunternehmens heimlich aufgekauft hatte.

Die Bundesregierung wollte die überraschende Ankündigung der Röchling-Gruppe am Mittwoch nicht weiter kommentieren. „Es muss erst eine unternehmerische Entscheidung gefällt werden, und die werden wir uns dann anschauen“, sagte eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums. Der Wirtschaftsminister kann seit August dieses Jahres den Verkauf von mehr als 25 Prozent einer deutschen Rüstungsfirma an ausländische Investoren stoppen, wenn die sicherheitspolitischen Interessen des Landes gefährdet sind. Diese Gefahr sieht der SPD-Verteidigungspolitiker Rainer Arnold nicht. Dem Tagesspiegel sagte Arnold, „ein „Familienunternehmen als Großaktionär kann die notwendige Neuordnung der Wehrindustrie in Europa auch verhindern“. Deshalb sei es gut, wenn Röchling aussteige und die Aktien bei Anlegern in Europa breit gestreut würden. Das verhindere eher die Gefahr einer feindlichen Übernahme Rheinmetalls. Denn nachdem US-Investoren bei dem Kieler U-Boot-Bauer HDW eingestiegen waren, gab es immer wieder Spekulationen um das große Interesse der Amerikaner an deutschen Rüstungsfirmen.

Nach Angaben von Röchling sollen in den nächsten drei Börsenhandelstagen die bislang gehaltenen 73,7 Prozent stimmberechtigter Stammaktien und 10,48 Prozent Vorzugsaktien ohne Stimmrechte an institutionelle Investoren verkauft werden. Damit kontrolliert Röchling bislang 42 Prozent des Rheinmetall-Gesamtkapitals in Aktien.

Rheinmetall stellt unter anderem wichtige Teile des Panzers Leopard II her, ist federführend beim Bau des neuen Schützenpanzers Puma und produziert Munition sowie elektronische Bauelemente, die für Ortung und Navigation gebraucht werden. Rheinmetall selbst sieht sich als das führende Unternehmen Europas in der Heerestechnik. Konkurrent in Deutschland sind noch das Gemeinschaftsunternehmen Krauss-Maffei-Wegmann sowie IWKA. Die Rheinmetall-Gruppe erwirtschaftete im vergangenen Jahr mit konzernweit knapp 20 900 Mitarbeitern einen Umsatz von 4,25 Milliarden Euro. Dazu trug auch die Beteiligung an dem Automobilzulieferer Kolbenschmidt-Pierburg bei.

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