Rheuma : Revolution in Dahlewitz

Das Brandenburger Unternehmen Medipan ist Vorreiter. Mit dem System Aklides hat das Unternehmen die Rheumadiagnostik revolutioniert.

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Zufrieden. Medipan-Chef Reinhold Hartwig ist für den Innovationspreis Berlin-Brandenburg nominiert.
Zufrieden. Medipan-Chef Reinhold Hartwig ist für den Innovationspreis Berlin-Brandenburg nominiert.Foto: Matern

Dahlewitz - Der Durchbruch für Aklides kam 2009 in den USA – auf dem weltweit größten Kongress für Rheumatologie in Philadelphia, Pennsylvania. Seitdem hat die Medipan GmbH aus Dahlewitz (Teltow-Fläming) ihr System zur automatisierten Diagnostik für Rheumaerkrankungen bereits 25 Mal in alle Welt verkauft. „Nach Israel, Italien, in die USA und Spanien“, berichtet Reinhold Hartwig, Mitbegründer und einer von zwei Geschäftsführern. Für ihre Erfindung erhielt die Firma bereits in diesem Jahr auf der Cebit den Innovationspreis IT in der Kategorie „Landessieger Brandenburg“. Vor kurzem räumten Hartwig und sein Team mit der Schwesterfirma GA Generic Assays GmbH zudem den Unternehmerpreis der Industrie- und Handelskammer Potsdam in der Kategorie „Innovation“ ab. Für den Innovationspreis Berlin-Brandenburg, der am kommenden Freitag vergeben wird, ist Medipan ebenfalls nominiert.

Mit dem System Aklides, ein weißer Kasten von der Größe eines altmodischen Kopierers, aber vollgepackt mit mehreren Hard- und Softwarekomponenten, hat das brandenburgische Unternehmen die Rheumadiagnostik revolutioniert. Wo früher Laborexperten in Dunkelkammern unter dem Mikroskop in Akkordarbeit Blutproben analysieren mussten, unterscheidet Aklides innerhalb von nur 45 Sekunden zwischen positiven und negativen Proben und schlägt eine Diagnose vor. „Die Proben auf dem Trägerglas werden oben auf dem Gerät in den Scanner eingelegt und analysiert“, erläutert Geschäftsführer Hartwig. Auf einem angeschlossenen Bildschirm erscheinen umgehend die markierten Blutzellen.

Für große Labore bedeutet das eine große Zeit- und Kostenersparnis, Ärzten gewährleistet es mehr Sicherheit bei der Diagnose. „In den vergangenen Jahren ist der Druck auf große Labore durch eine steigende Zahl von eingesendeten Proben deutlich gestiegen“, berichtet Reinhold Hartwig. Bis zu 100 Proben am Tag pro Experte seien keine Seltenheit. Zudem sei eine solche „manuelle Diagnostik“ immer subjektiv. Vor zwei Jahren stellten US-Labore deshalb die Analyse auf automatisierbare andere Verfahren um, allerdings mit schlimmen Folgen: Zunehmend klagten Ärzte über falsche Ergebnisse, eine Task Force wurde gegründet, doch die Fehlerquelle konnte nicht abgestellt werden.

Auf dem Kongress in Philadelphia, auf dem auch Medipan seine Entwicklung präsentierte, war das Problem ein zentrales Thema. „Der Vorsitzende der Task Force sagte in seiner Rede: ,Schaut mal in der Ausstellungshalle, da ist eine kleine Firma aus Deutschland, die hat die Analyse zellbasierter Immunfluoreszenzteste automatisiert’“, erinnert sich Hartwig mit Genugtuung. „Drei Wochen danach war ein Vertragsabschluss mit einer großen amerikanischen Firma über die weltweite Vermarktung perfekt.“

Aklides ist ein Beispiel für die Innovationskraft der Hauptstadtregion. „Aklides ist das Ergebnis exzellenter Netzwerkarbeit“, meint Hartwig. Die Technik entstand in Zusammenarbeit mit der Hochschule Lausitz in Senftenberg und Firmen in Berlin und Brandenburg. Die medizinische Komponente wurde auch mit der Berliner Charité entwickelt, die Aklides seit mehr als einem Jahr einsetzt.

Derzeit beschäftigten Medipan und Generic Assays 35 Mitarbeiter. Gegründet wurde die GmbH mit acht Mitarbeitern 1992 in Selchow (Dahme-Spreewald). 2005 zog die Firma in größere Räumlichkeiten nach Dahlewitz um. Künftig wird es wohl wieder eng. Das Unternehmen will nicht nur Aklides weiterentwickeln, sondern hat weitere erfolgversprechende Produkte am Markt.

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