Wirtschaft : Richard Roy im Gespräch: "Software kommt jetzt aus der Steckdose"

Herr Roy[die Millen],Ihr neues Produkt Windows Me[die Millen]

Herr Roy, Ihr neues Produkt Windows Me, die Millenium Edition, ist eine Fortentwicklung der Betriebssysteme Windows 95 und Windows 98. Wann kommt wieder etwas wirklich Neues aus dem Hause Microsoft?

Windows Me ist eine sehr konsequente Fortentwicklung in Richtung multimedialer Fähigkeiten und gleichzeitig mehr auf den Heimanwender zugeschnitten. Ich empfinde überhaupt nichts Schlechtes daran, wenn man über ein Produkt von uns sagt, dass es eine Weiterentwicklung in die Richtung ist, die der Markt von uns erwartet. Der Markt erwartet von Microsoft mit Sicherheit nicht, dass wir alle zwei Jahre einen Bruch bei den Betriebssystemen haben und der Kunde gezwungen wird, komplett von vorne anzufangen.

Was können die Kunden von Microsoft.Net erwarten?

Mit Microsoft.Net stellen wir uns auf die Veränderung des Marktes ein. Heute ist der Personalcomputer im wesentlichen das Zugangsgerät zum Internet. In Zukunft werden wir viele verschiedene Endgeräte nutzen, um im Internet zu surfen, Informationen abzurufen und Geschäfte abzuwickeln. Das kann die Spielekonsole sein, die Set-Top-Box für das Fernsehgerät, intelligente Telefone oder auch Pocket-PCs. Und es wird eine zusätzliche Veränderung geben: Software wird mehr und mehr als ein Service über das Internet angeboten. Die Software kommt dann quasi aus der Steckdose. Das heißt, der Kunde wird sie nicht mehr kaufen und auf seinem PC installieren, sondern sich Software gegen einen monatlichen Beitrag über das Netz liefern lassen.

Das sind ganz neue Distributionswege, die auch Microsoft erst noch lernen muss...

Wir werden für die Vermarktung der Produkte neue Partner finden. Das können Application Service Provider sein, Dienstleister im Internet, die die Software als einen Service eventuell in Kombination mit Telekommunikationsdiensten anbieten. Wir werden in bestimmten Segmenten auch selbst als Application Service Provider auftreten. Ein Beispiel: Telekommunikation ist nicht unser Kerngeschäft. Aber wenn die Betreiber der künftigen UMTS-Mobilfunknetze einen Mailservice anbieten wollen, dann werden wir dafür eine Softwareplattform zur Verfügung stellen.

Wie erfolgreich ist Microsoft im Vertrieb von Software über das Netz?

Das ist noch kein substanzielles Geschäft - ich glaube für kein Unternehmen. Heute dauert es einfach zu lange, sich Software aus dem Netz herunter zu laden. Es hängt also davon ab, wie sich die Telekommunikationsinfrastruktur weiterentwickelt. UMTS wird sich zum Beispiel nur dann für die Anbieter rechnen, wenn sie viel Datenverkehr in ihre Netze bringen. Erst wenn die breitbandige Kommunikation zur Verfügung steht, können bestimmte Leistungen über das Internet angeboten werden.

Wie werden künftig die Geschäftsfelder von Microsoft aussehen?

Wir werden nach wie vor über viele Jahre hinweg unser Geschäft mit den Produkten betreiben, wie wir sie heute haben. Diese Produkte werden sich evolutionär weiterentwickeln. Dann werden wir unser Online-Geschäft sehr viel stärker ausbauen und zwar in zwei klare Richtungen. Für den Konsumenten wird das Portal MSN vom heutigen Informationsportal zu einem umfangreichen Serviceportal entwickelt. Auf der anderen Seite wird es B-Central geben, ein Portal, auf dem kleine und mittelständische Unternehmen ihren eigenen Internetauftritt relativ leicht realisieren und eigenen E-Commerce betreiben können.

Wann wird B-Central starten?

B-Central ist bereits als Dienstleistung für kleine Unternehmen in den USA etabliert. Wir werden das Portal stufenweise in den anderen großen Ländern einführen, Deutschland wird in der nächsten Stufe dabei sein - sobald wir die notwendigen Partner und Inhalte gefunden haben. Das wird innerhalb der kommenden zwölf Monate der Fall sein.

Um attraktive Inhalte im Netz anbieten zu können, schließt sich der Onlinedienst AOL gerade mit Time Warner zusammen. Wird sich Microsoft auch mit einem Medienhaus verbinden?

Wir glauben, dass die Verbindung von Zugang und exklusiven Inhalten im Internet relativ geringe Chancen hat. Wir gehen einen anderen Weg. Wir kaufen attraktive Inhalte zu oder entwickeln sie zusammen mit Partnern. Wir betrachten unseren Weg als zukunftsträchtiger, als ein Konglomerat aus Internetportal, Inhalteproduzent und Zugangsanbieter.

In den USA hat der Oberste Gerichtshof das Kartellverfahren gegen Microsoft gerade an das Berufungsgericht verwiesen. Wie geht es jetzt weiter?

Das Berufungsgericht hat deutlich gemacht, dass es ein großes Interesse daran hat, diesen Fall zu behandeln. Es geht über das normale Maß von drei Richtern hinaus und hat frühzeitig signalisiert, dass man mit sieben Richtern den Prozess begleiten wird und dass man dafür Sorgen wird, möglichst schnell mit dem Verfahren zu beginnen. Wir haben natürlich ein großes Interesse daran, dass der Prozess möglichst zügig abgeschlossen wird.

Wenn Sie ein schnelles Ende des Prozesses wünschen, warum waren Sie dann dagegen, dass sich der Oberste Gerichtshof als nächste Instanz endgültig mit dem Fall beschäftigt?

Das entscheidende ist, dass im Berufungsprozess das Verfahren noch einmal im Ganzen aufgerollt wird - mit allen Zeugenaussagen, mit allen Vorwürfen, die erhoben wurden, und mit allen Möglichkeiten, auch auf die Verfahrensfehler einzugehen, die in der ersten Instanz gemacht wurden. Vor dem Obersten Gerichtshof hätte nur ein sehr verkürztes Verfahren stattfinden können, bei dem wir nicht mehr neu über alles hätten diskutieren können. Insofern waren wir über die Entscheidung froh.

Alle Microsoftprodukte werden in den USA entwickelt. Kommen da die Bedürfnisse deutscher Kunden nicht zu kurz?

Wir haben für die meisten größeren Produktkategorien Mitarbeiter in Deutschland sitzen, die direkt in unsere Produktgruppen in die USA berichten. Wir nennen sie Produktmarketiers, deren Aufgabe es ist, den spezifischen Bedarf der deutschen Kunden zu analysieren. Die Länderberichte werden in den USA in der Entwicklung zusammengefasst, wobei Deutschland als zweitwichtigster Auslandsmarkt nach Japan eine hohe Priorität hat. Es ist nicht unser Ziel, landesspezifische Produkte zu entwickeln.

Wieviel Umsatz macht Microsoft denn in Deutschland

Der Umsatz in Deutschland ist hervorragend. Mehr kann ich Ihnen nicht verraten.

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