Wirtschaft : Richtig Telefonieren mit dem Handy

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60 Millionen Handys gibt es in Deutschland, auf den Dächern häufen sich die Sendemasten, und kaum jemand verzichtet heute noch auf die mobile Technik. Doch zugleich wächst auch das Unbehagen. Ist das Telefonieren mit dem Handy wirklich ungefährlich, oder sollte man nicht doch besser aus seiner Wohnung ausziehen, wenn auf dem Dach eine Basisstation für den Mobilfunk aufgestellt wird? "Macht Mobilfunk krank?" fragten unsere Leser die Experten bei unserer Telefonaktion Mobilfunk. Was Siegfried Eggert von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesumweltministerium, Simone Probst, Ralf Schmidt vom Bundesverband Die Verbraucherinitiative und Fritz Lauer, Leiter der Abteilung Umwelttechnik bei T-Mobile, geantwortet haben, können Sie auf dieser Seite lesen.

Sind die Handy-Strahlen gefährlich?

Wissenschaftlich gibt es für diese Sorge keine Belege. Obwohl inzwischen Tausende von Studien angefertigt worden sind, haben wir bislang keine verlässlichen Hinweise darauf, dass die Handy-Strahlung zu Gesundheitsschäden führt. Allerdings existiert noch keine verlässliche Langzeitstudie. Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat eine Untersuchung in Auftrag gegeben, die zumindest einen Drei-Jahres-Zeitraum abdeckt. Die Studie wird im nächsten Jahr vorgestellt. Auch in Deutschland fließen beträchtliche Mittel in die Forschung. Die Industrie und das Bundesumweltministerium haben vereinbart, dass bis zum Jahr 2005 jede Seite 8,5 Millionen Euro in die Forschung steckt. Hinzu kommen noch weitere Mittel aus dem Wirtschafts- und dem Forschungsministerium. Darüber hinaus haben sich die Netzbetreiber verpflichtet, weitere 1,5 Millionen Euro in Messstellen zu investieren, die die Strahlung im Umfeld von Mobilfunk-Masten messen. Allerdings ist die Diskussion, wie und wo man solche Messungen macht, noch nicht abgeschlossen.

Sind neue Handys weniger riskant als alte Geräte?

Nein. Tatsächlich ist die Strahlung bei neuen Geräten oft höher als bei alten Modellen. Die technische Entwicklung der vergangenen Jahre zielte nämlich vor allem darauf ab, die Geräte leistungsfähiger und leichter zu machen. Daher ist die Strahlungsintensität der neuen Handys oft höher als bei alten Modellen. Dennoch gibt es auch bei den aktuellen Telefonen Unterschiede. Wer sich über die Strahlungswerte informieren möchte, kann im Internet unter www.Handywerte.de nachschauen.

Kann ich meinem Kind guten Gewissens ein Handy geben?

Handys können den Alltag erleichtern. Viele Eltern sind beruhigt, wenn sie wissen, dass sie ihre Kinder jederzeit erreichen können. Bleibt die Frage, ob die Handy-Strahlung den Kleinen schadet. Das ist wissenschaftlich bislang nicht erwiesen. Allerdings glaubt die Verbraucher-Initiative, dass Kinder auf die Strahlung möglicherweise empfindlicher reagieren. Das liegt unter anderem daran, dass der Abstand zwischen Ohr und Gehirn kürzer ist. Wenn Sie Ihrem Kind ein Handy kaufen, sollten Sie aber ein strahlungsarmes Gerät auswählen.

Wann wird es endlich das Öko-Label für Handys geben?

Die Bundesregierung verhandelt mit den Anbietern über die Kriterien für ein solches Etikett. Das Öko-Label soll besonders strahlungsarme Geräte kennzeichnen. Noch ist man sich aber nicht über die Kriterien einig. Sollten die Verhandlungen in absehbarer Zeit nicht zum Erfolg führen, plant das Bundesumweltministerium, auf bereits vorhandene Mittel zurückzugreifen - etwa den Blauen Engel.

Strahlt mein Handy auch, wenn ich nicht telefoniere?

Wenn Sie das Gerät eingeschaltet mit sich herumtragen, aber nicht telefonieren, ist das völlig unproblematisch. Ihr Handy sendet nämlich nur jede halbe Stunde einmal einen kurzen Impuls an die Basisstation und rührt sich darüber hinaus nicht. Erst wenn Sie angerufen werden oder selber telefonieren, steigt die Sendeleistung kräftig an.

Welche Regeln sollte ich beim Telefonieren mit dem Handy beachten?

Um die Strahlenbelastung zu senken, sollten Sie sich möglichst kurz fassen. Beim Zuhören sendet das Mobiltelefon mit geringerer Leistung als beim Sprechen. Bei längeren Gesprächen sollten Sie das Handy zum anderen Ohr wechseln. Während des Verbindungsaufbaus ist es darüber hinaus sinnvoll, das Gerät noch gar nicht ans Ohr zu halten. Denn zu diesem Zeitpunkt sendet Ihr Telefon mit voller Leistung. Telefonieren Sie am besten im Freien und nicht in fensterlosen Räumen, also nicht im Aufzug oder Keller. Denn je schlechter der Empfang, desto stärker sendet das Handy. Im Auto ist es ratsam, über Außenantenne oder Freisprecheinrichtung zu telefonieren, da auch hier das Handy mit hoher Sendeleistung arbeitet, um die abschirmende Wirkung der Karosserie zu überwinden. Vieltelefonierer können eine portable Freisprecheinrichtung nutzen, um die Strahlung am Kopf zu verringern. Wer einen Herzschrittmacher trägt, sollte besondere Vorsicht walten lassen und ein Mobiltelefon nie eingeschaltet in der Brusttasche lassen.

Wie gefährlich ist mein schnurloses Telefon zu Hause?

Die Intensität der Strahlung von der Mobilfunk-Antenne auf dem Nachbardach, die Sie in Ihrer Wohnung erreicht, ist in jedem Fall niedriger als die von Ihrem Mobiltelefon am Kopf.

Wie riskant sind die Mobilfunk-Basisstationen, die auf den Dächern montiert sind?

Viele Menschen fürchten, dass die Hochfrequenzstrahlung dieser Antennen sie krank macht. Dabei wird die Belastung durch die Anlagen jedoch immer überschätzt. Die Strahlung, die auftritt, wenn Sie mit Ihrem Handy telefonieren, ist deutlich höher als die Belastung durch die Antenne. Allerdings strahlt die Basisstation dafür dauerhaft. Wie hoch die Belastung im Einzelfall ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Dazu zählt die Sendeleistung der Antenne, die Senderichtung und die Umgebung, die die Strahlung reflektieren kann. Wie stark eine bestimmte Anlage ist, können Sie bei der Regulierungsbehörde für Post und Telekommunikation erfragen. Im übrigen sind die Einwohner einer Großstadt wie Berlin seit rund 30 Jahren der Strahlung leistungsstarker Fernsehsender ausgesetzt, ohne dass irgendwelche Gesundheitsschäden im Zusammenhang damit festgestellt worden sind. Die Hochfrequenzstrahlung von Fernseh-Bildsendern ist hinsichtlich der Signalcharakteristik und damit möglicher biologischer Wirkungen durchaus mit der von Mobilfunk-Basisstationen vergleichbar, wobei die Feldstärke der Fernsehsender in sehr vielen Fällen höher ist als die der Mobilfunk-Basisstationen.

Auf dem Dach über meiner Wohnung steht eine Mobilfunk-Antenne. Sollte ich nicht besser ausziehen?

Nein. Grundsätzlich gilt: Es gibt keinen Ort im Umkreis einer Mobilfunk-Basisstation, der weniger bestrahlt wird als der Raum direkt darunter. Das liegt daran, dass die Stationen nahezu waagerecht, circa sieben Grad abgesenkt, in die Ferne strahlen. Die Wohnung unter der Antenne bekommt praktisch keine Strahlung ab.

Ich wohne hundert Meter von einer Mobilfunk-Antenne entfernt. Wie stark ist die Strahlung?

Das hängt davon ab, wie leistungsstark die Anlage ist und ob sie in Ihre Richtung strahlt oder nicht. Grundsätzlich gilt aber: Je weiter entfernt Sie sind, desto geringer ist die Strahlung. Ein Abstand von 100 Metern kann die Stärke der Strahlung in der Hauptstrahlrichtung schon auf ein Hundertstel reduzieren.

Wie kann ich herausfinden, wie stark die Strahlung in meiner Wohnung ist?

Sie können die Strahlung messen lassen. Dazu können Sie die Regulierungsbehörde beauftragen, den TÜV oder ein Ingenieurbüro. Allerdings müssen Sie mit Kosten von mehreren Hundert Euro rechnen. Die Regulierungsbehörde führt die Untersuchungen ausnahmsweise kostenlos durch, wenn es in Ihrer Wohnung elektro-technische Störungen gibt.

Kann ich ein x-beliebiges Messbüro beauftragen?

Die Messungen sind sehr aufwändig und kompliziert und verlangen ein sehr hohes Maß an Sachverstand. Empfehlungen, an welche Stellen Sie sich wenden können, geben die Regulierungsbehörde und gelegentlich auch die Verbraucherberatungsstellen.

Kann ich verhindern, dass eine Mobilfunk-Antenne auf dem Kindergarten meines Sohnes errichtet wird?

Ob und wo eine Basisstation gebaut wird, hängt vom Eigentümer der Immobilie ab. Bei staatlichen Schulen oder Kindergärten kann natürlich die öffentliche Hand selbst entscheiden, ob sie eine solche Anlage will oder nicht. Grundsätzlich gilt: Es gibt eine Selbstverpflichtung, die die Netzbetreiber mit den kommunalen Spitzenverbänden geschlossen haben. Darin verspricht die Industrie, die Kommunen regelmäßig über den Stand der Antennen-Planung zu informieren und ihnen die Möglichkeit zu geben, innerhalb von zwei Monaten Alternativvorschläge zu machen, wenn sie mit einer geplanten Basisstation nicht einverstanden sind. Was Antennen auf Schulen und Kindergärten betrifft, haben die Netzbetreiber eine weitere Selbstverpflichtung gegenüber der Regierung abgegeben: Geplante Stationen in der Nähe von Kindergärten und Schulen sollen sorgfältig geprüft werden, und es sollen nach Möglichkeit Alternativstandorte gefunden werden.

Geht das auch in Berlin?

Leider nicht. Um ein flächendeckendes Mobilfunknetz zu installieren, müssen die Antennen im Abstand von 400 bis 500 Metern aufgebaut werden. Kindergärten und Schulen befinden sich in Berlin aber in einem ähnlichen Abstand. Daher lässt es sich nicht vermeiden, in ihrer Nähe Basisstationen zu errichten. Die Verbraucher-Initiative findet jedoch, dass es besser wäre, bestehende Standorte zu bündeln und statt einer mehrere Antennen auf ein Dach zu setzen. Zwar wäre die Strahlung dort größer, es wären aber insgesamt weniger Menschen betroffen.

Fragen und Antworten wurden bearbeitet von Heike Jahberg.

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