Wirtschaft : Ricke war Zumwinkel zu langsam

Der Aufsichtsratschef ist ein erfahrener Manager

Alfons Frese

Berlin - Es werden wohl die Zahlen gewesen sein, die ihm nicht gepasst haben. Denn Klaus Zumwinkel hat es gerne konkret. Als Analytiker und Rationalist orientiert er sich an Fakten. Damit konnte der Vorstandsvorsitzende Kai-Uwe Ricke am Ende seinen Aufsichtsratsvorsitzenden nicht mehr überzeugen und verlor – bildlich gesprochen – seinen Kopf. Dabei ist der Mann vom Niederrhein niemand, „der mit der fahrbaren Guillotine rumfährt“, wie ein langjähriger Zumwinkel-Beobachter sagt. Soll heißen: Er hat durchaus Geduld und kann warten, bis die Zeit reif ist. Das sollte nicht verwechselt werden mit Durchsetzungsschwäche. So mancher hat den gemütlichen Manager, der immer korrekt und verbindlich im blauen Anzug auftritt, erst unterschätzt und dann schätzen gelernt. „Zumwinkel ist einer der besten deutschen Manager“, hat Kurt van Haaren einmal gesagt, der frühere Chef der Postgewerkschaft.

Klaus Zumwinkel stammt aus einer wohlhabenden Familie. Nach dem frühen Tod des Vaters führte er zehn Kaufhäuser und 50 Discountläden und verkaufte die 1971 an Rewe. Seitdem spielt Geld im Leben des Kaufmanns keine große Rolle mehr. Er arbeitet zehn Jahre für McKinsey und wird Mitte der 80er Vorstandschef von Quelle. Als ein paar Jahre später der Postminister Christian Schwarz-Schilling einen Mann sucht, der die Post in eine neue Epoche führt, gibt ihm der damalige Deutsche-Bank-Chef Alfred Herrhausen den Hinweis auf Zumwinkel. Der verlässt gerne Fürth, weil ihm Quelle-Eigentümerin Grete Schickedanz zu sehr ins Geschäft redet. In Bonn erwartet ihn eine Behörde, die träge ist wie ein Hippo, ein entsprechendes Image hat und unter politischem Einfluss leidet.

Die Post wird privatisiert, also für den Wettbewerb fit gemacht – mit negativen Begleiterscheinungen. Bis Mitte der 90er Jahre fallen 100 000 Stellen weg. In den folgenden Jahren präpariert Zumwinkel die Post für den Börsengang (2000) und verbreitert die Geschäftsbasis, unter anderem durch den Kauf von Danzas. Danach kommt die Phase der Globalisierung. Mit der Akquisition von DHL wird die Post zum größten Paket- und Logistikkonzern, der inzwischen rund die Hälfte des Umsatzes im Ausland erwirtschaftet, in mehr als 220 Ländern. Mit der Orientierung auf die Auslandsmärkte ist die Deutsche Post World Net, wie die Firma jetzt heißt, tätig, gut vorbereitet für das Ende des Briefmonopols, das 2008 erwartet wird. Dann wird Zumwinkel 65 – und aller Voraussicht nach den Konzern übergeben.

Vielleicht aber auch nicht. Kürzlich erst meinte Zumwinkel, der mit seiner Frau in Köln wohnt, Sohn und Tochter sind aus dem Haus, er fühle sich gut und wolle noch ein paar Jahre dranhängen. Fit hält er sich unter anderem mit Bergwandern. Unter anderem auch in Südtirol unter Führung von Reinhold Messner und gemeinsam mit anderen Spitzenmanagern wie Jürgen Schrempp (Daimler), Jürgen Weber (Lufthansa) und Herbert Henzler (McKinsey). Womöglich holt er sich in den Bergen die Bodenhaftung. „Klaus Zumwinkel ist kein Star, war kein Star und wird nie ein Star werden“, hat er einmal gesagt.

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