Riesiges Haushaltsdefizit : Kreditwürdigkeit der USA in Gefahr

18.04.2011 17:59 Uhr

Den Vereinigten Staaten drohen wegen der horrenden Staatsverschuldung Probleme, sich an den Finanzmärkten günstig frisches Geld zu besorgen. Die große Ratingagentur "Standard & Poor's" senkte den Ausblick der Bonität von stabil auf negativ.

Angesichts des horrenden Haushaltsdefizits der USA droht die Ratingagentur Standard & Poor's mit der Herabstufung der Kreditwürdigkeit der größten Volkswirtschaft der Welt. Zwar werde die Bonität der USA weiter mit der Bestnote „AAA“ bewertet, der Ausblick sei jedoch von „stabil“ auf „negativ“ gesenkt worden, teilte die Ratingagentur am Montag mit. Die Aktienkurse gingen auf Talfahrt, der Goldpreis legte zu.

Standard & Poor's kritisierte die „unklaren“ Pläne der Regierung in Washington, wie sie die „sehr großen Budgetdefizite und die steigende Verschuldung“ angehen wolle. Es gebe ein „erhebliches Risiko“, dass sich die US-Politik bis 2013 nicht darauf einigen könne, wie die mittel- und langfristigen Haushaltsprobleme in den Griff zu bekommen seien.

Die Ratingagentur drohte, den USA in diesem Fall die Topbewertung „AAA“ zu entziehen, mit der sich das Land an den Finanzmärkten zu günstigen Konditionen frisches Geld besorgen kann.

Nach der Ankündigung stürzten die Kurse zu Handelsbeginn in New York ab. Der Dow Jones verlor am Vormittag zeitweise mehr als zwei Prozent, auch der Technologie-Index Nasdaq fiel nach Handelsbeginn um knapp zwei Prozent. An den Börsen in Europa verstärkte die Nachricht die Befürchtungen angesichts der Schuldenkrise in der Euro-Zone, die Börsenbarometer in London, Frankfurt am Main und Paris brachen ein. Anleger flüchteten weiter in Gold: Der Preis für das Edelmetall stieg auf einen Rekordwert von 1.490,30 Dollar pro Feinunze.

Das US-Finanzministerium kritisierte die Einschätzung der Ratingagentur scharf. Standard & Poor's unterschätze die Möglichkeiten der Regierung, die „schwierigen fiskalischen Herausforderungen“ anzugehen, erklärte das Ministerium. Die Demokraten von US-Präsident Barack Obama und die Republikaner, die das Repräsentantenhaus kontrollieren, liefern sich eine scharfe Auseinandersetzung über die künftige Haushaltspolitik des Landes.

Nur mit Mühe verabschiedete der Kongress in der vergangenen Woche einen Budget-Kompromiss für die restlichen Monate des Haushaltsjahres 2011. Das erwartete Haushaltsdefizit der USA für 2011 liegt bei 1,6 Billionen Dollar. Im Mai werden die USA die derzeit geltende Schuldenobergrenze von 14,3 Billionen Dollar erreichen, die rund 100 Prozent der Wirtschaftsleistung des Landes entspricht. Der Kongress müsste einer Erhöhung der Obergrenze zustimmen, sonst darf die Regierung nur noch das Geld ausgeben, das sie einnimmt. Die Republikaner haben bereits angekündigt, die Grenze nur anzuheben, wenn Obama weitere Kürzungen zusagt. (AFP)

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