Wirtschaft : Riester-Check (4): Investmentfonds: Mehr Freiheiten mit Fonds

Andreas Kunze

In die staatlich geförderte Altersvorsorge hat der Gesetzgeber ausdrücklich Investmentfonds aufgenommen - doch Angebote kommen bislang nur zögerlich auf den Markt. Bei den Verbrauchern, das zeigt eine aktuelle Studie des Marktforschungsinstitutes Psychonomics, herrscht ebenfalls Zurückhaltung vor. Der Grund: Die seit fast zwei Jahren dauernde Börsenmisere hat tiefe Spuren hinterlassen. Dabei kann das Fondssparen mit Riesterzulage deutlich vorteilhafter sein als die privaten Rentenversicherungen, die schon seit Monaten unters Volk gebracht werden.

Langfristig haben breit anlegende Investmentfonds, vor allem mit Aktien, eine deutlich bessere Rendite gebracht als jede Police. "Schon ein, zwei Prozentpunkte mehr Rendite bedeuten später unter Umständen eine um mehrere Hundert Euro höhere Rente", sagt Jochen Kleeberg, Vermögensverwaltungs-Spezialist von der Beratungsgesellschaft alpha portfolio advisors, Bad Soden.

Ein weiterer Pluspunkt fürs Fondssparen: Der Sparer bekommt mehr Flexibilität im Alter, denn nach langem Hickhack mit der Aufsichtsbehörde soll bei Fonds eine so genannte 60/40-Regel greifen: Danach müssen von dem bis zum Ruhestand gebildeten Kapital nur 60 Prozent in gleichbleibenden oder steigenden monatlichen Raten ausgezahlt werden; etwa über eine dann abgeschlossene Rentenversicherung. Weitere 20 Prozent des Kapitals können in Raten mit schwankender Höhe an den Rentner fließen, also zum Beispiel über einen Fonds-Entnahmeplan. Und die restlichen 20 Prozent darf der Rentner auf einen Schlag bekommen. Damit könnte sich dann zum Beispiel der Umzug in eine kleinere Wohnung finanzieren lassen.

Die typische Rentenversicherung hat das nicht zu bieten. Dort bekommt der Kunde Monat für Monat seine Rente überwiesen, eine Extrazahlung zu Beginn des Rentnerlebens etwa mit 60 oder 65 Jahren ist nicht vorgesehen. Und wenn jemand schon nach zwei Jahren Rente stirbt, ist das Restkapital für die Hinterbliebenen verloren. Es sei denn, es wurde eine Garantiezeit vereinbart, wodurch die Rente geringer ausfällt.

Aus der Aufsichtsbehörde war in den vergangenen Tagen zu hören, für Policen könnte eine vergleichbare Regelung wie für Fonds geschaffen werden. Es ist allerdings kaum zu erwarten, dass die Versicherer davon Gebrauch machen würden. Schließlich haben sie eine teilweise Einmalzahlung bei Rentenbeginn selber heftig kritisiert: Das Vorsorgeziel könne gefährdet sein, wenn ein Neurentner ein Fünftel seines Geldes gleich ausgeben darf.

Die konkreten Angebote der Fondsgesellschaft sind durchaus unterschiedlich gestrickt, wenngleich sie die wichtigste Riester-Regel vereint: Wie bei Rentenversicherungen und Banksparplänen muss mindestens das eingezahlte Geld garantiert sein; der Rentner bekommt also in der Summe mindestens das raus, was er gespart hat. Verluste sind damit ausgeschlossen.

Die größte deutsche Fondsgesellschaft, die Deutsche-Bank-Tochter DWS, hat ein "Lebensphasen-Modell" für die Riester-Rente kreiert. Der Gedanke dabei ist nicht neu: Je jünger der Sparer ist, desto mehr kann er in Aktien investieren. "Die Verlustwahrscheinlichkeit bei Aktienengagements reduziert sich, je länger man investiert", erläutert dazu Experte Kleeberg. Je näher der Ruhestand rückt, so das DWS-Konzept, desto mehr Kapital wird dann in Rentenfonds mit festverzinslichen Papieren umgeschichtet.

Anders geht die Commerzbank-Tochter Adig heran. Beim Angebot "Förder-Depot" wird zu 80 Prozent in Aktienfonds investiert. Nur drei Fonds stehen zur Auswahl. Die restlichen 20 Prozent des Geldes legt die Adig in Rentenfonds an, um so den Kapitalerhalt garantieren zu können. Bei der Variante "Förder-Depot Kombi" wird wiederum der Garantiewert über eine Versicherung gewährleistet; lediglich die dafür nicht benötigten Sparanteile fließen in einen Aktienfonds. Union Investment (Volks- und Raiffeisenbanken) bietet fürs Riestersparen ebenfalls nur einen Fonds an, den international investierenden Uni-Global. Vier Jahre vor dem Ablauf der geplanten Spardauer soll der Vorsorge-Sparer nach und nach in sichere Rentenfonds umschichten. "Das kann allerdings sehr knapp sein", meint Experte Kleeberg. "Wer fünf Jahre vor Ablauf einen Börsencrash erwischt, sieht als Rentner möglicherweise wirklich alt aus. Daher ist es besser, schon vorher Geld auf die sichere Seite zu bringen."

In den nächsten Monaten wollen noch andere große Fondsgesellschaften wie etwa die Deka (Sparkassen) Angebote auf den Markt bringen. Kleeberg rät: "Erst mal warten, bis mehr Angebote zur Verfügung stehen. Wer sich dann fürs Fondssparen entscheidet, sollte neben den Kosten darauf achten, dass das Geld nicht nur in einen Fonds fließt. Besser ist eine Streuung auf mehrere Fonds mit unterschiedlichen Anlageschwerpunkten."

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