Wirtschaft : Riester-Sparer verschenken Millionen

Viele Bürger beantragen die staatlichen Zulagen nicht / Versicherer wollen 2005 zum „Riester-Jahr“ machen

Heike Jahberg

Berlin – Mindestens 100 Millionen Euro haben die Bundesbürger im vergangenen Jahr verschenkt, weil sie ihre Riester-Zulagen nicht beantragt haben. Nach Angaben der zentralen Zulagenstelle haben bis Ende 2004 nur 2,4 Millionen Menschen die staatliche Förderprämie für das erste Riester-Jahr 2002 beantragt, obwohl fünf Millionen Riester-Sparer einen Anspruch darauf gehabt hätten. Mit dem Jahreswechsel sind die Zulagenansprüche für 2002 definitiv verfallen.

Tatsächlich dürfte Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) noch deutlich mehr Geld gespart haben. Denn die 100 Millionen Euro beziehen sich nur auf die Grundzulage, die jedem Riester-Sparer zusteht, die zusätzlichen Prämien für Kinder sind nicht berücksichtigt. Eine böse Überraschung dürften bei ihrer nächsten Steuererklärung vor allem Gutverdiener erleben, die Riester als Steuersparmodell nutzen wollten.

Was viele nicht wissen: Machen sie in ihrer Steuererklärung von dem Sonderausgabenabzug Gebrauch, zieht das Finanzamt automatisch die staatliche Zulage ab – „auch wenn die Betroffenen die Zulage überhaupt nicht beantragt haben“, warnt Walter Glanz von der Bundesversicherungsanstalt für Angestellte (BfA), bei der die Zulagenstelle angesiedelt ist. Pannen wie diese können Riester-Sparer in Zukunft vermeiden. Seit diesem Jahr kann man einen so genannten Dauerzulagenantrag stellen – auch rückwirkend für das Jahr 2003. Der Vorteil: Man braucht dann nicht mehr Jahr für Jahr die staatliche Zulage erneut zu beantragen, sondern muss der Zulagenstelle nur noch zwischenzeitlich eingetretene Veränderungen mitteilen.

Nicht nur wegen dieser Entbürokratisierung hofft die Versicherungsbranche jetzt auf eine Renaissance der Riester-Rente. „Das Produkt wird unter Wert gehandelt“, sagt Timo Scheil von der Allianz-Lebensversicherungs AG. Nach dem Wegfall des Steuerprivilegs für Kapitallebensversicherungen setzen die Versicherer nun auf den einstigen Ladenhüter Riester. So legt die Allianz ihren Vertretern nahe, bei Treffen mit Kunden „Riester als erstes ins Gespräch zu bringen“, sagt Scheil. Das Verkaufsargument: Förderquoten zwischen 30 und 50 Prozent.

Auch Verbraucherschützer empfehlen die staatlich geförderte Altersvorsorge. „Für viele ist das Riester-Sparen unschlagbar“, betont Wolfgang Scholl, Versicherungsexperte des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen (vzbv). Es gebe kaum ein Produkt, „das so vorteilhaft ist wie Riester“. Zumal jetzt auch der Förderrahmen immer attraktiver wird (siehe Grafik) .

Um die Riester-Rente zu unterstützen, hat aber auch der Gesetzgeber jetzt noch einmal nachgebessert. Neben dem vereinfachten Zulagenantrag hat Rot-Grün die Vertragsbedingungen gelockert. Jetzt können bis zu 30 Prozent der angesparten Rentensumme auf einen Schlag ausgezahlt werden, ohne dass dieses die Förderprämie gefährden würde. Hinzu kommt: „Riester ist Hartz-fest“, sagt Michael Gaedicke vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Das heißt: Riester-Verträge bleiben beim Arbeitslosengeld II außen vor.

Kein Wunder, dass die Branche die Vorzüge der Riester-Verträge jetzt stärker in den Vordergrund stellen will. Aufklärungsbedarf gibt es auf jeden Fall. Denn nach dem großen Anfangsinteresse im Riester-Startjahr 2002 ist die Lust der Deutschen am Riestern beträchtlich gesunken. Das soll sich jetzt ändern – und zwar möglichst schnell. Nachdem die Versicherer ihren Kunden schon im vergangenen Jahr Druck gemacht haben, noch zügig eine steuerbegünstigte Kapitallebensversicherung abzuschließen, hat sie auch in diesem Jahr wieder allen Grund, die Verbraucher anzutreiben. Denn ab 2006 müssen Riester-Renten neu kalkuliert werden, hat der Gesetzgeber bestimmt. Dann gelten gleiche Tarife für Männer und Frauen. Bislang zahlen die Männer wegen ihrer kürzeren Lebenserwartung zehn bis 15 Prozent niedrigere Beiträge – bei neuen Verträgen, die ab 2006 geschlossen werden, wird dieser Beitragsvorteil entfallen, Altverträge bleiben unberührt. Die nächste Jahresendrallye ist schon in Sicht.

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