Wirtschaft : Risiko-Lebensversicherungen im Angebot

Frauen leben länger als Männer, deshalb zahlen sie weniger für ihre Risiko-Police.So kalkulieren die Lebensversicherer seit Jahrzehnten.Doch diese Annahme ist falsch."Jüngste Statistiken zeigen, daß insbesondere bei berufstätigen jungen Frauen nur noch geringe Unterschiede zu den Männern bestehen", erläutert Ludwig Niggl, Vorstand beim Direktversicherer Ontos.

Seit die Männer als pauschale Risikogruppe ausgedient haben, suchen Versicherungsmathematiker aller großen Assekuranzen fieberhaft nach neuen Differenzierungsmöglichkeiten - der Wettbewerb zwingt dazu.Schließlich sollen die Tarife für Otto Normalverbraucher so niedrig wie möglich bleiben.Das geht aber nur, wenn Versicherte, die nachweislich gefährlicher leben als der Durchschnitt, entsprechend mehr zahlen.Kandidaten gib es genügend."Wer ein besonders risikoreiches Hobby betreibt, zahlt mehr", sagt Paul Neurohr vom Direktversicherer Cosmos.Free-Climber, Rafter und Bungee-Springer berappen ebenso einen Gefahrenzuschlag wie Motorradfahrer.Besonders beliebt als Tarifierungsmerkmal ist momentan der Unterschied zwischen Rauchern und Nichtrauchern.Die Raucher werden gleich doppelt bestraft: mit höheren Steuern und teureren Prämien.Für Eckhard Freiherr von Uckermann von der Hannoverschen Leben ein Problem: "Wir sehen die Gefahr einer negativen Risikoselektion.Deshalb bieten wir keinen speziellen Nichtrauchertarif an.Auch unser Standardtarif ohne Wenn und Aber ist attraktiv."

Tatsächlich würde die Hannoversche im DM-Vergleich eine Top-Position erreichen, wenn man die Normaltarife als Vergleich heranzieht.Da aber die Mehrheit der Deutschen mittlerweile nicht raucht, hat DM für den Preis-Vergleich Nikotin-Abstinenzler als Basis genommen.Die Ergebnisse lassen an Eindeutigkeit nichts zu wünschen übrig: Wie in kaum einer anderen Vesricherungssparte lassen sich bei einer Risiko-Lebensversicherung knackig Beiträge sparen.

Konkret: Bei gleicher garantierter Leistung (100 000 DM Versicherungssumme) unterscheiden sich die Prämien für einen Youngster (25 Jahre) um bis zu 592 Prozent.Bei einem arrivierten Familienvater (40 Jahre) gibt es Prämienunterschiede von immerhin 523 Prozent.Konkret: Muß der 25jährige Nichtraucher etwa bei Ontos nur 12,40 DM monatlich zahlen, kostet die gleiche Garantieleistung beim teuersten Anbieter satte 73,50 DM.Unterschied: 61,10 DM.Das ist auf den ersten Blick schon beeindruckend, dramatisch werden solche Unterschiede aber, wenn das daraus resultierende Sparpotential über die gesamte Laufzeit gerechnet wird.Resultat: Mit 7,2 Prozent aufgezinst ergeben sich so Einsparungen von insgesamt 110 013 DM im Musterfall.

Noch größer werden die Unterschiede, wenn künftig mehr Tarifvarianten auf den Markt kommen.Den Trend weist das Versicherungs-Mutterland Großbritannien: Dort wird schon jetzt nicht nur nach Alter und Geschlecht, sondern auch nach Familienstand, Anzahl der Kinder, Einkommen und Vermögen gefragt.Freiherr von Uckermann: "Welche Modelle sich davon im deutschen Markt etablieren werden, ist noch ungewiß.Sicher kommt aber noch in diesem Jahr eine Differenzierung nach Berufen." Ob Handwerker, Bürokraft oder Selbständiger mit Risikojob - die Versicherer können auf statistisches Zahlenmaterial von rund 8000 Berufen zurückgreifen.Daß beispielsweise der gestreßte Kneipenwirt dann erheblich mehr zahlen muß als der Oberamtsrat, gilt als sicher.Noch ist die Prämienvielfalt nicht Realität.Grund genug, jetzt die günstigsten Angebote unter die Lupe zu nehmen und noch schnell zu unterschreiben.Vor Vertragsabschluß sollten Sie klären, wofür Sie die Risiko-Police benötigen, denn sie läßt sich vielseitig einsetzen

als günstiger Einstieg für junge Paare und Familien, um Vorsorge zu treffen für den vorzeitigen Tod des Hauptverdieners.Innerhalb von zehn Jahren nach Vertragsabschluß offerieren die meisten Versicherer ihren Kunden eine Umtauschoption der Risiko- in eine Kapital-Police ohne erneute Gesundheitsprüfung.Wer dieses Optionsrecht wahrnehmen will, sollte besonders kritisch bei der Wahl des Vertragspartners sein.Denn eine niedrige Risiko-LV-Prämie garantiert noch keine guten Ergebnisse bei der Kapital-LV.

als notwendige Absicherung bei Finanzierungsgeschäften: Gleichgültig, ob ein Darlehen fürs Auto oder ein Hypothekenkredit für die Immobilie abzusichern sind - die Risiko-Lebensversicherung gehört fast immer zur Finanzierung.

Tip: Vertrauen Sie nicht blind auf das Komplettpaket der Bank.Oft versucht diese, den günstigen Kredit-Zinssatz durch Provisionen für eine überteuerte Risiko-LV aufzubessern.

Bei der Risiko-LV gibt es verschiedene Grundformen, nämlich solche

mit linearer Versicherungssumme.Hier bleibt die Versicherungsleistung und Prämie während der gesamten Laufzeit konstant.

mit linear fallender Versicherungssumme.Die garantierte Leistung fällt im Laufe der Jahre um einen festen (linearen) Wert.Das macht Sinn bei festen Ratenzahlungen - beispielsweise bei einem Anschaffungsdarlehen.Mit der Versicherungssumme fallen auch die Prämien.

mit degressiv fallender Versicherungssumme.Diese Form ist vor allem bei sogenannten Annuitätendarlehen üblich.Im Idealfall paßt sich die Versicherungsleistung der Entwicklung der Restschuld an.Bei Ontos braucht der Interessent beispielsweise nur Zins und Tilgung zu nennen, dann rechnet der Versicherer die optimale Restschuldversicherung aus.

Viel Geld sparen läßt sich bei einer optimal ausgesuchten Risiko-LV allemal.Den Vertreterspruch "Denken Sie an Leistungsunterschiede" können Sie getrost vergessen, denn Leistungsunterschiede gibt es in der Risiko-LV nicht.Es gibt nur ein Risiko und damit einen Leistungsfall - den Tod.

Dennoch bleibt ein verborgenes Risiko übrig: die Überschußbeteiligung.Was verbirgt sich dahinter? Jede Versicherung ist ein Geschäft mit dem Risiko.Treten weniger Schäden auf als kalkuliert, entstehen Risikogewinne.Diese werden - in Form der Überschußbeteiligung - gutgeschrieben.Zwei Modelle gibt es

Erstens den Todesfallbonus: Hier werden die Gewinne dazu verwendet, die Leistung im Todesfall zu erhöhen.Und zweitens den Sofortrabatt: Gewinne werden auf die laufende Prämie (Brutto- oder Tarifprämie) angerechnet.Welchem Modell Sie auch den Vorzug geben - generell gilt: Wird der Versicherungsschutz zu teuer, müssen Sie kündigen.Das geht jederzeit.Finanzielle Nachteile sind mit einem Wechsel kaum verbunden: Zwar steigt mit dem Alter auch die Prämie, aber ein günstiger Versicherer läßt sich auch nach einigen Jahren Laufzeit finden.Beispiel: Nach zehn Jahren Laufzeit muß der Youngster eine neue Versicherung suchen.Sein Eintrittsalter nunmehr: 35.Der günstigste Anbieter verlangt 17,05 DM.Einschließlich 4,65 DM Prämienzuschlag für zehn Jahre Älterwerden liegt das immer noch unter dem Durchschnitts-Preis des 25jährigen.ERHARD DRENGEMANN(DM)

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