Wirtschaft : Risikofreudige BMW-Führung

THOMAS MAGENHEIM

BMW-Chef Joachim Milberg gilt in seinem Metier als Produktionsfachmann. Endlich hat er ein Konzept zur Sanierung von Rover vorgelegt. Mit einer massiven Milliardenspritze sollen die maroden britischen Werke in profitable Fabriken verwandelt werden. Technisch ist den Münchenern das zuzutrauen. Die heimischen Standorte gelten in puncto Fertigung branchenweit als wegweisend, und solange Rover an der kurzen Leine bleibt, sollte der hiesige Standard auch auf der Insel erreichbar sein. Mit der Verabschiedung des neuerlichen Investitionspakets hat BMW nicht nur eine Entscheidung zur Rettung Rovers getroffen. Speziell mit dem Votum für ein Rover-Modell in der Golf-Klasse haben die Münchener vielmehr in einer von Überkapazitäten geprägten und stark zusammenwachsenden Automobilwelt ihren Willen bekräftigt, als Vollanbieter über alle Marktsegmente hinweg präsent sein zu wollen. In der Vergangenheit konnte BMW als Luxuswagenhersteller aus einer äußerst lukrativen Marktnische heraus operieren. Nun setzen sie sich als ein relativ kleiner Autokonzern dem Massenmarkt aus. Das birgt zweifellos Chancen, aber auch immense Risiken, wie schon die Zahlen zeigen.Die Münchener weiten ihre jährlichen Investitionen von zuletzt gut vier Milliarden DM auf jeweils sechs Milliarden DM bis 2004 aus. Gelingt dieser Kraftakt, hat BMW damit wohl endgültig seine Eigenständigkeit zementiert und eine Daseinsberechtigung im Konzert der global operierenden Pkw-Hersteller unter Beweis gestellt. Mißlingt die Sanierung von Rover dagegen, wäre das ein von der BMW-Eignerfamilie Quandt nicht zu übersehender Beleg dafür, daß die weiß-blaue Firma gegenüber Giganten wie Ford oder DaimlerChrysler allein doch nicht überlebensfähig ist. Man mochte BMW-Managern zuletzt vieles vorwerfen. Das Risiko aber scheuen sie nicht.

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