Wirtschaft : Risikokapital im Trend

BERLIN (olm).Mit einer Verdoppelung der Bruttoinvestitionen auf 2,4 Mrd.DM und mehr als 960 neuen Beteiligungen verbucht der Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK) 1997 als Rekordjahr.Der BVK-Vorstand verbindet diesen sprunghaften Anstieg mit einer Art Euphorie, die das Thema Risikokapital inzwischen begleitet.

Geld sei genügend vorhanden; rund sechsMrd.DM suchten zur Zeit eine profitable Anlage, sagte BVK-Vorstandschef Albrecht Hertz-Eichenrode am Donnerstag auf dem 4.Deutschen Eigenkapitaltag in Berlin.Da das Interesse an Immobilienwerten, Renten und ähnlichen Anlageformen nachlasse, käme die Gründung immer neuer Beteiligungsgesellschaften nicht überraschend.Hertz-Eichenrode hob insbesondere die Aktivitäten der Sparkassen in Form von Regionalfonds aber auch privater Investoren hervor.Darüberhinaus entdeckten die Großkonzerne das Corporate Venture Capital neu.Schon 15 entsprechende Fonds von Industrieunternehmen seien bereits am Markt.Neu sei auch das zunehmende Interesse von Anbietern aus den USA.Wachsende Volumina der einzelnen Transaktionen quer durch alle Segmente und große mehrheitliche Übernahmen - vor Jahren noch eine Rarität in Deutschland - sind nach Meinung des BVK-Vorsitzenden "auf dem besten Wege fast alltäglich zu werden."

Um die volkswirtschaftliche Bedeutung von Wagniskapital nachzuweisen - die gesamte Branche verfügt in Deutschland über ein Investitionsvolumen von rund 7,7 Mrd.DM, investiert in 3800 kleinen und mittleren Unternehmen - legte der BVK zum ersten Mal eigene statistische Daten vor.Danach stieg von 1992 bis 1996 bei den mit Venture Capital finanzierten Firmen die Beschäftigung um 17,2 Prozent, während die Arbeitsplätze insgesamt in Deutschland um 5,2 Prozent abgebaut wurden.Ferner lagen nach den BVK-Umfrageergebnissen Eigenkapitalquote, Umsätze, Umsatzrenditen und Investitionsquote dieser Unternehmen über dem allgemeinen Durchschnitt.

Hertz-Eichenrode forderte den Staat auf, die Rahmenbedingungen für die Schaffung von Risikokapital weiter zu verbessern.Es sei bedauerlich, daß Bonn den Vorschlag abgelehnt habe, Veräußerungsgewinne auf der Ebene einer Unternehmensbeteiligung generell steuerfrei zu stellen.Im internationalen Vergleich ergebe sich daraus ein Standortnachteil für deutsches Wagniskapital.Schon heute gingen neu eingeworbene Fonds mit ihrem Sitz lieber ins Ausland.

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