Wirtschaft : Riskantes Kirch-Erbe

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Von Henrik Mortsiefer

Ist das Drama um die Zerschlagung und den Verkauf des KirchImperiums nun beendet? Wenn die allerletzte von vielen vermeintlich letzten Fristen im Insolvenzverfahren jetzt tatsächlich abläuft, können die Mediengeschäfte in München bald wieder in Ruhe weitergeführt werden. Die Regie hat dann einer, mit dem vor Kurzem noch niemand rechnete: Haim Saban. Zum ersten Mal in der Mediengeschichte würde ein US-Konzern im großen Stil ins deutsche Fernsehgeschäft einsteigen. Das Duopol, hier Bertelsmann mit RTL, dort Kirch mit ProSiebenSat1, würde internationalisiert. Bauer bliebe Verleger in Hamburg. Das Kartellamt müsste nicht einschreiten, die Medienaufsicht keine neue Konzentration fürchten. Und die Gläubiger könnten hoffen, einen Teil ihres verbrannten Geldes wiederzubekommen. Eine optimale Lösung also?

Der Wechsel von „Citizen Kirch“ zum „König Midas der Medienwelt“ Saban wirft eine Menge Fragen auf, die sich bei Bauer nicht gestellt hätten. Da ist vor allem Sabans Lässigkeit: Während Bauer Vorsicht walten lässt, statt mehr als geplant ins TV-Geschäft zu stecken, kündigt Saban Milliarden-Investitionen an, als gebe es die Medienkrise nicht. Und das alles aus dem eigenen Portemonnaie. Zugleich gibt er eine Standort- und Arbeitsplatzgarantie ab und kündigt den Ausbau des maroden Filmhandels an, der Kirch einst ruinierte. Es mag dies die große Geste Hollywoods sein, mit der ein Selfmade-Milliardär die deutsche Fernsehlandschaft beeindrucken will. Am Ende zählt jedoch, was er auf den Tisch legt. Und das hat Saban bisher nur in Ansätzen beschrieben. Bekannt sind dagegen die Bedingungen, unter denen Fernsehen in Deutschland gemacht wird: bei sinkenden Werbeeinnahmen, steigenden Kosten und in Konkurrenz zu den mächtigen öffentlich-rechtlichen Sendern. Saban sucht erklärtermaßen das Risiko – er wird es als Erbe Leo Kirchs bald finden.

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