Riskantes Spielzeug : EU meldet immer mehr gefährliche Produkte

Das Problem ist nicht neu, aber es wird massiver: Spielzeug, Kleidung, Autos, die nicht den Sicherheitsstandards der EU-Länder genügen kommen meist aus Fernost. Die Dunkelziffer ist Experten zufolge höher als die offizielle Zahl.

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Berlin - Stifte zum Bemalen von Ballons, ein blauer Roller, ein Mickey-Maus-Malset, perlenbesetzte Schuhe – die Auflistung könnte von einem Kinderwunschzettel stammen. Stattdessen finden sich diese Produkte auf der Rapexliste, auf der die EU-Kommission wöchentlich gefährliche Konsumgüter meldet. Die meisten enthalten zu viele giftige Stoffe, andere wiederum sind so produziert, dass Verbraucher – besonders Kinder – sich verletzen oder gar strangulieren könnten. 30 europäische Länder melden an Rapex (der Begriff steht für Rapid Exchange of Information System, also schnelles Informationsaustauschsystem), das in einem Europa ohne Innengrenzen für mehr Verbrauchersicherheit sorgen soll.

Die Zahl der Meldungen nimmt zu: 2009 waren es fast 2000, sieben Prozent mehr als noch im Jahr zuvor. Das teilte der EU-Verbraucherkommissar John Dalli am Donnerstag in Brüssel mit. 2003 hatten die Länder nur 139 Produkte gemeldet. Der überwiegende Teil der als gefährlich eingestuften Güter stammt aus China. Die meisten Beanstandungen gab es bei Spielzeugen und Kleidung, aber auch Fahrzeuge und Elektrogeräte stehen auf der Liste. Zudem stellte die Kommission eine Studie vor, der zufolge ein Fünftel der Spielzeuge in 13 EU-Ländern nicht den Sicherheitsstandards entsprechen. Die Kommission sieht im Anstieg der Meldungen ihr Warnsystem bestätigt. „Rapex ist in den vergangenen sechs Jahren zu einem Beispiel für die Effizienz von EU-weiter Zusammenarbeit in diesem Bereich geworden“, sagte Dalli. Die Überwachungssysteme der Mitgliedstaaten und die Zusammenarbeit mit Drittstaaten sei besser geworden. Die neuen Zahlen bedeuteten nicht, dass mehr gefährliche Produkte auf den europäischen Märkten seien, hieß es.

Der Tüv geht hingegen davon aus, dass es in Europa noch weit mehr gefährliche Güter gibt, als offiziell bekannt ist. Die Zahlen der Kommission seien „nur die Spitze des Eisbergs“, teilte die Organisation mit. Auch die Verbraucherschützer zeigten sich besorgt: „Wenn ein Mitgliedstaat die Einfuhren schlecht kontrolliert, gelangen die Produkte ganz schnell in die ganze EU“, sagt Monika Büning vom Bundesverband der Verbraucherzentralen. Derzeit werde die Marktüberwachung von jedem Mitgliedsland eigenständig geregelt. „Wir fordern mehr Kontrollen, und die sollten in ganz Europa den gleichen Standards entsprechen“, sagt Büning. Rapex sei grundsätzlich eine gute Idee. „Den Verbrauchern bringt es aber wenig, weil es zu lange dauert, bis die Produkte auf der Liste erscheinen“, kritisiert Büning. Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) fordert schärfere Vorgaben vor allem für chemische Stoffe in Spielzeug. Auch die FDP verlangt strengere Grenzwerte, besonders bei Produkten für Kleinkinder. „Die Ergebnisse zeigen, dass die Kontrollen funktionieren“, sagte der verbraucherpolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Erik Schweickert. Die Hersteller müssten auf gefährliche Stoffe verzichten.

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