Wirtschaft : „Rita“ macht Autofahren teurer

Deutsche Bank und DIW erwarten neue Preisrunden an den Tankstellen: Superbenzin bald bei 1,50 Euro?

Anselm Waldermann

Berlin - Benzin und Diesel werden nach Einschätzung von Experten schon in kurzer Zeit deutlich teurer. In den nächsten zwei Wochen werde ein Liter Super mehr als 1,50 Euro kosten, sagte Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) dem Tagesspiegel. „Wir werden weitere Preisrunden sehen“, erklärte sie. Auch Josef Auer von der Deutschen Bank Research schloss einen Preis von 1,50 Euro in nächster Zeit nicht aus. Für Diesel hält Auer einen Preis von 1,28 Euro pro Liter für möglich. Derzeit kostet der Liter Super im Bundesdurchschnitt 1,37 Euro, für Diesel sind 1,16 Euro fällig.

Erst vor zwei Tagen waren die Benzin- und Dieselpreise in Deutschland durchschnittlich um je drei Cent pro Liter gestiegen. Die Mineralölkonzerne hatten dies mit Raffinerieengpässen in Erwartung des Wirbelsturms „Rita“ begründet. So waren am Golf von Mexiko zahlreiche Förder- und Verarbeitungsanlagen geschlossen worden. Wenn „Rita“ nun an diesem Samstag auf die Küste trifft und größere Schäden anrichtet, würde dies die Treibstoffmärkte weiter belasten.

„In Europa reichen die Raffineriekapazitäten noch aus“, sagte Auer von der Deutschen Bank. „Aber in den USA wird es eng.“ Die Amerikaner kauften daher immer mehr Ölprodukte wie Benzin, Diesel und Heizöl in Europa ein – und das treibt dann auch hier die Preise. „Bis ausreichend neue Raffinerien gebaut sind, vergehen mindestens zwei Jahre“, sagte Auer voraus.

Auch Rohöl wird sich durch „Rita“ vermutlich wieder verteuern. Zwar hat der Preis am Freitag leicht nachgegeben, nachdem der Hurrikan um eine Sturmwarnstufe herabgesetzt wurde. Allerdings ist die Marktlage noch äußerst instabil. „Viele westliche Länder haben mittlerweile ihre Reserven angegriffen“, erklärte Auer. Gleichzeitig ist die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) nach eigenen Angaben an ihr Fördermaximum gestoßen. „Bei jedem unvorhergesehenen Ereignis ist der Markt nun verwundbar“, sagte Auer. Die Anfälligkeit sei derzeit „so hoch wie noch nie in den vergangenen Jahren“. Die kleinste Krise – zum Beispiel im Iran – würde nun zu weiteren Preisspitzen führen.

„Die Zeit des billigen Öls ist vorbei“, sagte Auer. „Wir können uns gut vorstellen, dass wir wieder über 70 Dollar kommen.“ Derzeit kostet ein Barrel (159 Liter) Rohöl in New York rund 66 Dollar. Zu Zeiten des Wirbelsturms „Katrina“ war ein Rekordwert von 70,85 Dollar erreicht worden.

DIW-Expertin Kemfert hält sogar noch größere Steigerungen für möglich. „Rita wird die 71 Dollar von Katrina noch übertreffen“, sagte sie voraus. Wenn die Internationale Energieagentur (IEA) nicht eingreife, sei ein Rohölpreis von 80 Dollar „durchaus denkbar“. Bei einem Eingreifen der IEA werde es vermutlich auf einen Preis um die 75 Dollar hinauslaufen – „es sei denn, Rita löst sich in Luft auf.“

Auch Wirtschafts-Staatssekretär Bernd Pfaffenbach befürchtet durch „Rita“ einen weiteren Anstieg des Ölpreises. Er sehe allerdings „keine echte Angebotsknappheit“, sagte Pfaffenbach in Berlin. Weiterhin sei viel Spekulation mit im Spiel. Einen dauerhaft steigenden Ölpreis erwarte er daher nicht. Im Übrigen rechne er weder für die Weltwirtschaft noch für die deutsche Konjunktur mit gravierenden Beeinträchtigungen durch das teure Öl. Ähnlich äußerte sich der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertags Ludwig Georg Braun.

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